O Tannenbaum, nackte Hintern und ganz viel Hätz: Das (vorerst) letzte Wohnzimmerkonzert von Kuhl un de Gäng (Franz)

Wir haben es in den letzten Wochen ja schon ausführlich im Podcast, auf unseren Social-Media-Kanälen und hier im Blog besprochen: Die geliebten Wohnzimmerkonzerte werden im Palmengarten Mülheim bald Geschichte sein. Ein Grund mehr für mich, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und dieses (vorerst) letzte Konzert in dieser tollen Kulisse noch einmal in vollen Zügen zu genießen.

Da ich die Jungs von Kuhl un de Gäng für AppSolutJeck ja schon mal einen ganzen Tag lang auf Tour begleiten durfte, war die Vorfreude riesig, Hubi, Manu und den Doc endlich mal wieder in Action zu sehen. Den Tourbericht findest du hier.

Kaiserwetter und „O Tannenbaum“ beim Soundcheck

Wir schreiben Samstag, den 9. Mai. In Köln herrscht absolutes Kaiserwetter. Nachdem ich die Sonne bei dem ein oder anderen Kaffee in der Südstadt genossen habe, mache ich mich gegen 17:00 Uhr auf den Weg auf die Schäl Sick nach Mülheim.

Als ich an der Stadthalle ankomme, platzt der Palmengarten bei den sommerlichen Temperaturen bereits aus allen Nähten. Die Band steckt noch mitten im Soundcheck. Es gibt ein riesiges Hallo und eine herzliche Begrüßung – wir haben uns schließlich eine Weile nicht gesehen.

Es ist immer wieder spannend, das Treiben in so einem leeren Raum vor dem Gig zu beobachten. Instrumente werden gestimmt, an den Pegeln wird gedreht, man singt sich ein. Plötzlich pfeift eine fiese Rückkopplung durch den Saal. Aber wer glaubt, dass hier Hektik ausbricht, irrt sich. Die Crew sucht in Ruhe nach dem Fehler, während die Jungs auf der Bühne zur Überbrückung einfach mal ganz spontan „O Tannenbaum“ anstimmen. Die Stimmung bei allen Beteiligten? Überragend.

Auch wenn das Konzept „Wohnzimmerkonzert“ eher unplugged und intim rüberkommt, steckt da massiv Technik dahinter. Aber die Crew macht das ja nicht zum ersten Mal. Nach ausführlicher Fehlersuche ist pünktlich zum Einlass um 19:00 Uhr alles im Lot. Aktuell ist die Temperatur im Saal noch sehr angenehm, aber uns allen ist klar: Wenn die Bude gleich voll ist, wird das hier eine warme Angelegenheit.

Ein Abend unter Freunden und Familie

Für uns geht es dann erstmal raus in den Palmengarten. Bei bestem Wetter essen wir alle gemeinsam, bevor die Show um 20:00 Uhr startet. Die Atmosphäre ist heute extrem familiär. Beim Essen lerne ich Manuels Eltern kennen, und wie ich erfahre, sind heute unter anderem auch ein paar Familienmitglieder der Band im Publikum.

Backstage werfen sich die Jungs dann in Schale. Es wird noch einmal gemeinsam angestoßen, bevor es ernst wird. Der Abend hat nämlich eine Besonderheit: Das komplette Konzert wird in Bild und Ton aufgezeichnet. Die Anspannung ist greifbar, denn jetzt muss nicht nur der Ton sitzen, sondern jede Kameraeinstellung muss funktionieren.

Um 20:00 Uhr geht es los. Und wie! Eine herrlich bluesige Version von „Rut un Wiess“ eröffnet den Abend. Die Kameras werden nochmal etwas positioniert, aber spätestens beim zweiten Refrain singt der ganze Saal mit. Beim anschließenden „Die schönste Mädcher han mir“ wird dann auch das erste Mal kräftig geschunkelt.

Ommas Fliesentisch und das verbotene Einhorn

Die Atmosphäre ist wieder einmalig und macht dem Namen „Wohnzimmerkonzert“ alle Ehre. Gedämpftes Licht, auf der Bühne keine hellen Scheinwerfer, gefühlt keine zwei gleichen Stühle im Raum, ein paar Sofas und natürlich der obligatorische Fliesentisch von Omma. Es hat den Charme des ultimativen Partykellers.

Wie vertraut Band und Crew sind, zeigt sich bei einer kleinen Anekdote zwischendurch. Bei früheren Auftritten hatten die Jungs oft ein riesiges aufblasbares Einhorn dabei, das beim Crowdsurfing zum Einsatz kam. Als Manuel auf der Bühne laut überlegt: „Das müssten wir eigentlich mal wieder machen“, schallt aus der Ecke der Crew ein so lautes und synchrones „NEIN!“, dass der ganze Saal in lautes Gelächter ausbricht.

