Fastelovend Ferkeet (Brigitte)

Jedes Jahr in der Session laden die Freunde und Förderer des kölnischen Brauchtums an einem Sonntag Vormittag in die Philharmonie zu einer ganz besonderen Matinee ein: Fastelovend Ferkeet. Wo vielleicht am Abend zuvor noch klassische Musik oder Jazz zu hören gewesen war, wird nun gesungen, im Takt geklatscht und geschunkelt. Aber was ist daran eigentlich „ferkeet“ (für den Imi: verkehrt)?

Die Philharmonie war gut gefüllt, überall sah man dezent verkleidete Jecken. Fastelovend Ferkeet hat längst ein Stammpublikum, das sich Jahr für Jahr auf diese außergewöhnliche Matinee freut – und ganz nebenbei mit seinem Eintrittsgeld auch noch Gutes tut. Doch dazu später. Bernhard Conin, Präsident der Freunde und Förderer des kölnischen Brauchtums freute sich in seiner Begrüßung denn auch über den großen Zuspruch und übergab die Moderation an Natalie Bergdoll. In herrlichem Kölsch führte sie durch das Programm und würdigte jeden einzelnen Künstler ausführlich für seine Darbietungen. So viel Wertschätzung hört man selten im Karneval.

Bei Fastelovend Ferkeet, gibt es keine Tuschkapelle. Stattdessen spielte die Stadtkapelle Köln, ein traditionsreiches Blasorchester, das unter anderem mit einer Ostermann-Revue anlässlich des 150. Geburtstags des Künstlers begeisterte. Außerdem durften die Jecken eine echte Uraufführung erleben: Kapellmeister Sven-Christian Kinne präsentierte eine neue Komposition, zusammengesetzt aus den Märschen aller neun Traditionskorps.

 

Schon mit dem ersten Programmpunkt wurde klar: Das ist keine normale karnevalistische Veranstaltung. Hier treten Künstler – aus dem Karneval oder auch nicht – auf, die singen, lesen oder vortragen, was mit Karneval im klassischen Sinne oft nur wenig zu tun hat. Eben Fastelovend Ferkeet.

Gerd Köster gehört sicher zu den Künstlern, die man im Karneval kaum sieht. Was er an diesem Vormittag jedoch vortrug, war ganz großes Kino: Mit seiner unverwechselbaren kölschen Stimme und einer beeindruckenden Bandbreite von schrill bis ganz tief las er das Gedicht „Et Jroschegrab“ von Christian Thill aus dem Jahr 1910 – eine bissige Schilderung eines Nachbarschaftsstreits unter Kranbäumen.

 

Michael Kuhl, als Musiker oft im Fastelvend unterwegs, zeigte sich in der Philharmonie von seiner anderen Seite. Gemeinsam mit dem Pianisten Frank Buohler berührte er das Publikum mit seinem autobiografischen Song „Ich bin nur ne kleene Trötemann“ – ein Lied, das ans Herz ging.  Um dann später gemeinsam  mit seinem Kontrabass-Kollegen aus dem fernen Brandenburg eine jazzige Version vom „Treuen Husaren“ zu spielen (das Neil Armstrong 1959 auf den Jazz Open als „The Faithful Hussar“ erstmals vorgetragen hatte).

 

Ostermann auf Holländisch? Ja, das geht – wie die Kallendresser eindrucksvoll zeigten. Die Kölner Mundartgruppe ist für ihre Pflege alter, traditioneller kölscher Lieder bekannt. Bei Fastelovend Ferkeet jedoch war alles anders: Ostermann-Potpourris mit „verkehrten“ Texten oder eben ein Ostermannlied auf Holländisch.

Mit ihrer ganz eigenwilligen Interpretation kölscher Klassiker brachten auch Thekenterzett – Heiner Evering, Steffi Everding und Winston Friday – das Publikum zum Schunkeln und Mitsingen. Selbst dann, wenn man zwischendurch augenzwinkernd ein Lied mitsang, in dem eine Textzeile behauptet, dass „Schunkeln eigentlich scheiße“ sei.

Zum Schluss hielt dann doch noch der „richtige“ Karneval Einzug – in Gestalt des Kinderdreigestirns mit Prinz Linus II., Bauer Jonathan und Jungfrau Phili. Hochprofessionell präsentierten sie ihre Rede und ihr Sessionslied „Alaaf – Mer dun et för Kölle“.

Warum also Fastelovend Ferkeet? Das wurde ganz am Ende deutlich, als Bernhard Conin Alfred Wendel, den neuen Geschäftsführer der Philharmonie, auf die Bühne bat. Dieser überreichte einen Scheck über 20.000 Euro.

Alle Künstler verzichten auf ihre Gage, sodass der Reinerlös der Veranstaltung den Schull- un Veedelszöch zugutekommt und zur Finanzierung der Musikkapellen im Zug beiträgt. Nachdem die Organisatoren im vergangenen Jahr auf die schwierige finanzielle Lage aufmerksam gemacht und sogar das Aus der Zöch angedroht hatten, löste dies eine enorme Spendenwelle in der Kölner Karnevalscommunity und Stadtgesellschaft aus. Denn die Schull- un Veedelszöch sind das Herz des Fastelovends.

Wie schön, dass es Fastelovend Ferkeet schon seit vielen Jahren gibt – als feste Konstante dieser Finanzierung. Eine Veranstaltung abseits des Mainstreams, mit einem Publikum, das zuhört, sich begeistern lässt, mitklatscht und mitsingt.

Bildnachweis: Alle Fotos ©Vera Drewke, @BKB