Lyrics – Texte und Musik, die verbinden ein Abend mit Kasalla (Tina)
Vom 7. bis 22.3. fand das jährlich stattfindende internationale Literaturfest die Lit.Cologne in unserer schönen Stadt statt. In diesem Rahmen konnte man spannende Lesungen, inspirierende Gespräche und Diskussionen beisitzen. Mein persönliches Highlight, ganz klar der Abend mit Kasalla im WDR Funkhaus!
Knapp vier Wochen, nach der jecken Zeit, war dies ein toller, humorvoller und nahbarer Abend, der einen wieder zurück in die vergangene Session versetzte, aber auch spannende Geschichten und Hintergründe bereithielt, die Basti Campmann und Flo Peil selbst ganz unverblümt aus dem Nähkästchen plauderten und natürlich mit viel Musik!


Ähnlich wie bei uns von Appsolutjeck besteht auch Kasalla aus Imis und gebürtigen Kölnern. Basti ist in Stammheim aufgewachsen und nicht wie vermutlich die meisten von uns denken durch seinen Vater (einem ehemaligen Räuber) zur Kölschen Musik gekommen, sondern durch Brings, eins seiner Lieblingslieder ist dabei das Weihnachtslied Plastikstään. Und Flo, ursprünglich aus einem Dorf bei Düren. Vermutlich macht genau diese Mischung an kölschem Singsang, das aus was wir aus ihren Liedern kennen. Denn ganz Kölsch-konform sind die meisten Songs wohl nicht, wenn es nach der „Akademie för uns kölsche Sproch“ geht, die das ein oder andere Mal schon ihre Unterstützung beim Schreiben oder besser gesagt, beim richtigen Kölsch schreiben, anboten. Aber darum geht es der Band nicht, wenn man sie heute fragt, würden sie rückblickend eher auf Songs mit deutlich zu hohem „Shallaala-Anteil“ verzichten, aber dann müssten wir auf Songs wie „eine Stadt mit K“ verzichten, undenkbar. Wobei der Song auch hätte als Rapsong veröffentlicht werden können, wenn man Basti gelassen hätte. Letztendlich hatte man dem Song weniger zugetraut, aber der Wunsch der Fans hat die Band einfach überrollt.

Auch auf die Frage, warum Kasalla nicht auf Hochdeutsch singen, war die Antwort seitens Flo klar „Kölsch ist einfach rotziger, weniger kitschig“ stellt euch „Marie“ auf Hochdeutsch vor, das würde dann eher nach einem Pur-Hit als nach Kasalla klingen. Auch sind auf Kölsch so wunderbare Missverständnisse möglich.
Aber mit der „Stadt mit K“ feierten Kasalla natürlich nicht ihren Durchbruch, denn der war wesentlich früher, mit Pirate von 2011. Auch dieser Song wurde kontrovers im Proberaum diskutiert, von „lass uns ein Piratenlied machen“ über warum „Kölle Ahoi“ wir haben doch „Kölle AlaafAlaaf ist das wichtigste Wort im Kölner Karneval, Schlachtruf aller kölschen Jecken und wird ständig und immer dreimal gerufen.“ das funktioniert nie … wie wir wissen, es funktioniert doch.
Schnapsideen sind daher an der Tagesordnung bei Kasalla, aber Good News: Ihr Brauhaus „Johann und Marie“ ein Brauhaus mit Seele und versteckten Hinweisen auf die Band, auf der Aachener Straße soll noch vor der Kölner Oper eröffnen 😉 Lassen wir uns überraschen und freuen uns um so mehr, wenn wir dort gemütlich zwischen, von der Decke baumelnde rote Chucks, ein Glas Kölsch oder mehr, uns genehmigen dürfen.
Die Herausforderung bei diesem Projekt ist natürlich nicht nur geeignetes Personal zu finden, damit Basti und Co. nicht selbst in der Küche stehen müssen, nein die größte Herausforderung ist auch hier das Kölner Bauamt, man kennt’s 🙂

