Der Treue Husar in Uniform (Björn Zimmer)

Uniformen, Kostüme, gut gelaunte Menschen. Endlich ist sie wieder da, die schönste Zeit des Jahres. Der Kölner Karneval ist eine eigene Welt und für die meisten Menschen in und um Köln etwas ganz Besonderes. Aktive Karnevalisten der Corps holen zu Beginn des Jahres ihre Uniform aus dem Schrank und ziehen gemeinsam mit ihrer Gesellschaft durch die Säle des Rheinlands. Mit zu den schönsten und aufwendigsten Uniformen des Kölner Karnevals gehört für mich zweifelsohne die Uniform der KG Treuer Husar Blau-Gelb von 1925 e.V. Köln.

Der Treue Husar gehört zu den neun Traditionskorpsist eine Ehrenbezeichnung. Zum Traditionskorps wird eine Gesellschaft vom Festkomitee-Praesidenten ernannt, weil sie sich mit ihrer Brauchtumsförderung in den historischen Uniformen um den Karneval verdient gemacht hat. Derzeit gibt es im Kölner Karneval neun Traditionskorps: die Roten und die Blauen Funken, die Ehrengarde, die Nippeser Bürgerwehr, die Bürgergarde blau-gold, die Prinzengarde, die Altstädter, der Treue Husar und das Reiterkorps Jan von Werth. des Kölner Karnevals und wurde am 26.09.1925 von Veteranen verschiedener Husaren-Regimenter aus dem Kölner Raum gegründet, nachdem sich diese nach Ende des 1. Weltkrieges aufgelöst hatten. Die heutige Uniform geht auf diese Husarenregimenter zurück. Das bedeutet: Der Treue Husar ist damit die einzige Gesellschaft des Kölner Karnevals, deren Uniform tatsächlich auf ehemalige Militäreinheiten zurückzuführen ist. Und damit ihr wisst, aus welchen Details die Uniform der Treuen Husaren besteht und was das besondere an ihr ist, erkläre ich sie euch von Kopf bis Fuß an unserem Modell und Korps-Kamerad Marcel Grahle:

Der Federbusch

Besonders auffällig an der Uniform ist der Busch aus gelben und blauen Federn, den Vereinsfarben der Gesellschaft. Bereits beim Militär im 18. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verrieten die Farben des Federbuschs die Regiments- und Kompaniezugehörigkeit.

Der Kolpak

Typisches Erkennungsmerkmal für alle Husaren ist der Kolpak, ein mit Pelz besetzter Helm. Er stammt von den Magyaren, einem Volk aus Ungarn. Die preußischen und sächsischen Armeen, die 1914 mit Husaren ausgestattet wurden, beschränkten sich jedoch auf die Bezeichnung „Pelzmütze“. An der linken Seite befindet sich ein blauer Behang, vorne ist das Wappen der Stadt Köln angebracht. Am Hinterkopf befindet sich eine goldene Kordel, die den Rang des Offiziers markiert. Der Kolpak wird mit einem Kinnriemen getragen.

Das Krätzchenist eine Kopfbedeckung im Karneval, deren Ursprünge auf die schirmlose Mütze im militärischen Bereich zurückgehen. Siehe auch: Karnevalsmütze./Komiteemütze

Wenn die Treuen Husaren nicht die Pelzmütze tragen, ziehen sie das Krätzchen an. Der Name stammt vom Wort „Krätze“ ab – die Hintergründe sind aber dank heutiger hygienischer Standards in der Vergangenheit geblieben. Das Krätzchen wird aus Wolle gefertigt und zeigt bei allen Karnevalsgesellschaften die Vereinsfarben. Wesentlich feiner und aufwendiger ist die Komiteemütze, die von Offizieren getragen wird, wenn sie die Gesellschaft repräsentieren.

Der Attila

Der Attila ist das typische Kleidungsstück aller Husaren weltweit. Charakteristisch für diese Uniformjacke sind die schmuckvollen Verzierungen auf der Brust. Einer der wenigen Hersteller solcher Uniformen, die stets von Hand maßgefertigt werden, ist die Firma Hintzen in Korschenbroich. Bei der Herstellung werden ausschließlich Naturmaterialien verwendet – aufwendig eingenähtes Rosshaar sorgt dafür, dass die Uniformjacke keine Falten wirft und stets gut sitzt.

