Straßenbahnsitzung: Bewegter Karneval (Sarah)

Als ich zum ersten Mal von der Straßenbahnsitzung gehört habe, wusste ich nicht so Recht, was ich davon halten sollte. Ich hatte keine Vorstellung, wie eine Sitzungist eine Karnevalsveranstaltung zwischen der Proklamation und Karnevalsdienstag mit einem bunt gemischten Bühnenprogramm: Tanzgruppen und Korpsgesellschaften ziehen in den Saal und präsentieren ihre Tanzkünste, Büttenredner widmen sich mit Witz und Ironie den großen und kleinen Themen der Welt und kölsche Musiker reißen das Publikum von den Stühlen. Highlights sind der Einzug des Dreigestirns und die Ansprache des Prinzen an sein „Narrenvolk“. auf so einem engen Raum bewerkstelligt werden könnte. Da ich grundsätzlich offen für Neues bin, habe ich mich riesig über die Einladung gefreut und war schon Tage vorher sehr gespannt.

Vor der Fahrt

Am vergangenen Samstag ging es ab 15 Uhr los. Der Start war im Gasthaus „Zum Jan“, die Stammkneipe des Reiter-Korps Jan von Werth. Diese liegt praktischerweise direkt am Neumarkt, denn von da aus sollte unsere Bahn am Abend starten. Erst einmal war man zu Kölsch und Mettbrötchen geladen, um den Nachmittag und die anschließende Bahnfahrt mit einer guten Grundlage zu starten.

Benefizsitzung

Angekommen im Gasthaus wurde ich von Mitbegründer Dirk Becker herzlich empfangen. Er war super erfreut darüber, dass ich mitfahren und darüber schreiben wollte. Normalerweise kommt man nicht so leicht in den Genuss bei dieser besonderen Sitzung dabei sein zu dürfen, denn dazu wird man ausschließlich eingeladen. Karten kann man also keine kaufen, aber das alles hat auch einen Grund. Die Gründer der 1. Kölner Straßenbahnsitzung spenden den kompletten Erlös entweder wie 2016 an bedürftige Kölner Kinder oder wie in diesem Jahr für ältere Menschen in Not.

Die Getränke und das Essen sind frei und werden durch Sponsoring finanziert. Ohne dieses Sponsoring würde so eine Veranstaltung überhaupt nicht existieren. Selbst alle Künstler und Helfer haben sich an diesem Tag ohne Bezahlung um das Wohl der Gäste gekümmert und hatten dabei riesigen Spaß.

Weil niemand sein Kölsch bezahlen musste, hat jeder am Ende eine Spende abgegeben. Ich selbst war unwahrscheinlich überrascht, wieviel Geld da zusammenkommen kann und wie viele ohne zu zögern einige Hundert Euro spenden. Im letzten Jahr sind 9.000 Euro gesammelt worden, die an die Organisation „Laachende Hätze“ gespendet wurden. In diesem Jahr waren es sogar 14.000 Euro.

Das Kölner Kinderdreigestirn

Ein für mich ganz toller Programmpunkt war der Besuch des Kölner Kinderdreigestirns. Die drei Kleinen sind einfach nur super süß und unglaublich freundlich. Vom Einzug bis zur Bühne und selbst nach dem Auftritt hatten die Kleinen ein Lächeln im Gesicht. Ich finde, die Drei sind genauso gut drauf wie ihre großen Vorbilder. Da leider eine Musikanlage fehlte, mussten die Kleinen ihren Sessionshit a capella performen, was den Auftritt aber zu etwas Besonderem machte. Das ganze Publikum sang mit und die Stimmung war einfach toll. In diesem Moment hat man den Menschen angemerkt, warum sie bei der Straßenbahnsitzung waren, sie wollten etwas Gutes tun. Besonders beeindruckt hat mich die Rede des Prinzen Conrad, so jung schon so eine flüssige Rede zu halten und mit solch beeindruckenden Worten war einfach großartig. Am Ende gab es für das Kinderdreigestirn mit Gefolge noch Geschenke, Ordenwerden auch im Karneval als Anerkennung für besondere Verdienste verliehen. Freunde und Förderer der Gesellschaften, Künstler, illustre Gäste und edle Spender werden mit Orden ausgezeichnet, aber auch jeder Jeck kann sich selber einen Sessionsorden kaufen. Sollten Orden in den Anfängen einmal die Ordensflut der preußischen Obrigkeit persiflieren, sind sie inzwischen zu begehrten Sammlerobjekten geworden. Denn die Karnevalsgesellschaften haben den Ehrgeiz, jedes Jahr künstlerisch wertvolle und aktuelle Exemplare zu entwickeln, und so gibt es in jeder Session eine Vielzahl an bunt schillernden Orden. Besonders begehrt ist die P... und jede Menge Haribo.