Dann wird es kurz still. Die Band präsentiert einen nagelneuen, noch unveröffentlichten Song. Eine richtig starke Pop-Nummer, die bei mir sofort zündet. Auf die Zwischenrufe der Fans, wann das gute Stück denn endlich rauskommt, antwortet Manu gewohnt trocken: „Bis Weihnachten habt er’t.“ 

Vor der Pause nimmt sich Hubi noch einen kurzen Moment für eine Entschuldigung. Wer sich erinnert: Das letzte Wohnzimmerkonzert musste leider extrem kurzfristig abgesagt werden, weil Hubis Stimme komplett weg war. Durch einen Fehler in der Kommunikation standen damals leider schon einige Fans vor der Tür. Manu und der Doc waren aber vor Ort und haben sich damals vor der Halle mit den angereisten Leuten unterhalten. Das ist eben auch Kuhl un de Gäng – nah dran an den Leuten. Und die Fans danken es ihnen: Heute sind Leute aus dem Sauerland und sogar aus Berlin angereist.

Mit „Naach zom Daach“, einer schnelleren Nummer inklusive eines fetten Schlagzeug-Solos, das mit tosendem Applaus belohnt wird, geht es in die wohlverdiente Pause.

Reggae-Vibes und die Box der Wahrheit

Backstage wird die Zeit direkt kreativ genutzt. Der neue Song kam beim Publikum extrem gut an, und die Jungs diskutieren schon bei einem Kaltgetränk, wie man denn das Cover-Artwork am besten gestalten könnte. Musiker durch und durch eben.

Teil zwei startet direkt mit einem echten Klassiker: Beim Millowitsch gibt es im Publikum kein Halten mehr. Jeder singt mit. Auch Kölsche Party funktioniert in der entspannten Unplugged-Version hervorragend. Für mich ein echtes Highlight des Abends ist dann die neue Nummer Fernweh. Ein Song, der eigentlich schon 2018 geschrieben, dann aber in die sprichwörtliche Kiste gepackt wurde. Heute holen sie ihn raus und der Palmengarten verwandelt sich in eine Kölsche Reggae-Party inklusive feinstem Bass-Solo vom Doc. Der Sommer ist endgültig in Mülheim angekommen!

Am Merch-Stand stand den ganzen Abend über eine Box, in die die Fans Fragen an die Band werfen durften. Jetzt ist die Zeit der Wahrheit gekommen. Erste Frage auf dem Zettel: „Wann kommt das Einhorn wieder?“ (Wir erinnern uns an die Crew). Die Fragerunde ist typisch Wohnzimmerkonzert: intim, lustig und absolut interaktiv. Auf die Frage „Könnt ihr mal auf Deutsch singen?“ wird laut gelacht. Als jemand wissen will, was der lustigste Moment der Bandgeschichte war, packt Hubi eine Story von einer Herrensitzung aus, bei der ihnen von diversen Herren der nackte Hintern gezeigt wurde, weil sie mit der Performance vermutlich nicht ganz einverstanden waren. Tränen gelacht!

Die Stimmung ist jetzt so locker, dass die Jungs völlig spontan „Westerland“ von den Ärzten anstimmen. Schließlich wurde auch das in der Fragebox gefordert. Der komplette Saal brüllt „Ooooohhh ich hab solche Sehnsucht“. Hubi grinst und stellt fest, dass die Band in ihrer gesamten Geschichte noch nie ein komplettes Cover auf einem Konzert gespielt hat. Ein historischer Moment also. Das ich DAS noch erleben darf.

Pizzen, neue Bandmitglieder und ein Kölsch zum Schluss

Kurz vor Schluss meldet sich noch der kleine Fan Fiona aus der ersten Reihe. Sie will unbedingt noch eine Frage aus der Box ziehen. Den Wunsch schlägt ihr natürlich niemand ab. Die Frage lautet: „Wie viele Treuepunkte habt ihr eigentlich bei eurer Lieblingspizzeria?“ Ein Insider-Lacher für die echten Hardcore-Fans, denn nach den Konzerten geht es für die Jungs wohl öfter mal noch Pizza essen.

Da die Jungs ja auch Musik unterrichten, dürfen die „Schüler“ am Ende nicht fehlen. Manuel verteilt kurzerhand Instrumente im Publikum und bei „Nit vun dieser Welt“ stehen plötzlich vier strahlende „Neu-Musiker“ mit auf der Bühne. Herrlich!

Gegen 23:00 Uhr endet dieser fantastische Abend schließlich mit „Loss mer springe“.

Nachdem die letzten Fans verabschiedet sind und sich das Wohnzimmer leert, stoße ich mit den Jungs backstage noch auf ein allerletztes Kölsch an. Es war ein durch und durch gelungener Abend. Es ist toll zu sehen, wie die bekannten Songs hier ganz anders, leiser, aber mindestens genauso intensiv interpretiert werden. Ich habe es sehr genossen, die Jungs nach langer Zeit mal wiederzutreffen. Macht’s jot und bes zom nächste Mol!

Bildnachweis: Alle Fotos ©Johannes May/www.instagram.com/johannes.may.127/ ©Franz Schumann-Halder/BKB