Echt Kölsch! (Ulla)

Zum zweiten Mal veranstalteten die Bürgergesellschaft von 1863 und die KG Alt-Lindenthal 1967 e. V. gemeinsam im DOM im Stapelhaus eine Kneipensitzung. Mit dieser Veranstaltung gehen beide Gesellschaften einen gelungenen Weg der Zusammenarbeit.

Die Idee dazu hatte Michael Melles, Präsident der Bürgergesellschaft. In Carl Hagemann, dem Präsidenten der KG Alt-Lindenthal, fand er den idealen Partner für sein Vorhaben. Die erste gemeinsame Kneipensitzung in der Session 2025 war so gut besucht, dass der Wunsch nach einer Wiederholung feststand. Die zweite Veranstaltung in diesem Jahr war daher schnell ausverkauft. Organisation und Durchführung stemmen beide Gesellschaften in enger Zusammenarbeit.

 

Mit dem DOM im Stapelhaus als Veranstaltungsort traf man eine gute Wahl. Die Räume bieten eine lockere, private Atmosphäre. Das Publikum war eine gelungene Mischung aus Jung und Alt. Durch das Angebot von Sitz- und Stehtischen konnte jeder den Abend ganz nach seiner Façon genießen.

Das Programm bot echten kölschen Fasteleer in seiner ursprünglichsten Art.

Die Moderation der Sitzung übernahmen Carl Hagemann und Michael Melles gemeinsam.

Mit Vera Passý, alias „Et Vünkchen“, hatte man ein wahres Energiebündel auf die Bühne geholt. Vom Tanzoffizier gestürzt, berichtete sie in rasanter kölscher Reimrede vom jähen Ende ihrer Karriere als Funkemarieche. Mit ihrem großartigen Temperament fesselte sie den Saal im Handumdrehen, sodass das Publikum lautstark Zugaben forderte.

Herrlich war der Auftritt von Beate Schumacher und Ulrike Kerp. Sie ließen das echt kölsche Krätzchen wieder aufleben. Sie präsentierten freche und witzige Anekdoten voller Ironie, begleitet von Werner Baum am Akkordeon.

Musikalisch ging es auch mit dem Thekenterzett weiter. Die drei Nippeser – Steffi Everding, Heiner Everding und Winston Friday – sangen und spielten Quetsch und Kontrabass. Sie präsentierten eine bunte Mischung aus kölschen Klassikern und modernen Hits der letzten hundert Jahre. Bekannte und weniger bekannte Lieder von Willi Ostermann, Jupp Schmitz und weiteren kölschen Komponisten und Textern gaben sie zum Besten und die ganze Kneipe sang mit.

Mit dem Song „Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin“ von Jürgen Becker und Norbert Alich warfen die drei alle Regeln der „political correctness“ über Bord.

Was auf den ersten Blick wie ein Angriff auf den protestantischen Glauben wirkt, entpuppt sich allerdings in Wahrheit als kräftiger Seitenhieb gegen den Katholizismus.

Dass auch ein Kirchenchor auf der Karnevalsbühne eine gute Figur macht, bewies der Chor von St. Stephan unter der Leitung von Michael Kokott. Mit ihrem Gesang rissen sie den Saal mit, und „rubbedidupp“ verwandelte sich die ganze Kneipe in einen einzigen Chor.

Nach der Pause ging es weiter mit typisch „kölschen Tön“. Das Duo „Kraad un Plaat“ (Richard Hunsdorf und Andreas Münzel) spielte kölsche Lieder auf Gitarre und Klavier. „Su ech wat för‘t Gemöd!“ Natürlich stimmten alle im Saal mit ein und bewiesen, wie textsicher und sangesfest sie sind.

Beim „bierseligen“ Vortrag des „Sitzungspräsidenten“ Volker Weininger herrschte trotz der späten Stunde ungeteilte Aufmerksamkeit im Saal. Auch diesmal war seine Rede so voller Witz, dass niemand mehr auf seinem Stuhl sitzen blieb. Immer wieder forderten die Gäste Zugaben, und schließlich wurde Volker Weininger mit Standing Ovations verabschiedet.

Leider schon vorbei! Das dachte man, als zum Ende der Sitzung Michael Melles und Carl Hagemann alle Mitglieder der beiden Gesellschaften auf die Bühne baten, die zum Gelingen des Abends beigetragen hatten. Wieder einmal zeigte sich, wie sehr der Karneval von ehrenamtlicher Arbeit lebt.

Als sie sich verabschiedeten, hatten die beiden Präsidenten noch eine gute Nachricht: Die dritte Kneipensitzung ist am 21. Januar 2027. Damit ist sie nach kölschem Gesetz Tradition!

Fotos ©Ulla Weber-Woelk