Tradition, Ehrungen und eine Menge Spaß – Korpsappell bei der KG Treuer Husar (Jan)

Nachdem Weihnachten und Neujahr hinter uns liegen, geht es nun mit den unzähligen Karnevalsveranstaltungen weiter. Somit war es für mich an der Zeit, meine zweite Veranstaltung in dieser Session zu besuchen. Diesmal verschlug es mich zusammen mit Daisy am Mittwoch zum Korpsappelloder auch Regimentsappell ist eine jecke Persiflage auf die militärische Tradition der Appelle. Jedes Traditionskorps veranstaltet zu Beginn der Session einen solchen Appell mit geladenen Gästen, bei der die  Mitglieder auf ihre Sessionstauglichkeit „geprüft", neue Mitglieder vereidigt, Beförderungen ausgesprochen und Ehrenmitglieder ernannt werden. Für das Tanzpaar, das Tanzkorps und die Musikkapelle ist es ein Art Generalprobe, denn sie haben hier mit ihrem Tanz bzw. ihrer Musik den ersten Auftritt in der Session. der KG Treuer Husar Blau-Gelb im Pullman.

Bei der Sessionseröffnung im Maritim Hotel hatte ich schon erste Karnevalsluft geschnuppert und dabei wunderbare erste Eindrücke vom Frohmut und der allgemeinen Mentalität des Kölner Karnevals erlangt. Jetzt wollte ich mehr von der Tradition erfahren, die sich hinter dem Karnevalkommt von „Carne vale! Fleisch, lebe wohl!“und bringt den Charakter des Festes als Freudenfest vor der langen Fastenzeit zum Ausdruck bringt. verbirgt. Und wo sollte mir diese Möglichkeit besser gegeben sein, als beim Korpsappell einer waschechten und traditionsreichen Karnevalsgesellschaft.

Die ersten Minuten bei der KG Treuer Husar

Im Pullman angekommen, ereilte mich schon die erste Besonderheit. Neben der zum Treuen Husaren passenden blau-gelben Deko wurde ich vom farbenfrohen Meer aus Anzügen und den dazu passenden Kappen bzw. „Schiffchen“ begrüßt. Obwohl diese Aufmachung für mich nicht unbedingt neu war – ich hatte diese schon mal im Fernsehen gesehen – ist das in der Realität nochmal etwas komplett anderes.

Ich fühlte mich schnell an den Tag der Sessionseröffnung zurückversetzt, an dem ich morgens noch ohne Kostüm einkaufen war und mich die Vielzahl der schon kostümierten Leute erstaunte. Diesmal war es zwar eine andere Art von „Verkleidung“, aber es beschlich mich ein ähnliches Gefühl, nämlich dass ich hier der Sonderling war – wieder mal eine verkehrte Welt!

Lustig lockere Atmosphäre

Die Stimmung war wie zu erwarten fröhlich und munter. Gleich zu Beginn wurde daher mit einer witzigen Anmoderation vom Kommandanten Harry, der auch für den restlichen Abend einen großen Teil der Moderation übernahm, die Stimmung aufgelockert und für die ersten Lacher gesorgt.

Trotz meines langsam besser gewordenen Verständnis von Kölsch fühlte ich mich insbesondere beim ersten Teil der Moderation, als würde ich einer komplett anderen Sprache zuhören. Bis ich eine so tief kölsche Moderation verstehen würde, müsste ich wohl noch ein bisschen länger in Köln verweilen.

Hingabe will früh geübt sein

Einer der ersten Auftritte an dem Abend hat mir gezeigt, dass der Karneval schon in jungen Jahren losgeht. So traten an dem Abend Kinder unter dem Banner der Husarenpänz auf. Später nach dem Auftritt wurden noch ein paar der Pänznennen die Kölner ihre Kinder. mit der Hand auf dem Treue Husar-Banner vereidigt und mussten dabei den Eid des Treuen Husaren leisten, genau wie später auch die „Großen“ – eine wirkliche knuffige Darbietung.

