Die Session beginnt

Der Weihnachtsbaum steht, die Lichterketten hängen noch, Stollen, Lebkuchen und Plätzchen sind nicht alle aufgegessen und jetzt beginnt die Session. Korpsappelle, Einzug des Kölner Dreigestirns in die Hofburg, ökumenischer Gottesdienst im Dom, PriPro und die Sitzungen, der organisierte Jeck hat ab dem 2. Januar schon viel um die Ohren. Wie aber können sich die anderen Jecken auf die Session einstimmen? Wie wär’s mit einem jecken Spaziergang durch die Kölner Altstadt?

Alter Markt

Wir starten am Heinzelmännchenbrunnen beim Brauhaus Früh. Die Sage von den fleißigen Helfern in der Nacht kennt jeder Kölner, aber wusstet ihr, dass es im Karneval eine Tanzgruppe namens „De Heinzelmänncher zo Kölle“ gibt, die mit ihren Tänzen und Kostümen dieser kölschen Sage ein Gesicht geben will?

  

Weiter geht s zum Alter Markt, dem Herz des mittelalterlichen Köln. Dieser Platz spielt im Fastelovend eine wichtige Rolle, denn hier wird an Weiberfastnacht von dem Traditionskorps der Altstädter Köln der Straßenkarneval mit einer großen Sitzung eröffnet! Und mitten auf dem Alter Markt steht das Brunnendenkmal zu Ehren eines der Kölner Helden: Jan van Werth. Als armer Knecht von der Magd Griet verschmäht, zog Jan vor Liebeskummer als Söldner in den Dreißigjährigen Krieg. Viele Jahre später sollte er als Reitergeneral stolz zu Pferde in seine

   

Heimatstadt zurückkehren und auf die unverheiratet gebliebene und arme Griet treffen, die am Stadttor Äpfel verkaufte. Als sie ihn erkannte, sagte er: „Griet, wer et hätt jedonn“ („Hättest Du es getan“), woraufhin Griet erwiderte: „Jan, wer et hätt jewoß“ („Hätte ich es gewusst.“). Diese Geschichte wird jede Session an Weiberfastnacht um 13.30 Uhr an der Vringspooz (Severinstorburg) von dem Reiterkorps nachgespielt, das sich die Pflege der altkölnischen Tradition um Jan von Werth zur Aufgabe gemacht hat. Beim „Spillche ahn d´r Vringspooz“ macht natürlich auch das Jan- und Griet-Paar mit, das jedes Jahr von einem Mitglied des Reiter-Korps ”Jan von Werth” und dessen Partnerin dargestellt wird.

Kölsche Originale

Durch das Martinspförtchen geht es weiter zu zwei kölschen Originalen, die in unzähligen Büttenreden und Witzen vorkommen: Tünnes und Schäl. Tünnes (die kölsche Form von Anton) ist ein harmloser, gutmütiger Kerl, dessen Bauernschläue nicht unterschätzt werden sollte. Seine dicke Knollennase ist schon ganz abgerieben, denn ein Griff dorthin soll Glück bringen! Schäl (was „schielend“, im Kölschen aber auch „schlecht“ oder „falsch“ bedeutet) ist ein Schlitzohr.

   

 

Er ist noch arbeitsscheuer als Tünnes, schwadroniert gerne, ist dem Alkohol und auch Schlägereien nicht abgeneigt. Mit Tünnes verbindet ihn eine Art Hassliebe: Keiner der beiden kann ohne den anderen auskommen!

 

Direkt nebenan liegt übrigens die Geschäftsstelle des grün-roten Traditionskorps vom Aldermaat, der Altstädter Köln 1922 e.V. Wenn ihr euch umdreht, seht ihr eine hohe quadratische Stele, die zwar nicht unbedingt was mit Fastelovend zu tun, aber schon jeck ist.

   

Das ist nämlich die Schmitz-Säule, die aus Steinen römischer Hafenbauten errichtet wurde und laut Inschrift an der Stelle steht, wo sich römische Legionäre mit blonden Ubiermädchen getroffen haben. Aus deren Verbindungen sind die Ur-Urahnen der Kölner entstanden und in allererster Linie die der Familien Schmitz, dem wohl kölschesten aller Familiennamen.