Und wenn man denkt, man kennt schon alles, dann zaubern Basti und Flo noch dieses Fundstück aus dem Hut. Oder wer kennt ihren Song „Am Laufenden Band“? Generell erzählen die meisten Songs von Alltagsgeschichten aus dem normalen Leben, sie sind der rote Faden, es sind Geschichten, in denen wir uns wiederfinden können, wenn auch manche Songs einen etwas größeren Anteil am Jenseitigen haben und hin und wieder auch fragwürdige Textzeilen fallen, denn wann tanzt man schon einmal auf einem Grab?
So verarbeiten Kasalla auch schwerere Themen in ihren Songs und nennen es selbst als der morbide Anteil des Frohsinns.
Darum gilt das Schreiben für die Bandmitglieder ebenfalls als Therapie und natürlich sind auch Schreibblockaden in 15 Jahren Bandgeschichte nicht unüblich. Letztendlich ist dies nach Flo aber eine Einstellungssache, Höhen und Tiefen sind wichtig und gehören einfach dazu, genauso wie ein guter Vibe innerhalb der Band und die bekannten Kreativtechniken. Hilfreich sind für Flo dann die gesammelten Notizen in seinem Handy und es muss einfach drauf losschreiben.
Und dann gibt es da immer wieder Songs, die die Band selbst überraschen
Ein solcher Überraschungshit ist „Sing mich nach Huss“ denn die beiden natürlich auch auf performten.

Aber wie wird nun entschieden welcher Song veröffentlich wird oder nicht?
Darauf hatte Basti eine ganz klare Aussage, „am liebsten 5:0“, am besten ist ein Song wenn man auch das letzte Bandmitglied überzeugen konnte, also wie in einer Koalition, nur dass die Koalition Kasalla deutlich mehr Bestand hat als so manch andere.
Die passende Anekdote gibt es hierzu zu „Mer sind Eins“ welcher im Proberaum übelst zerrissen wurde, es vielen Bemerkungen wie „klingt wie du bes kölle, nur eben in scheiße“ und dann wurde der Song zu einem absoluten Fanliebling, nicht zuletzt weil auch hier Brücken zwischen Generationen gebaut werden.
Einstimmiger war da das Bandgefühl zu „Rudeldiere – Ist da einer, wir sind viele“, nachdem man sich von dem Gedanken getrennt hatte, dass Hundewelpen nicht der richtige Titel ist. Auch das Momentum nach dem ersten schweren Coronajahr passte und griff den Gedanken des Zusammenhaltes gegen die Einsamkeit auf.

Basti Campmann und Flo Peil haben auch gesungen: „Marie“, „Mer sind Eins“ und „Am Laufenden Band“
Aber welche sind nun die persönlichen Lieblingslieder von Basti & Flo?
Von Basti ist es „der Fluss“, Flo dagegen liebt die „Südkurv“ (Applaus im Publikum) Auch oder gerade aufgrund der kontroversen Diskussionen, darf man „Hooligans“ bringen bzw. dn Vergleich zu dieser Personengruppe ziehen?
Aber eben auch das ist Karnevalkommt von „Carne vale! Fleisch, lebe wohl!“und bringt den Charakter des Festes als Freudenfest vor der langen Fastenzeit zum Ausdruck bringt. More und beschreibt die Kölsche Mundart, vermeintliche Tabuthemen werden in den Texten der Band aufgegriffen. Frei nach ihrem Motto: „Alles kann, Kölsch muss!“
Und wer zwischen den Zeilen liest, versteht die Bedingungslosigkeit, sprich die bedingungslose Liebe zu seinen nächsten und liebsten Menschen.
So sind auch tiefe, traurige Themen immer wieder Bestandteil ihrer Songs wie bei „Alle jläser huh“. Denn auch diese Emotionen unterscheiden den Kölner Karnevalkommt von „Carne vale! Fleisch, lebe wohl!“und bringt den Charakter des Festes als Freudenfest vor der langen Fastenzeit zum Ausdruck bringt. More vom Ballermann.
Mit „Sing mich noh Hus“, wollte die Band ihr Publikum eigentlich verabschieden, aber da wir auch nach knapp zwei Stunden Diskussion noch nicht genug hatten, gaben die beiden Protagonisten uns noch zwei weitere Song zu mitsingen: „Alle Jläser huh“ und „Immer noch do“.
- Ende –

Fotos ©LitCologne (Aufmacher), ©Tina Klingen












