Diensdachszoch: Mit Humor in Nippes (Frank)

Der Diensdachszoch in Nippes mit seinen rund 50 teilnehmenden Gruppen und einer Wegstrecke von circa 4.5 Kilometern ist einer der größten Veedelszüge in Köln. Zugleich ist der Zoch sicher auch das ambitionierteste Projekt der Nippeser Bürgerwehr. Die Appelsinefunke organisieren den Zoch dieses Jahr zum 79. Mal. „Kölle un Neppes AlaafAlaaf ist das wichtigste Wort im Kölner Karneval, Schlachtruf aller kölschen Jecken und wird ständig und immer dreimal gerufen.“ für diese stolze Leistung!

Haben Sie am Abend des Rosenmontags vom jecken Treiben noch nicht genug? Dann stimmen Sie auf dem Heimweg ruhig schon einmal den nicht nur im Kölner Norden allseits bekannten Karnevalshit ab: „Loss mer jet noh Neppes jon, en Neppes krijgen mer Spass!“

Diensdachszoch Organisation

Aber solch einen Zoch auf die Straße zu bringen, bedeutet viel Arbeit im Hintergrund. Daher möchte ich heute mal von einer wahrhaft erhellenden Veranstaltung berichten. Ein wirkliches Highlight der Organisation. Gemeint sind die wiederholt stattfindenden Besprechungen im Vorfeld des Diensdachszochs. Es dürfte sich von selbst verstehen, dass diese für die maßgeblichen Vertreter der teilnehmenden Gruppen zum Pflichtprogramm zählen. Natürlich auch für das Redaktionsteam von „appsolutjeck“ , also für mich.

So geschah es auch an einem Mittwoch Anfang Februar. Der Geschäftsführer der Appelsinefunke Gerd Düren hatte zur letzten Besprechung vor dem größten Jeckenmarsch im Kölner Norden geladen. Zugleiter Ralph Kuhn sowie Stefan Buschmann und Marius Broicher als rechte Hände waren natürlich auch dabei. Schnell war der „Gelbe Salon“ auf der ersten Etage „Em Golde Kappes“ an der Neusser Straße bis zum Bersten gefüllt. Zunächst eine kurze Begrüßung durch Ralph Kuhn. Hier erfuhren die Teilnehmer zu ihrer Überraschung, dass es der letzte Zug unter seiner Leitung sei. Er werde aber weiterhin im Hintergrund mit Rat und Tat zur Verfügung stehen.

An dieser Stelle auch von AppSolut Jeck ein saftiges Like und Daumen hoch. Ein vorbildlicher Einsatz im Dienste des Veedelkarnevals über viele Jahre.

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Richtlinien im Diensdachszoch

Dem temporär einsetzenden Griesgram wusste Gerd Düren mit der Verteilung des Sessionsordens ein wirkungsvolles Mittel entgegenzusetzen. So hellte sich die Stimmung alsbald wieder auf. Dies war auch notwendig. Denn nun stand der spannendste Tagesordnungspunkt auf der Agenda: Die Erläuterung und Übergabe der „RICHTLINIEN FÜR DEN 79. NIPPESER DIENSTAGSZUG“

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Und was ich dort erfuhr, war wahrhaft erhellend für mich. Bisher hatte ich gedacht, Veranstalter sei eine Karnevalsgesellschaft namens Nippeser Bürgerwehr. Nun hörte ich, dass die korrekte Bezeichnung von Amts wegen „Erlaubnisnehmer“ ist. Also adieu Nippeser Bürgerwehr. Willkommen KKG Erlaubnisnehmer von 1903 e.V. – klingt ja auch viel interessanter.

Sprechen die Pferde deutsch?

Neu war für mich ebenso, dass es jetzt nicht mehr Präses oder Präsidöres (Präsident) heißt, sondern dass stattdessen vom Gruppenwart die Rede ist. Ihm unterstehen auch keine Jecken mehr, sondern Ordner, Betreuungspersonal, Fahrer, Festwagen, Fahrzeuge, Wagenbegleiter, Pferdehelfer und natürlich Pferde.

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Es versteht sich von selbst, dass alle – inklusive der Pferde – körperlich fit und der deutschen Sprache mächtig sein sollten. Das macht Sinn: Denn schließlich müssen sich alle Teilnehmer bestens mit dem Straßen- und Wegegesetz NRW (StrWG), hier besonders § 18 Abs. 1 auskennen. Kennt doch jeder, nicht wahr? Auch eine exakte Kenntnis der SIVO ist obligatorisch. Bitte kommen Sie jetzt bitte nicht mit einem Runzeln auf der Stirn und einem fragenden Blick. SIVO kennt doch nun wirklich jedes Kind. Ebenso sollte man die Kölner Straßenordnung (KStO), hier vor allem § 9 oder die 2. Ausnahme VO, hier vor allem § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 in- und auswendig kennen.

