Von neun bis neunzehn – 10 Jahre Immisitzung (Sarah Christine)

Lustig, tiefsinnig und kreativ – das beschreibt die diesjährige Immisitzung wohl am Besten. Ich wusste überhaupt nicht, was mich erwartet, schließlich gibt es von Sitzung zu Sitzung ja immer gewaltige Unterschiede. Das Motto „Jeder Jeck is von woanders“ war auf eine spezielle Art und Weise Programm, denn genau wie wir Jecken vielseitig und schwer in eine Schublade zu stecken sind, so waren es diese drei Stunden. 

Im Bürgerhaus Stollwerck tummelte sich bis kurz vor Beginn der Show alles kreuz und quer – der überschaubare Saal war detailliert dekoriert und in gemütliches, warmes „Sitzungslicht“ getaucht.

10 Jahre Immisitzung im Bürgerhaus Stollwerck "Jeder Jeck ist von woanders" 10 Jahre Immisitzung im Bürgerhaus Stollwerck "Jeder Jeck ist von woanders"

Mit einem einzigartigen Feingefühl für ernste Themen gelang es dem Ensemble, ein Gleichgewicht zwischen ruhigen Nachdenk-Momenten und lauten Lachern herzustellen. Für mich sehr beeindruckend und vor allen Dingen mutig. Schließlich wird an Karneval Frohsinn zelebriert und nur ein kleiner Stimmungsdämpfer im Programm kann die komplette Sitzung irgendwie „unkarnevalistisch“ machen. Jedoch war das Publikum vom ersten bis zum letzten Ton voll dabei. Es wurde wehmütig geseufzt, nachdenklich geblinzelt, schmunzelnd erinnert, herzlich gelacht, fröhlich zugeprostet und lauthals mitgesungen.

Toleranz und Immisitzung

Antirassismus und Antifaschismus waren die beiden großen Wörter, zu denen das Ensemble an diesem Abend eine klare Haltung zeigte. Besser gesagt war es das vielleicht bedeutendste Wort für ein friedliches Zusammenleben – Toleranz. Man soll ja immer das betonen, was wichtig ist, damit es in den Köpfen hängenbleibt. Also merken wir uns: Toleranz. „Toleranz gegenüber Menschen aus anderen Kulturen, gegenüber jedem Geschlecht, gegenüber arm und reich, ja sogar gegenüber Düsseldorfern.

 

“ Humorvoll und intelligent angegangen, war jedes noch so heiß diskutierte Thema in einer Fallhöhe verpackt, die am Ende jeder verstand und – des Applauses nach zu urteilen – zu schätzen wusste. Neben den vielen kleinen schauspielerischen Darbietungen war Gesang das große Stilmittel der Sitzung.

Erst gab es was zu hören, dann was zu gucken, dann wieder zu hören und währenddessen immer ganz viel zu lachen. Aus „Auf uns“ wurde „Alaaf auf uns“ und aus „If i lay here“ eine zu Tränen rührende Ballade über das Ende der Session. Zum Glück haben wir bis dahin noch jede Menge Zeit, uns gemeinsam zu freuen und uns wieder daran zu erinnern, dass wir alle gleich sind.

 10 Jahre Immisitzung im Bürgerhaus Stollwerck "Jeder Jeck ist von woanders"

Alles in allem war die Immisitzung ein künstlerisches Meisterwerk, vom Regisseur und von den Frauen und Männern, die das Ganze schließlich auf die Bühne gebracht haben. Ich persönlich war an diesem Abend wieder einmal mehr stolz und dankbar, ein Teil dieser Stadt zu sein und freue mich jetzt schon auf die nächsten zehn Jahre Immisitzung!

 

Bildnachweis: Immisitzung/Foto Jassin Eghbal + BKB Verlag