Backstage – Hinter der Bühne während einer Sitzung (Der Wilfried)

„Die müsse nit joot sitze, die müsse joot spille!“ – so die Originalaussage eines Verantwortlichen über die Backstage in einem Festsaal während einer Sitzungist eine Karnevalsveranstaltung zwischen der Proklamation und Karnevalsdienstag mit einem bunt gemischten Bühnenprogramm: Tanzgruppen und Korpsgesellschaften ziehen in den Saal und präsentieren ihre Tanzkünste, Büttenredner widmen sich mit Witz und Ironie den großen und kleinen Themen der Welt und kölsche Musiker reißen das Publikum von den Stühlen. Highlights sind der Einzug des Dreigestirns und die Ansprache des Prinzen an sein „Narrenvolk“.. Der Backstagebereich: Das ist der heilige Raum hinter der Bühne, in dem sich die Künstler und die Roadies vor ihrem Sitzungsauftritt aufhalten. Es ist ein sehr wichtiger Bereich. Abgehetzte Bands und Künstler nutzen ihn meistens, um ein paar Minuten Ruhe zu haben.

Ich habe Gott sei Dank Zugang zu diesem Bereich, da oftmals eine kurze Behandlung abseits des Sitzungstrubels dort stattfinden kann.

Dort trifft man sie alle an. Hier ein paar kleine Stories aus dem Nähkästchen, was hier so alles passiert. Alles kann ich Euch nicht erzählen, da ja vieles nicht in die Presse darf und es unter uns bleiben muss.

Bier und scharfe Sachen haben hier in diesen Räumen nichts zu suchen. Kaltes Bier macht die Stimme kaputt und kann Buchping (Bauchschmerzen) hervorrufen, zumal die auftretenden Künstler oft ziemlich abgehetzt vom letzten Auftritt einfliegen. Kaffee, Tee und Wasser, ab und zu ein kleines Gläschen nicht zu kalten Weines sind die bevorzugten Getränke. Den Backstagebereich im Sartory hat man ja vor ein paar Jahren renoviert. Sogar an zug-freie Fenster hat man gedacht. Früher war das Anzünden einer Zigarette oder einer Kerze überhaupt nicht möglich, da der Windzug einem sofort die Flamme ausgeblasen hat. Auch kann man jetzt auf Überlebensdecken zum Warmhalten verzichten, da die Heizung endlich funktioniert.

Backstage im Pullman

Dagegen ist der Backstageraum im Pullman Hotel was für Survivalkämpfer. Da zieht es wie Hechtsuppe und als Sitzgelegenheit reichen zwei Sessel aus, die aus einer Wohnungsräumung in den 1960er Jahren stammen und seit dieser Zeit noch nicht mal der Sperrmüll mitgenommen hat. Die Jungs von der AWB haben eben auch ihren Stolz. Die nehmen nicht alles mit.

 

Aber hier gibt es eine Rampe für das Musikequipment der Bands auf Rollen. Türe auf, Minusgrade in den Bereich rein, rumms Türe zu. Arschkalt und Zugluft!

Im Sartory gibt es keine Rampe oder Aufzug, da gibt es eine Art Wendeltreppe in den ersten Stock, sehr zur Freude der Schultergelenke und Wirbelsäulen der Stagehands, die alles da hoch und nachher wieder runterwuchten müssen. Der Gürzenich hat einen Aufzug, das Maritim Hotel hat ebenerdig von hinten einen Zugang.
Oftmals ist der Backstage-Bereich den Roadies vorbehalten, wohingegen die Künstler ab und zu im Foyer auf ihren Auftritt warten und das Bad in der Menge vorziehen. Es sei denn, sie wollen ihre Ruhe haben. Dann findet man sie auch dort oder im kleinen abgesperrten Bereich vor den Sälen.

 


Mein Lieblingsroadie ist der Jens von Kasalla. Balu der Bär unter den Stagehands. Wenn dem Jens die Brille beschlägt, dann ist es anstrengend. Und ich sehe ihn oft mit beschlagener Brille, wenn er mit den Ohren wackelnd und schwer tragend an mir vorbeistöhnt. Ein herzensguter Kerl und Roadie mit Leib und Seele. Der lebt einfach für seine Band.

Roadies – das  Herz der Show

Nachdem die Künstler ihre Anziehsachen wie Mäntel usw. auf die eventuell vorhandene Garderobe geschmissen haben und derweil die Roadies schuften, gönnen sie sich schon mal einen Blick auf die Bühne, um den Saal zu checken. In diesem Fall Guido Cantz und Martin Schopps, die die Stimmung im Saal beobachten, um eventuell darauf reagieren zu können. Profis halt.