Ordenverlosung

Nächster Programmpunkt war die Verlosung der Orden der 1. Kölner Straßenbahnsitzung und zwar die mit den Nummern 1, 11 und 111. Auch die Beträge, die bei dieser Verlosung zusammenkamen, wurden gespendet. Der Orden mit der Nummer 111 ging für unschlagbare 250 Euro weg und für die anderen beiden Orden wurde jeweils mehr als 100 Euro geboten. Ich war einfach nur erstaunt darüber, wie schnell die Hände mit den Geboten in die Höhe gingen.

Es geht los – Straßenbahnsitzung

Um 17:45 Uhr war es dann soweit, es ging Richtung Neumarkt in die Bahn. Die Bahn wurde dieses Jahr von den Stadtwerken Bonn gestellt, da keine Bahn der KVB zur Verfügung stand. Bis Anfang des Jahres war also noch gar nicht klar, ob die Straßenbahnsitzung überhaupt durchgeführt werden konnte. Nach der Zusage der Bonner Stadtwerke gab es dann jede Menge Arbeit für Dirk Becker und seine Kollegen. Doch zum Glück konnte die Bahn starten und der ganze Stress und Schweiß hatten sich am Ende gelohnt.

Nun, wie man sich vorstellen kann, ist es in einer Bahn relativ eng und mit ca. 110 Jecken war das Ganze dann unfassbar eng. Im Inneren der Bahn gab es auch eine Theke und einen abgegrenzten Bereich für die Künstler. Sitzplätze waren nicht so viele da, aber beim Feiern wollen die meisten ja sowieso lieber stehen und schunkeln. Einziges Manko in der Bahn, es gab leider keine Toilette, was für mich der Horror war. Aber auch das habe ich geschafft und habe mir dadurch das Feiern nicht nehmen lassen. Jede Menge ehrenamtlicher Helfer sorgten dafür, den kompletten Zug mit frisch gezapften Kölsch zu versorgen.
Die Route begann wie gesagt am Neumarkt und ging quer durch die Stadt. Die erste Station war in Dellbrück, Pippipause für die Jecken, danach ging es weiter zurück über den Rhein. Den Charme dieser Sitzung machte natürlich auch die Aussicht aus, denn es war ein sehr schöner Moment, als die Straßenbahn in Deutz wieder über den Rhein fuhr und den Blick auf unseren wunderschönen Dom freigab. Man muss sich vorstellen, man sitzt oder vielmehr steht in einer Bahn, ein Kölsch in der Hand, jede Menge Jecke, dazu kölsche Musik und dann noch das grandiose Stadtpanorama. Einfach unglaublich schön!

Um 19:55 kamen wir in Müngersdorf am Stadion an, wo wir eine Stunde Aufenthalt hatten. Das Ganze wurde natürlich musikalisch begleitet und auch das Kölsch war immer noch frisch.
Ende der Fahrt war um ca 21:15 Uhr Uhr wieder zurück am Neumarkt. Die Jecken waren glücklich und die Spendenboxen voll. Ich denke, jeder ging an diesem Abend mit einem guten Gefühl nach Hause, und auch ich habe es mir nicht nehmen lassen eine kleine Spende abzugeben.
Für alle, die noch stehen konnten, ging die Party im Hotel Pullman Cologne weiter, für mich jedoch war es Zeit zu gehen.

Mein Fazit zu diesem Tag: Ich bin absolut beeindruckt von den Gründern dieser Straßenbahnsitzung. So etwas organisatorisch auf die Beine zu stellen und mit der Unterstützung von vielen tollen Menschen durchzuziehen, ist wirklich bemerkenswert. Alle Sponsoren, Helfer und Unterstützer machen da einen ganz tollen Job! Ich bin froh, dass ich es mit erleben durfte und ich so einfach aufgenommen wurde. Vielen Dank an dieser Stelle an Dirk Becker und sein Team.

Weitere Infos zur 1. Kölner Straßenbahnsitzung findet ihr hier.

http://www.appsolutjeck.de/wp-admin/edit.php

 

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