Laut aber schief (Jens)
Einen Abend mit Laut aber Schief. Das heißt: wilde Party beim Clipdreh von 47_kö11sch und Stimmgewalt bei Loss mer singeist eine Mitsing-Initiative, die in Kölner Kneipen (und anderswo) den Hit der Session kürt. Mit weiteren beliebten Veranstaltungen wie der Sitzung im Tanzbrunnen und der Party an Karnevalsfreitag (www.lossmersinge.de). More im Tanzbrunnen.
Aber fangen wir ganz vorne an. Laut aber Schief ist eine noch relativ neue Gruppe auf dem Karnevalsmarkt. Gegründet haben sie sich 2023 und sind aktuell auch für den närrischen Oscar als bester Newcomer nominiert. Ihr Motto ist „Spaß an der Freud“ und genau das verkörpern die über 100 Mann eindrucksvoll. Die Jungs und Männer machen das alles nebenberuflich und nicht aus Profitgedanken heraus, denn die Einnahmen, die sie ersingen, werden an Kinder- und Jugendorganisationen gespendet. Da macht das Zuhören direkt doppelt Spaß.

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Am letzten Dienstag hatte ich das große Vergnügen, die Jungs einen Abend lang zu begleiten. Treffpunkt war die Torburg am Chlodwigplatz. Dieser Ort war nicht willkürlich gewählt, denn hier warteten bereits die beiden Jungs von 47_kö11sch auf uns. Auch diese Konstellation gibt es noch nicht allzu lange, ist aber trotzdem längst kein Geheimtipp mehr. Das Duo besteht aus Pierre von Planschemalöör und Max von King Loui. Aktuell sind die beiden mit ihrem Lied „11 Jecke“ sehr fleißig unterwegs und stehen sogar in den Top 3 der deutschen Viral Charts auf Spotify. Die große Präsenz in den sozialen Medien zahlt sich aus. Und genau dafür haben sie sich an diesem Abend mit Laut aber Schief verabredet. Es sollte ein neuer Clip für Social Media gedreht werden.
Auch wenn die Band nicht in voller Besetzung vertreten war, sorgte schon die halbe Mannschaft garantiert für Stimmung. Ein paar Tische wurden zur Seite geschoben, bunte Sonnenbrillen ausgepackt, rote Pappnasen aufgesetzt und schnell bestimmt, wer heute die Rolle des Maskottchens übernimmt und ins Wolfskostüm schlüpfen muss. Pierre gab die letzten Anweisungen, dann hieß es auch schon Musik an. „Bei drei ist hier Karnevalkommt von „Carne vale! Fleisch, lebe wohl!“und bringt den Charakter des Festes als Freudenfest vor der langen Fastenzeit zum Ausdruck bringt. More“ … das musste man niemandem zweimal sagen. Gedreht wurde aus verschiedenen Perspektiven, Max wurde in bester Rockstar-Manier durch die Kneipe getragen, und dann war auch schon alles im Kasten, beziehungsweise im Handy.
Perfekt im Zeitplan, denn der nächste Auftritt wartete bereits ein Geheimauftritt bei Loss mer singeist eine Mitsing-Initiative, die in Kölner Kneipen (und anderswo) den Hit der Session kürt. Mit weiteren beliebten Veranstaltungen wie der Sitzung im Tanzbrunnen und der Party an Karnevalsfreitag (www.lossmersinge.de). More im Tanzbrunnen. Wie die ganz Großen haben Laut aber Schief ihren eigenen Bandbus – einen eigens für sie beklebten Linienbus. Beim Einsteigen fiel einem sofort etwas ins Auge: drei Kisten Früh Kölsch. Aber keine Sorge, auch alkoholfreie Getränke waren an Bord und wurden getrunken. Die Spaßvögel nehmen es nämlich trotzdem ernst. Kaum war der Bus unterwegs, wurde die Musik aufgedreht. Natürlich wurde laut, aber nicht schief, zu den Bläck Fööss mitgesungen.
Übrigens: So viele Männer kommen auch nicht ganz ohne eine Frau aus. Den Bus steuerte nämlich eine Fahrerin durch die Straßen Kölns und sie kann vermutlich besser rückwärts einparken als die meisten Männer.

Am Tanzbrunnen angekommen ging es durch den Hintereingang hinein. Neben Klopapier und anderer Lagerware war der Backstagebereich nicht gerade luxuriös, dafür aber groß. Die Veranstalter wissen allerdings, wie man eine Horde Männer bei Laune hält. Der erste Kranz Kölsch ließ nicht lange auf sich warten.
Gegen halb zehn hieß es dann: Showtime als geheimer Act. Diesmal sollten sie sich leise statt laut auf die Bühne schleichen. Nach dem Willi-Ostermann-Medley waren sie an der Reihe und stiegen mit „Heimweh nach Köln“ ein. Danach wurde nicht mehr gecovert, ab da gab es hundert Prozent Laut aber Schief. Mit Hits wie „Noh Kölle jonn“ und ihrem aktuellen Sessionslied „Fastelovend Fiewer“ begeisterten sie das Publikum.
Ursprünglich sollte das Sessionslied ein Song über Daydrinking werden. Weil die meisten immer über die Party spät in der Nacht singen, wollten sie etwas fürs Vorglühen schaffen. Und wen wundert es, dass man dabei auf die jecke Jahreszeit kommt? Denn da kribbelt es uns spätestens ab 11:11 Uhr nicht nur in den Fingern. Auch wenn es inzwischen eher Nacht geworden war, funktionierte der Song beim Publikum bestens. Mit ihrem Lied über den Nubbeloder Zacheies ist eine Strohpuppe, die von Altweiber an über der Eingangstür oder aus den Fenstern vieler Kneipen hängt. Der Nubbel hat im Kölner Karneval eine ganz besondere Funktion: Er ist nämlich der Sündenbock, der an allen Sünden schuld ist, die im Karneval begangen wurden. Ob leerer Geldbeutel, dicker Kopf, ein betrogener Partner oder das Vergessen des Alltags, der Nubbel muss dafür am Ende der Karnevalszeit büßen. Am Karnevalsdienstag um Mitternacht wird er unter lautem Geheule und Wehklagen verbrannt und damit werden nach dem Volksglauben auch die Schandtaten der letzten Tage symbolisch zu Grabe getragen. More beendeten sie schließlich ihren Auftritt.
Alles wurde eingepackt und von der Bühne getragen. Für mich ging damit ein grandioser Abend zu Ende. Während die Band in ihrem Bus Richtung Overath aufbrach, machte ich mich mit ordentlich Fiewer im Ohr auf den Heimweg. Danke!
Fotos ©Jens Schnakenberg