 

Backstage – Profis etwas „privat“

Wenn Guido kommt, sieht man erst Schuhe, Schuhe und nochmals Schuhe. Mit Schuhgröße 41.5 trägt er Schuhe mit Größe 46. Insider haben schon mal bemerkt, dass er noch im Auto sitzt, aber seine Schuhe schon im Saal sind. Guido ist ein absoluter Profi. Ganz ruhig, keine Bemerkungen über Veranstaltung und Saal, steht er total gechillt mit seinem Wässerchen im Backstagebereich und seine Äuglein funkeln immer lustig. Sämtliche Servierwagen werden aus dem Weg geräumt, weil er ja sonst nichts sehen kann. (War Spaaaaß Herr Cantz, denn Sie verstehen doch Spaß. Oder?)

 
Dann kommt er, der gregorianische Mönch. Schwarzer Mantel, die übergroße Kapuze über den Kopf gezogen, schlufft er in den Backstagebereich. Wenn nicht seine gelb-rot karierte Hochwasserhose ein bisschen unten hervorlugen würde, würde man ihn nicht als den Blötschkopp Marc Metzger erkennen. Hände geben zur Begrüßung ist bei ihm out. Kurz den rechten Ellenbogen nach oben und man soll ihn mit dem eigenen Ellenbogen dann dort berühren. Was komisch aussieht, hat aber seinen Sinn. Mehrmals in den letzten Sessionen wegen Krankheit ausgefallen, hat er sich entschlossen diese Art der Begrüßung zu wählen, um den Karnevalsviren zu entgehen. Und es wirkt, er ist immer noch gesund. Marc erkennt man ohne sein Kostüm kaum. Er könnte sich ohne sein Bühnenoutfit im Saal frei bewegen und würde von den Gästen nicht erkannt werden.


Brings, wenn die in den hinteren Bereich reinkommen, ist immer eine Art Jamaica-Feeling zu spüren. Harry Alfter mit seiner Sonnenbrille und seinen Bermudashorts trägt seine geliebte abgewetzte Fendergitarre immer selbst und läuft leicht wippend an einem vorbei. Kai Engel trägt sein Akkordeon ebenfalls selbst. Christian Blüm sieht mit seinen leichten O-Beinen immer aus, als hätte er eine Alpenüberquerung auf dem Pferd gerade eben abgeschlossen und vom Stefan Brings kommt immer die heisere Frage zu mir „Na wie jeit et? Peter Brings stimmt seine karierte Gitarre, die sich bei den Temperaturunterschieden ständig verstimmt. Alles unterschiedliche Typen, aber trotzdem eine Wahnsinnseinheit.


Die Gechilltesten überhaupt sind die Fööss. Immer wenn die noch ein bisschen Zeit haben, zieht sich Peter Schütten nach einem kurzen Hallo die Jacke wieder an und geht spazieren. Gus erkundigt sich nach dem nächsten Raucherraum um seine selbstgedrehten Zigaretten zu rauchen. Bömmel hat stets seine Flitsch dabei und klimpert die ganze Zeit. Der ist damit wahrscheinlich auf die Welt gekommen. Andreas, der Keyboarder sitzt total relaxed in einem Sessel und beäugt alles amüsiert aus seinen langsam älter werdenden Kinderaugen. Ja, wo ist Erry? Der ist wahrscheinlich schon mitten im Saal oder schreibt Facebooknachrichten. Hartmut sitzt immer still mit seinem Bass in der Ecke. Mirco Bäumer, der neue Sänger sitzt meistens neben Andreas und beide haben immer Spaß wie Sau. Über alles wacht Thorsten Eissele, der Organisator. Der weiß alles und er kennt jeden.


Die Höhner werden manchmal als arrogant und unnahbar bezeichnet. Sind sie aber in keinster Art und Weise! Vorzeigeprofis durch und durch, haben sie immer ein freundliches Wort zu Jedermann, auch zu den Bediensteten. Hannes ist da der große Schweiger, aber bei der Masse an Auftritten schonen sie halt ihre Stimme. Man muß sie näher kennen, um zu erkennen, wie sie ticken. Ich habe noch nie ein böses Wort in der Hinter-Buehnen-Hektik von ihnen gehört, immer nur das Gegenteil.

Wenn Kasalla aufläuft, bricht bei den zumeist jüngeren weiblichen Zuschauern der hormonelle Notstand aus. Da ist es schon mal nötig, den Backstagebereich freizuhalten. Eine neue Art kölscher Boygroup, die sich mit ihrer rockigen und sentimentalen Art auf der Bühne einen irre großen Fankreis geschaffen hat. Mit einer Ruhe ohnegleichen gehen Basti, Flo und Co auf ihre Fans zu und lassen Unmassen von Selfies kurz vor und nach dem Auftritt über sich ergehen. Wunderbare junge Menschen, die das Herz an der richtigen Stelle haben.

