Der Nubbel als Freund der Kinder (Melanie)

Die meisten von euch kennen den Nubbel als klassischen Sündenbock des rheinischen Karnevals. Zu Beginn der Session wird er gebastelt, hängt während der jecken Tage vor den Kneipen der Stadt und ist – ganz offiziell – an allem Schuld. Am Abend des Karnevalsdienstags findet das Spektakel dann seinen Höhepunkt: In einer feierlichen Zeremonie wird der Nubbel verbrannt und mit ihm alle Sünden des Karnevals.

 

Die Deutzer Karnevalsgesellschaft „Schäl Sick“ wollte diese Tradition jedoch ein wenig kindgerechter gestalten. Schließlich zählen auch einige Kinder im Kindergartenalter zu ihren Mitgliedern. Mit ihnen gemeinsam einen Nubbel zu basteln, um ihn wenige Tage später zu verbrennen, erschien vielen schlicht zu grausam.

Also wurde eine neue, liebevolle Idee geboren.

 

Am vergangenen Sonntag traf man sich im Constantin Pub in Deutz und bastelte gemeinsam mit den Kindern einen ganz besonderen Nubbel. In der D.K.G. Schäl Sick ist er nun nicht mehr der Sündenbock, sondern der Freund der Kinder. Während des gesamten Karnevals sammelt er all die schönen Momente: das Tanzen, das Lachen, die Fröhlichkeit und die vielen kleinen Erinnerungen, die diese Zeit so besonders machen. Auf all das passt der Nubbel gut auf.

Natürlich bekam er auch einen Namen. Die Kinder durften Vorschläge machen, und per Losentscheid fiel die Wahl auf: „Oller Hund“.

Damit er auch wirklich nichts verpasst, ist der Nubbel überall dabei: auf dem Kinderkostümfest, bei der großen Kostümsitzung und sogar auf dem Wagen im Deutzer Dienstagszug. Während andere Nubbels zugig vor Kneipen hängen, hat der „Olle Hund“ es deutlich gemütlicher. Kurzerhand ist er bei der Präsidentin eingezogen und darf dort – warm und sicher – bis zum Karnevalsdienstag wohnen.

Nach dem Umzug am Karnevalsdienstag versammeln sich Kinder und Erwachsene gemeinsam, um den Nubbel feierlich schlafen zu legen. Er reist dann ins Land der Träume, nimmt all die schönen Erinnerungen mit und passt gut auf sie auf. Anschließend gehen die Kinder nach Hause.

Für die Erwachsenen bleibt der Nubbel natürlich trotzdem das, was er traditionell ist: der Sündenbock. Und dazu gehört nun einmal auch, dass er am Ende brennen muss. Doch das geschieht erst am Abend – wenn die Kinder hoffentlich längst friedlich schlafen und von ihren eigenen Karnevalserlebnissen träumen.

 

Fotos: @Melanie Gorissen