Rote-Funken-Plätzchen

Wenn man runter zum Rhein bis zum Buttermarkt geht, stößt man vor dem Biermuseum auf eine Kuriosität: Die Roten Funken sind wohl die einige Karnevalsgesellschaft mit einem eigenen Plätzchen.

Auf diesem feiert das Traditionskorps jedes Jahr bei Fackellicht seine Sessionseröffnung. Ihr erkennt das Rote Funken Plätzchen am Funkendenkmal: Auf einer Bronzeplatte steht der Funkeneid, den angehende Mitglieder heute noch immer leisten. „Bei Öllig, Böckem, ähde Nötz / un bei der rut-wieß Funkemötz / well treu ich sin dem Fasteleer“ heißt es dort und damit schwören die Funken auf die Zwiebel, den Bückling, ihre tönerne Pfeife und die Funkenmütze, dem Karneval treu zu sein. Seitlich davon schmücken Reliefs der Marketenderin (links) und zweier Roter Funken (rechts) die Backsteinmauer.

Seine Lieder werden in jeder Session gesungen

Durch die Salzgasse geht’s weiter Richtung Heumarkt und an der Brauerei zum Pfaffen biegt ihr durch die Pforte ab zum Ostermannplatz. Hier wird Kölns bekanntester Heimatdichter der so unvergessene Lieder geschrieben hat wie “Jetz hätt dat Schmitze Billa en Poppelsdorf en Villa” oder “Och, wat wor dat fröher schön doch en Colonia”, mit einem dreieckigen Brunnen geehrt. Willi Ostermann (1876-1936) vermochte es wie kein anderer, in seine Liedern mit der Beschreibung banalen Alltagsgeschehens Herz und Gemüt anzusprechen. 1939, drei Jahre nach seinen Tode, wurde der Brunnen mit Figuren aus den Liedern des Dichters aufgestellt – „dat Billa“, die „kölsche Mädche“. „et Stina“ usw. Die Willi-Ostermann-Gesellschaft pflegt seit 1967 das Andenken Ostermanns und hat auch diesen Brunnen restauriert. Wenn ihr wissen möchtet, wie Will Ostermann ausgesehen hat, direkt daneben steht ein kleiner Brunnen mit seinem Porträt.

Auf eine Statue Willi Ostermanns trefft ihr auch vor dem Brauhaus „Gilden im Zims“. Das hat nicht nur lecker Kölsch im Angebot, sondern ist auch die Heimat kölscher Helden. Hier werden nämlich auf Bildern und Exponaten, in der Speisekarte, auf Gläsern und Bierdeckeln die Geschichten von bekannten und weniger bekannten Kölner Originalen erzählt.

Fastnacht und nicht Fasteleer!

Auf ein weiteres Kuriosum stoßt ihr gegenüber dem Wallraf-Richartz-Museum: Auf dem Gülichplatz vor Haus Neuerburg steht der Fastnachtsbrunnen! Richtig gelesen: Kein Karnevals-, Fastelovend- oder Fasteleerbrunnen, sondern ein Fastnachtsbrunnen.

Die Namensgebung ist seinem Schöpfer geschuldet Der Bildhauer Georg Grasegger stammte nämlich aus Bayern! Als der Bronzebrunnen 1913 aufgestellt wurde, waren die Kölner wenig begeistert. Zwar sind überall kölsche Figuren zu sehen – eine kleine Putte mit einer kleiner Pfeife im Mund, die ein Trömmelche schlägt, auf der hohen Spindel in der Mitte, vier Tanzpaare in historischen Uniformen, Stadtsoldaten, Kluten und tanzende „Hillige Knäächte un Mägde“ um die Brunnenschale –, aber die Form des Brunnens erinnert eher an eine Wäschbütt.

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ und mit dem Denkmal zu Ehren des Dichters und Krätzchensängers Jupp Schmitz (19091-1991) endet auch dieser Spaziergang. „Es ist noch Suppe da“, „Wer soll das bezahlen?“, „Wir kommen alle in den Himmel“ oder „Ich fahr mit meiner Lisa zum schiefen Turm von Pisa …“ sind noch heute in jeder Session Hits des kölschen Originals, den das Denkmal auf dem Jupp-Schmitz-Plätzchen zwischen Hohe Straße und Rathaus komponierend am Klavier zeigt.

Und damit wünschen wir euch einen schönen Start in die Session 2018!!! Vielleicht könnt ihr unseren Rundgang noch ergänzen …