Die werden genau wie Cat Ballou ihren Weg im Karnevalkommt von „Carne vale! Fleisch, lebe wohl!“und bringt den Charakter des Festes als Freudenfest vor der langen Fastenzeit zum Ausdruck bringt. gehen, wenn sie nicht abheben.

  

Eine meiner Lieblingsgruppen sind die Klüngelköpp. Genau wie auf der Bühne sind sie hinter der Bühne eine Einheit. Jochen Damm hat immer einen trockenen Spruch aus seinem Repertoire auf den Lippen. Mit diesem bodennahen Kerl stehe ich oft zusammen und wir erzählen uns Insider aus dem Karnevalsgeschäft. Toller Kerl, tolle Gruppe.


Marita und Wicky sind die Teetrinker hinter der Bühne, äusserst selten mal einen Piccolo oder ein Gläschen Wein. Auch sie spinksen von der Seite ins Publikum um die Stimmung zu testen. Immer Profis, können sie aber beide ein Lampenfieber vor dem Auftritt nicht verbergen. Ist doch schöner so in dieser Art, als würden sie einen Auftritt nach dem anderen abnudeln. Catherine, die Ehefrau von Wicky, kümmert sich um alles. Noten für die Kapelle, Mikros und sie setzt das Programm für den Auftritt zusammen. Jeder Saal ist halt anders. Michael Harag, der Techniker von Marita ist die Ruhe selbst. Der steht immer da wie ein Fels in der Brandung und hat beschallungstechnisch alles unter Kontrolle.
Jede fünf Minuten durchquert der Literatorganisiert das Programm einer Karnevalsveranstaltung. Er bucht die bekannten Künstler weit im Voraus, engagiert nach den Vorstellabenden im Herbst, auf denen der karnevalistische Nachwuchs, Tanzkorps und Musikzüge ihre neuesten Darbietungen präsentieren, weitere Künstler. Während der Sitzungen selbst muss er auf unvorhergesehene Zwischenfälle reagieren, Programmlöcher zu stopfen, Verzögerungen durch den Sitzungspräsidenten oder Verspätungen der Künstler aufzufangen. den Bereich Backstage um zu schauen, ob die nächste Programmnummer schon da ist. Ist diese nicht da, verändert sich seine Gesichtsfarbe und aus den Nebennierenrinden wird Adrenalin in seinen geschundenen Körper gepumpt. Ävver et hätt jo noch immer alles joot jejange.

Micky Nauber, die Frontelfe der Domstürmer läuft immer auf Hochtouren. Der will stets sein Bestes auf der Bühne geben. Eine Rampensau ohnegleichen ist er aber trotzdem der Perfektionist vor und hinter der Bühne. Wogegen man Hotti, dem Schlagzeuger, ab und zu den Weg zur Bühne erklären muß, obwohl er den Saal schon zigmal vorher gerockt hat. Er ist einer der liebenswertesten Gesellen im ganzen Karnevalszirkus.

Die Meister der Ruhe sind die Mitglieder der Micky Brühl Band. Micky, immer mit seinem obligatorischen Schal und seiner übergroßen Sonnenbrille bringt nichts, aber auch gar nichts aus der Ruhe. Alle Altersgenerationen sind in dieser Band zuhause, trotzdem sind sie eine in sich ruhende Bandfamilie. Zwei Fragen wie „Wie läuft es drinnen?“ und „ Simmer im Zeitplan?“ umgibt sie auch Backstage immer die Höchstform der Nonchalance und der inneren Ruhe. Sie sind sich auch nie für ein Selfie zu schade.

Alles in allem ist die Backstage eine hochinteressante Zone. Künstler geben sich die Klinke in die Hand und es wird sehr genau kontrolliert und beobachtet, wer diese Zone betritt. Ich bin froh, diesen Bereich betreten zu dürfen, da man hier den Mensch hinter seiner Bühnenmaske kennenlernen kann und darf. Und es sind alles Individuen, wie DU und Ich. Klar gibt es auch manche, mit denen ich nach Verhalten und Sprüchen nicht unbedingt meine Freizeit verbringen würde.

Aber wie heißt es so schön: Was hinter der Bühne passiert, bleibt backstage und hat nichts außerhalb zu suchen. Ich hoffe dieser kleine Ausflug hinter die Bühne hat Euch Spaß gemacht.
AlaafAlaaf ist das wichtigste Wort im Kölner Karneval, Schlachtruf aller kölschen Jecken und wird ständig und immer dreimal gerufen.!

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