„Küch trifft Hätz“ (Frank)

Letzte Woche erreichte mich die Anfrage unseres Senatsgeschäftsführers in der Nippeser Bürgerwehr, Alex Gewehr: Wer ist bereit, unseren Regimentskoch Bernd Teitscheid am Samstag, den 28. Oktober, bei „Küch trifft Hätz“ zu unterstützen. Gesucht würden Kameraden für den Service.

„Küch trifft Hätz“? Was wohl dahinterstecken mag? Wird nach Herzenslust gekocht? Oder werden gar Innereien zubereitet? Wie auch immer, ich war neugierig geworden und meldete mich spontan zum „Dienst“.

Küch trifft Hätz

Gesagt – getan, Samstagabend um Punkt 18.30 traf ich am verabredeten Treffpunkt ein: Apostelkloster 4. Dort ließ die Antwort auf meine Fragen nicht lange auf sich warten. Es sollte nach Herzenslust gekocht – oder zutreffender „gesmokt“ werden. Doch es steckte noch viel mehr dahinter. Denn an diesem Abend bedeutete „Küch trifft Hätz“ auch: Das Corps à la Küch hatte den Freundeskreis „Dat Kölsche Hätz“ um 20 Uhr in den Pfarrsaal von St. Aposteln geladen – offiziell zu einem Gespräch.

Corps à la Küch, Regimentsköche der Traditionskorps im Kölner Karneval

Doch der offiziell kommunizierte Anlass war nur ein Vorwand, oder neudeutsch gesagt: ein Fake. Der eigentliche Grund für die ausgesprochene Einladung bestand in etwas ganz anderen – in der feierlichen Übergabe eines Spendenschecks für diesen wahrhaft engagierten und uneigennützigen Freundeskreis. Dieser sammelt nämlich fleißig Spenden zugunsten des Fördervereins für krebskranke Kinder e.V. Köln. In den 17 Jahren seit seiner Gründung sind so schon über 2,2 Millionen Euro zusammengekommen.

All you can eat and drink

Der hinter der Spendenaktion steckende „Deal“ gestaltete sich denkbar einfach: Die Regimentsköche der neun Traditionscorps im Kölner Karneval, das sogenannte Corps à la Küch, hatten in den heiligen Hallen am Apostelkloster für Freunde und Kameraden mit ihren Damen aufgedeckt. Alle wurden mit Spareribs, Kölsch und anderen mehr oder weniger geistigen Getränken beköstigt – frei nach dem Motto: All you can eat and drink. Zur Kasse gebeten wurde dafür keiner – alles ömesöns. Der Regimentskoch der Roten Funken, Heiner Rodenbücher, ließ aber bei der Begrüßung der Gäste keinen Zweifel an der eigentlichen Absicht dieses Smoker-Events: Spenden, Spenden und nochmal Spenden, am liebsten, bis eine fünfstellige Summe erreicht sei.

Corps à la Küch, Regimentsköche der Traditionskorps

Zunächst kam das Ganze etwas zögerlich in Gang. Die Gäste trudelten eher tröpfchenweise ein. Immer wieder hieß es: Pssst! Pssst! Denn eine Tür weiter wurde gerade die Samstagabend-Messe in St. Aposteln zelebriert. Wir wurden um Silencium bis Ende des Gottesdienstes gebeten. Dies entsprach auch zunächst der allgemeinen Stimmung. Denn schließlich hatte nachmittags gerade wieder der FC verloren. Und das auch noch in Leverkusen.

So stand ich erwartungsvoll aber zunächst tatenlos in meiner weißen Schürze neben Kränzen mit schaumgefüllten Kölschgläsern. „Ihr Schaumschläger“, schimpfte augenzwinckernd einer der Gäste. „Immer mit der Ruhe“, erwiderte Zappes Andrea, schließlich sei das Fass gerade frisch angeschlagen, und Profi-Köbes sei von uns auch keiner. Klare Ansage – danach beschwerte sich keiner mehr. Schließlich schaut man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul.

 

Corps à la Küch, Regimentsköche der Traditionskorps im Kölner Karneval

Smoker-Meister

Apropos geschenkter Gaul: Der Saal (Gemeinde St. Aposteln), die Musik (Stadtkapelle Köln) die Softgetränke (Hit Markt Bad Honnef), das Kölsch (Brauhaus Heller), die Spareribs (Willi Noethen) und der Smoker (G. Gregorczy, A. Jarek, H. Hormecke) – alles war gestiftet worden, um den Spendeneingang unbelastet von Kosten 1:1 weitergeben zu können.

Corps à la Küch, Regimentsköche der Traditionskorps im Kölner Karneval

Die Gästeschar wuchs indessen – ebenso wie die (Spenden-)Laune. Und letzteres war keineswegs nur dem blonden Nass von Heller zu verdanken. Auch die in Honigmarinade eingelegten Spareribs trugen das ihre dazu bei. Sechs Stunden waren sie im würzigen Holzrauch bei rund 100 Grad so zart gesmokt worden, dass man sie lutschen konnte. Trotz des langen Garvorgangs in dem als Dampflok selbst! gebauten Smoker waren die Fleischstücke so riesig, dass der Smoker-Meister von den Treuen Husaren sich über die kleinste Grillzange von Köln „freute“. In der Tat bogen sich die Plastikteller unter der Last ihrer kostbaren Fracht. Und so erforderte es von mir und meinen Kolleginnen und Kollegen im Service viel akrobatisches Geschick, alles heil zu den hungrigen Mäulern zu bringen.

 

Scheckübergabe

Stellvertretend für die geschätzt rund 150 anwesenden Spender sei der Regimentsspielmanszug der Kölsche Funke rut-wieß vun 1823, der Tambour und Hornisten Club Köln-Kalk-Humboldt von 1924 e.V., genannt. Seine Mitglieder überreichten ihre milde Gabe in einem prall gefüllten blauen Briefumschlag. Auch wenn am Ende das vielleicht doch etwas zu ehrgeizige Ziel der Fünfstelligkeit verfehlt wurde, kamen so sage und schreibe 4.250 Euro zusammen. Ruth Rheindorf-Lühdemann vom Team „Dat Kölsche Hätz“ nahm den Scheck mit einem strahlenden Lächeln entgegen. Über dieses gelungene Rendevouz zwischen „Küch“ und „Hätz“ freute sich schließlich auch der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Amsterdamer Straße, Professor Dr. med. Michael Weiß, der ebenfalls unter den spendenden Gästen weilte.

Für mich endete der Abend schließlich mit der Erkenntnis, dass es richtig war, meiner anfänglichen Neugier nachzugehen. „Küch“ und „Hätz“ das passt – erst recht, wenn Heller und Smoker mit im Spiel sind.

 

Bildnachweis: alle Bilder BKB Verlag.

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