 Uniform der KG Treuer Husar Blau-Gelb

Die blaue Jacke der Treuen Husaren besitzt gelbe und goldene Verzierungen sowie goldene Knöpfe – Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands erkennt man an einer zusätzlichen goldenen Achselschnur („Cordon“) an der rechten Schulter.

 Uniform der KG Treuer Husar Blau-Gelb

Auf den Schultern befinden sich die Schulterklappen, an denen der Rang des Trägers erkennbar ist.

Zur Attila tragen die Treuen Husaren eine ebenfalls maßgefertigte Reiterhose („Charivari“), die die schnörkelige Verzierung der Uniformjacke fortsetzt.

Der Dolman

Wie der Attila stammt auch der mit Schnüren besetzte Dolman aus der Region Ungarn und war ursprünglich die Bezeichnung für einen ungarischen Männerrock. Später entwickelte er sich wie der Attila zum Erkennungsmerkmal der Husaren. Typischerweise tragen die Offiziere des Treuen Husars den Dolman über die linke Schulter gehängt. Dank der guten Fütterung und des Pelzes aus insgesamt zwei Lammfällen hält er auch bei kalten Temperaturen schön warm.

Korpskreuz auf Jabot

Das Korpskreuz ist das Erkennungsmerkmal jeder Gesellschaft. Beim Treuen Husar gibt es zwei unterschiedliche Versionen: Das Korpskreuz des aktiven Korps sowie des Korps á la Suite. In letzteren Gesellschaftsteilen sind meistens die Mitglieder versammelt, die aufgrund persönlicher oder beruflicher Umstände nicht alle Auftritte mitmachen können, dafür die Gesellschaft aber auf andere Art und Weise unterstützen (etwa monetär). Das Korpskreuz dürfen nur Mitglieder tragen, die bereits beim Korpsappelloder auch Regimentsappell ist eine jecke Persiflage auf die militärische Tradition der Appelle. Jedes Traditionskorps veranstaltet zu Beginn der Session einen solchen Appell mit geladenen Gästen, bei der die  Mitglieder auf ihre Sessionstauglichkeit „geprüft", neue Mitglieder vereidigt, Beförderungen ausgesprochen und Ehrenmitglieder ernannt werden. Für das Tanzpaar, das Tanzkorps und die Musikkapelle ist es ein Art Generalprobe, denn sie haben hier mit ihrem Tanz bzw. ihrer Musik den ersten Auftritt in der Session. den Treueeid auf die Fahne der Husaren geschworen haben. Um das Korpskreuz optisch hervorzuheben, trägt man darunter eine Art Lätzchen aus Spitze, das sogenannte Jabot.

Die Säbeltasche

Die Säbeltasche wird aus echtem Leder gefertigt und trägt das Wappen der Gesellschaft. Darin können die Husaren nützliche Utensilien verstauen. Sie wird mit drei Riemen am Gürtel befestigt.

Der Löwenkopfsäbel

Wie jedes Korps im Kölner Karnevalkommt von „Carne vale! Fleisch, lebe wohl!“und bringt den Charakter des Festes als Freudenfest vor der langen Fastenzeit zum Ausdruck bringt. hat auch der Treue Husar eine Waffe dabei – aber nur zur Persiflage. Der Säbel der Treuen Husaren ist aus Metall gefertigt und besitzt einen aufwändig verzierten Kopf in der Form eines Löwen. Der Säbel samt Metallscheide wird mit zwei Riemen ebenfalls am Gürtel befestigt.

Die Stiefel

Wie der Rest der Uniform sind auch die Stiefel der Husaren maßgefertigt und aus hochwertigem Rinderleder. Im Unterschied zu anderen Kavalleriestiefeln sind die typischen Stiefel der Husaren etwas eleganter. Vorne befindet sich ein leichter, nach unten gerichteter Ausschnitt mit Verzierungen am Rand. Hinten ist der Stiefelrand bogenförmig nach oben geschnitten. An den Versen der Stiefel befinden sich Sporen aus silbrig glänzendem Metall.

 

Bildnachweis: Alle Fotos Niki Siegenbruck

 

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