#fastelovendsliedermacherstress (Björn Heuser)

Und schneller als man denkt ist wieder der 11.11.! Dä! Als Liedermacher ist man ja antizyklisches Arbeiten gewohnt. So werden die Weihnachtssongs im Frühjahr geschrieben und produziert, und die Karnevalslieder entsprechend im Sommer. Man muss also emotional flexibel sein und viel Phantasie haben. Nicht nur, um schöne Geschichten, Figuren und Worte für neue Songs zu finden, sondern auch um sich bei dreißig Grad in der prallen Sonne vorzustellen, wie sich zum Beispiel „Rosenmontag“ anfühlt, und ob das, was man da gerade zu Papier bringt, dorthin passen könnte. 

Kreativurlaub

Die meisten meiner Songs, die ich für den Fastelovend schreibe, schreibe ich im Kreativurlaub. Der findet in der Regel mehrmals im Jahr auf Mallorca, um genauer zu sein in Can Pastilla, statt. Ich versuche nach Möglichkeit, den Schwung aus der Session, und damit auch das „Karnevalsgefühl“ mit auf die Insel zu nehmen, und fliege deshalb für die erste Schreib-Session oft schon ein paar Tage nach Aschermittwochbeginnt die Fastenzeit. In den katholischen Kirchen wird am Morgen eine Messe gefeiert, in der die Palmzweige, die am letzten Palmsonntag gesegnet wurden, verbrannt werden und aus ihrer Asche ein Kreuz als Symbol der Buße und Reinigung auf die Stirn der Gläubigen vom Priester gezeichnet. Mittags steht traditionell Fisch auf dem Speiseplan, denn nach katholischer Liturgie ist der Aschermittwoch ein strenger Fastentag, an dem man sich nur einmal satt essen und auf Fleisch verzichten sollte. rüber. Hat auch den Vorteil, dass das Wetter dann noch nicht allzu schön ist, und man sich so aufs Schreiben konzentrieren kann. Grundlage für die Arbeit sind kurze Aufnahmeschnipsel auf meinem Handy, die ich permanent bei Tag und Nacht aufnehme.

Ideen kommen aus dem Nichts angeflogen, und sind genauso schnell auch wieder weg. Daher nehme ich alles immer direkt auf, und beginne in Spanien erstmal mit einer Sichtung der vielen Ideen. Die besten suche ich mir raus, und dann wird es konkret. Ne Gitarre habe ich sowieso immer dabei, so dass ich die Textideen recht schnell auch musikalisch umsetzen kann. Man kann gar nicht genau sagen, was zuerst da ist – Musik oder Text. Das ist immer sehr unterschiedlich. Am Ende steht jeweils immer eine fertige Word-Datei und ein sogenanntes erstes Demo nur mit Gitarre und Gesang (und meistens auch Meeresrauschen aus dem Hintergrund) auf meinem Handy. Zur Sicherheit habe ich diese Dateien nicht nur in meinem Handy, sondern schicke sie mir auch stets frisch per Mail ins Büro. Sicher ist sicher.

Unter´m Dach

Wieder zurück in Köln kommt dann der zweite Schritt. In meinem schönen Haus in Bickendorf ist die oberste Etage reserviert nur für mich, meine kreativen Ergüsse und mein kleines Demo-Studio. Hier kann ich die frischen Songs musikalisch etwas detaillierter aufnehmen und mich daran ausprobieren.

Kölner Karneval, Karnevalslieder, Liedermacher Björn Heuser

Arbeitszimmer von Liedermacher Björn Heuser

Die Aufnahmen sind längst noch nicht in einer finalen Qualität, sondern erstmal so, dass ich den potentiellen Interpreten vorstellen kann, wie ich die Abläufe und Melodien meine. Mir ist immer sehr wichtig, dass der finale Interpret oder die entsprechende Band noch ihren Stempel aufdrückt, damit die Nummer nach einem „Original“ der Band klingt. Daher kommt es auch oft vor, dass verschiedene Zeilen nochmal der Sprache der Sängerin oder des Sängers angepasst wird. Das finde ich gut und wichtig so!

Jedenfalls verbringe ich viele kreative Stunden im Jahr oben unter’m Dach, schaue über die Dächer Bickendorfs und überlege, was die Jecken so hören wollen könnten. Inzwischen habe ich weit über 500 Stücke geschrieben, die alle auf kölsch sind. Ein paar davon sind mittlerweile sogar recht bekannt, wie beispielsweise „Jedäuf met 4711“ oder „Us kölschen Holz“ von den Klüngelköpp. Es kommt aber auch häufiger vor, dass Interpreten mit halbfertigen Nummern ankommen, die dann gemeinsam verfeinert werden. So war es zum Beispiel bei „D.A.N.Z.E.“ von den Funky Marys oder „Uns jeiht et jot“ von den Paveiern.

Ich versuche jedes Jahr bis zum Sommer genügend Song-Demos fertig zu haben, weil dann erfahrungsgemäß die Interpreten auf mich zukommen bzw. sich langsam aber sicher mit dem Thema „Song für die neue Session“ befassen. Produziert wird dann oft im Spätsommer in diversen Studios in und um Köln. Und dann, ja dann steht auch schon wieder der 11.11.11.11.: An dem jecken Datum im November wird um 11.11 Uhr auf der großen Straßensitzung der Willi-Ostermann-Gesellschaft auf dem Heumarkt offiziell die Karnevalssession eröffnet und das designierte Kölner begrüßt seine Jecken. Daneben gibt es viele andere Veranstaltungen zur Sessionseröffnung. vor der Türe, die neuen CDs kommen raus, und alles geht wieder von vorne los… (Björn Heuser)

 

Bildnachweis: Aufmacherfoto Björn Heuser mit Gitarre, 4. Foto Auftritt Björn Heuser: ©Moritz Künster monsterpics.de; 2. Foto Björn Heuser im Studio: ©Christian Kock; Arbeitszimmer: ©Björn Heuser; Klüngelköpp: ©BKB Verlag

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