Der Teufel steckt im Detail

Ich als jemand, der nur begrenzt Ahnung vom traditionellen Teil des Karnevals und damit auch seinen Karnevalsgesellschaften hat, war sehr beeindruckt über die oftmals kleinen Feinheiten, die aber viel ausmachen können. So spielt die Kapelle zum Beispiel entsprechend des Anlasses den genau dazu passenden Marsch. Ebenso bestehen zwischen den Uniformen manchmal offensichtliche und andere Male kleine Unterschiede, welche aber die Höhe der Stellung im Verein ausdrücken.

Besonders interessant fand ich hierbei die Musterung, die Teil eines jeden Appells ist. Bei dieser versammelt sich das ganze Korps, stellt sich in Reihen auf und wird vom Kommandanten und Präsidenten auf Ordentlichkeit und Korrektheit kontrolliert. Diese Tradition ist natürlich stark an die Musterung im Militär angelehnt. Erzählungstechnisch wollen hier Kommandant und Präsident sicherstellen, dass das Korps den Verein vernünftig die Session über vertreten kann, dabei ist sie natürlicher ganz nach kölscher Art mehr auf Frohmut und Spaß ausgelegt als dass es wirklich eine echte Musterung ist.

Man hat sich also wieder mit viel Witz selber auf die Schippe genommen und am Ende wurde einem Mitglied sogar mit „Wackeldackel“ ein neuer Spitzname verpasst. Die Kombination aus militärisch angelehnter Tradition (Uniformen, Marschkapellen, militärisches Rangsystem usw.) und dem kölschen Frohsinn faszinierte mich, weil ich etwas solcher Art so noch nicht kannte.

Jahrelanges Engagement und Zusammenhalt

Eine Sache, die einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen hat, waren die oftmals sehr langen Mitgliedschaften der Mitglieder. Auf dem Appell wurden Mitglieder ausgezeichnet, die sich schon seit 45 Jahren(!) im Verein engagieren, das alles komplett ehrenamtlich und freiwillig.

Hier konnte ich für mich selber gut eine Verbindung zu meiner Zeit in einer studentischen Initiative ziehen. Der Zusammenhalt und die gemeinsamen Verbindungen, die in einem Verein nach jahrelanger Zusammenarbeit entstehen, sind etwas wirklich Tolles und Einzigartiges zugleich. Ich war in der Initiative für knapp zwei Jahre tätig, bevor ich hier nach Köln kam. Umso mehr war ich natürlich von den 45-jährigen Mitgliedschaften erstaunt und es fiel schwer, mir überhaupt einen solchen langen Zeitraum voller ehrenamtlichen Engagements vorzustellen. Diese persönlichen Eindrücke spiegelten sich auch in den Gesichtern der Geehrten wieder, da man ihnen die Freude förmlich ansehen konnte.

Mein Fazit

Hinter dem Kölner Karneval steckt bedeutend mehr als nur das Verkleiden und das ausgiebige Feiern. Er ist ein facettenreiches Konstrukt mit einer genauso reichen Tradition  wie auch Geschichte. Seine Karnevalsgesellschaften und ihre Traditionen stellen eine eigene kleine Welt dar, die ihren komplett eigenen Baum an Wissen mit sich bringt.

Obwohl Traditionen oftmals als etwas Starres und Dröges in vielen Köpfen verankert sind, schafft es der Karneval, dem Ganzen mit dem mir langsam wohl bekannten kölschen Frohmut und Spaß seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken. In unserer modernen Welt, die oftmals wenig Zeit für Tradition lässt, ist es schön zu sehen, dass es Anlässe gibt, in denen so etwas immer noch seinen Platz findet. Sei es vom Mariechentanz über die Korpsappelle bis hin zur Prinzproklamation, es entsteht in Köln, wenn auch nur für eine begrenzte Zeit, eine ganz eigene Welt mit ihren ganz eigenen Regeln fernab vom normalen Alltag. Das macht für mich einen großen Teil der Faszination am Kölner Karneval aus und gibt ihm seine charakteristische Besonderheit.

Darauf ein 3x Kölle AlaafAlaaf ist das wichtigste Wort im Kölner Karneval, Schlachtruf aller kölschen Jecken und wird ständig und immer dreimal gerufen.!

Jan

 

Bildnachweis: Ente + Tanzpaar Treuer Husar/Foto: Niki Siegenbruck, alle anderen BKB Verlag