Vorstellung der Persiflagen (Ulla)

Einen ersten Vorgeschmack auf den diesjährigen Rosenmontagszug gab Zugleiter Marc Michelske der Presse bei der Vorstellung der Persiflagen. Dabei erläuterte er zudem weitere wesentliche Aspekte bezüglich der Organisation und des Ablaufs des Zuges.

Das diesjährige SessionsmottoAlaaf – mer dun et för Kölle“ stellt das Ehrenamt in den Mittelpunkt des Interesses. Ohne die unentgeltliche Mitarbeit zahlreicher engagierter Menschen wäre die Aufrechterhaltung des Karnevals, der Kölner Gesellschaft sowie der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland letztlich nicht gewährleistet. Ehrenamtliche Tätigkeiten sind das Herzstück unseres gesellschaftlichen Miteinanders.

Der Zug ist in drei Kapitel gegliedert. Regionale, nationale und internationale Themen werden in insgesamt 21 Wagen dargestellt. Das Sessionsmotto zieht sich als roter Faden durch den Rosenmontagszug und bestimmt die einzelnen Motive. Jedes Thema der Persiflagewagen wird mit dem Halbsatz „Mer dun et …“ eingeleitet.

Mit dem ersten Wagen „WAT DOOT IHR ALL MET KÖLLE?!“ spricht Martin Weitz von den Kritzelköpp den Zustand unserer Stadt an. Umgeben von Müllbergen und chaotischen Verkehrsbeschilderungen dominieren Baustellen mit riesigen Baukränen das Panorama, sodass Colonius und Dom regelrecht erstickt wirken und sich scheinbar wegducken. Konrad Adenauer, der ein Glas voller Tränen in der Hand hält, vermag als Engel vom Himmel durch schmutzig-braune Wolken nur unter Tränen zu beobachten, wie wir mit unserer Heimat verfahren. Anlässlich seines 150. Geburtstags ist das ein wahres Trauerspiel.

Weitere regionale Themen umfassen unter anderem die prekäre Lage im Kölner Drogenmilieu. Die Persiflage „Mer dun et för’n Spritztour“ zeigt auf, wie der Umgang der Kölner mit diesem Problem dazu geführt hat, dass die Stadt zu einem Ziel des „Drogentourismus“ aus anderen Gemeinden und Städten geworden ist. 

Auch die Haltung mancher privater Wohnungsvermieter wird thematisiert. In ihrer Gier agieren sie nicht anders als Großkonzerne. Wie ein Eichhörnchen horten sie und vermieten selbst das kleinste „Loch“ (im Baum) zu horrenden Preisen. Denn „Mer dun et weil mer et künne“.

Ein Thema, das nicht nur die Stadt, sondern auch das gesamte Land betrifft, ist die Bewerbung Kölns und der Region für die Olympischen Spiele. In der Persiflage „MER DUN ET FÖR KÖLLYMPIA“ wird der neue Oberbürgermeister Torsten Burmester regelrecht zu einem Spagat gezwungen, um die Kölner zu überzeugen die Olympiade nach Köln zu holen.

Der Wagen „Mer dun et weil mer blauäugig sin“ greift die aktuellen Wahlprognosen und -ergebnisse auf. Die Schlange Kaa, dargestellt in „AfD-Blau“ und mit dem roten Pfeil des Parteisignets versehen, hat den Deutschen Michel so fest umschlungen und hypnotisiert, dass er nicht erkennt, wie er durch sein Wahlverhalten die Errungenschaften der freiheitlichen Demokratie gefährdet. Marc Michelske betrachtet es als ein wichtiges Signal für die Demokratie, wenn diese Partei wieder unter zehn Prozent fallen würde.

Mit der Persiflage „Mer dun et och wenn et wieh deit“ wird der Umgang der beiden Koalitionspartner CDU und SPD thematisiert. Dieser wird durch eine drastische Domina-Szene veranschaulicht: Kanzler Merz und sein Stellvertreter Klingbeil agieren im „Happy Aua Club“.

 Im internationalen Teil wird das Verhalten der EU auf der politischen Bühne kritisiert. So etwa in den Wagen „Mer dun et ohne EUch“ oder „MER DUN ET FÖR DE JODE GESCHMACK“. In letzterem erfreut sich der derzeitige US-Präsident an seinem eigenen Spiegelbild und lässt sich genüsslich seinen „bläcken A…“ küssen. Ob EU, NATO, Macron, Merz, Starmer, FIFA oder UNO – alle machen mit.

Lediglich im Wagen „mer dun et ohne EUch“ tritt der russische Präsident neben dem amerikanischen und dem chinesischen Präsidenten in Erscheinung. Dies weckte natürlich die Frage, warum der russische Präsident in diesem Jahr keine dominantere Rolle im Rosenmontagszug einnimmt. Vor dem Hintergrund, dass Jacques Tilly für seine Düsseldorfer Wagen in Abwesenheit in Russland gerichtlich verfolgt wird, sind sich die Kölner Wagenbauer sicher, dass Tilly im Düsseldorfer Zug die passende Antwort geben wird. Dabei möchte man nicht übergriffig sein. Marc Michels sicherte seinem Kollegen jede Unterstützung zu und betonte: „Das gebührt uns dieses Jahr nicht. Wir werden nicht […] verfolgt, und die einzige Person, die auf diesen Angriff auf unsere Freiheit eine Antwort geben kann und geben wird, ist Jacques Tilly.“

Ein weiterer besonderer Wagen ist dem scheidenden Festkomitee-Präsidenten Christoph Kuckelkorn gewidmet. Der Entwurf dazu wurde ihm auf dem Zapfenstreich zu seinen Ehren überreicht.

Wie immer bleibt ein Wagen geheim. An diesem wird bis zuletzt gearbeitet.

Auch in diesem Jahr wurden verschiedene Vereine und Gruppen zur Teilnahme am Rosenmontagszug eingeladen. Darunter sind Vertreter von Cologne Pride, der Caritas, Zirkus Roncalli, dem Eduardus Krankenhaus und anlässlich des 200-jährigen Jubiläums des Justizgebäudes am Appellhofplatz Justizangestellte. Wurden bisher Bands zur Mitfahrt eingeladen, so wird diesmal das Mathias-Heßeler-Orchester mitfahren und damit auch die Leistung der Saalorchester gewürdigt.

Für den Start des Zuges hat man sich eine besondere Zeremonie überlegt. Ein „Ehrenamtschor“ aus gut 250 Sängerinnen und Sängern aus 31 Chören der Stadt wird mit einem 55-köpfigen Orchester mit einem Medley kölscher Lieder den Zug eröffnen.

Entsprechend der derzeitigen politischen Situation muss die Sicherheitslage täglich vom Staatsschutz neu bewertet werden. Dies führt mit dazu, dass die Kosten für die Sicherheitskräfte enorm gestiegen sind. Jede Stunde, die der Zug später endet, verursacht Mehrkosten in fünfstelliger Höhe.

Marc Michelske erläuterte außerdem, dass der Rosenmontagszug mit Kosten von über 3,5 Millionen Euro ein Zuschussgeschäft ist und die Finanzierung schwierig bleibt. Wie bereits im vergangenen Jahr werden die Rosenmontagszugspangen in Bronze (10,00 €), Silber (25,00 €) und Gold (50,00 €) zum Kauf angeboten. So kann jeder seinen Beitrag zur Unterstützung des Zuges leisten.

Fotos ©Dr. Ulla Weber-Woelk, ©Festkomitee Kölner Karneval/Belibasakis (Aufmacher)