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Die öffentliche Ordnung und Sicherheit

Zu den geradezu lächerlich leicht verständlichen Maßgaben für den Diensdachszoch zählt, dass zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung entlang des Zugwegteilstückes, in dem sich der Umzug augenblicklich befindet, pro 100 Meter beidseitig jeweils eine Ordnerin bzw. ein Ordner einzusetzen ist. Ist doch easy, oder?

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Auch Kostümierung und Gewicht sind streng reglementiert: Vorgeschrieben ist die einheitlich beschriftete Armbinde und nicht etwa der „Lappenclownkölsch Pluutemann, ist die Nr. 1 unter den Kostümen im Kölner Karneval: Hunderte von bunten Stoffresten werden hierbei in viereckiger Form wie überlappende Dachziegel an (eine möglichst alte) Jacke und Hose genäht. Dazu gehören eine rote Wollperücke und ein bunt geschminktes Gesicht!“. Und für die überschlägige Berechnung ist sicherheitshalber von einem Durchschnittsgewicht von 80 Kilogramm pro Person auszugehen. Fastelovendsjecke unter 80 Kilogramm? Na dann Prost Mahlzeit! – Apropos Prost: Alkohol und Zigaretten sind selbstverständlich ebenfalls tabu! In diesem Zusammenhang braucht sicher nicht besonders betont zu werden, dass „Flaschen“ die Teilnahme am Zuggeschehen untersagt ist.

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Kamelle! Strüßjer!

Auch die Bezeichnung „Kamellehochdeutsch Bonbons, werden im Zug geworfen. Dazu zählen nicht nur einfache Bonbons, sondern auch Waffeln, Weingummis, Schokolade, Pralinen und Ähnliches.“ sucht man vergebens. Stattdessen spricht die Erlaubnisbehörde von Wurfmaterial für den Diensdachszoch. Immerhin korrektes Amtsdeutsch! Komisch nur, dass uns Pänznennen die Kölner ihre Kinder. am Zugwegrand in sträflicher Missachtung trotzdem nach wie vor „Kamelle“ rufen. Wobei, eins muss ich zugeben: Bei Kindern mit Migrationshintergrund hört sich das auch schon mal wie „Kamele“ an. Vorschriften der Erlaubnisbehörde machen da natürlich schon ausgesprochen Sinn. Schließlich soll das Wurfmaterial die Zuschauer nicht verletzen. Und mit der richtigen Vorschrift kommt es in die Hand des Zuschauers, ohne sie zu verletzen.

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Schließlich wähnt die Erlaubnisbehörde in vorausschauender Fürsorge auch unter Pferden gewaltbereite Individuen, sogenannte „Schläger“.  Sie verlangt daher vom Erlaubnisnehmer die Vorlage von Nummern für alle Reittiere.  So wie für alle Fahrzeuge Nummern, Kennzeichen und umfangreiche Gutachten verlangt werden. Manchmal muß ein Wagenbegleiter, aus welchen Gründen auch immer, seine Position verlassen. Diese „Lücke“ ist dann umgehend durch einen „Springer“ zu schließen. Wow, das ist mit Abstand die korrekteste Umschreibung für den Vorgang des Einmal-pinkeln-müssens.

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Also wenn Sie mich fragen, wiehert hier vor allem der Amtsschimmel, und zwar wie. Trotzdem kann ich jedem nur empfehlen, den Weg am 28. Februar nach Nippes anzutreten. Denn trotz dieser Stilblüten aus dem Amtsdeutsch kommt der Spaß nicht zu kurz. Viele übrigens sind ohne Frage sinnvoll, wichtig und mitnichten erlässlich. Humor ist eben, wenn man trotzdem lacht.

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„Karneval in Nippes 2017“

Wer sich über das Drum und Dran des Zugs in Nippes genauer informieren möchte, kann dies im Magazin „Karnevalkommt von „Carne vale! Fleisch, lebe wohl!“und bringt den Charakter des Festes als Freudenfest vor der langen Fastenzeit zum Ausdruck bringt. in Nippes“ ausführlich tun. Das Heft ist jetzt in seiner dritten Ausgabe für die Session 2017 erschienen. Es hat eine Auflage von 20.000 Exemplaren und ist kostenlos in zahlreichen Geschäften entlang der Neußer Straße erhältlich. Darüber hinaus wird das Magazin an die Haushalte im Umfeld des Zugwegs verteilt, dieses Jahr auch erstmals im neuen Clouth-Viertel.

Wer kein Heft mehr bekommen hat, kann unter meiner Mailadresse frank@appsolutjeck.de gerne ein Exemplar unseres Magazins „Karneval in Nippes 2017“ ordern. Printexemplare gibts allerdings nur so lang der Vorrat reicht, ansonsten PDFs.

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