Jet verzälle, danze, singe – Kneipensitzung Selvs jemaat (Brigitte)

An zwei Tagen im Jahr verwandelt sich das Haus Schnackertz in einen Sitzungssaal, wenn der Senat der KGG Fidele Zunftbrüder von 1919 e.V. seine legendäre Kneipensitzung „Selvs jemaat“ veranstaltet. Freitag Abend in der Florastraße in Nippes …

Vor dem Haus Schnackertz steht eine Menschentraube und wartet auf Einlass. An der Tür zwei Schilder „Geschlossene Gesellschaft“ und „Selvs Jemaat“. Das ist die Kneipensitzung vom Senat der KKG Fidele Zunftbrüder von 1919 e.V. “Eine Supersitzung“, erzählt Andreas von der KKG Blomekörfge, der schon im letzten Jahr dabei war, „da ist ja alles selber gemacht.“ – „Das hat schon einen besonderen Charme“, ergänzt Christian.

 

Als um 18.18 Uhr die Türen geöffnet werden, ist das Schnackertz innerhalb kürzester Zeit voll. Der Speiseraum ist in einen Sitzungssaal mit Bühne verwandelt, das Sälchen dient der KG als Technik- und Umkleideraum. Zuerst heißt es sich zu stärken und Teller mit Kartoffelsalat und Würstchen oder Schnitzel, Frikadellen und Röggelchen mit Käse wandern neben diversen Kölsch auf die Biertische. Es ist wunderbar eng, manche haben auch nur einen Stehplatz ergattert, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch.

 

Heute feiert die Kneipensitzung Jubiläum. Vor zehn Jahren hatte der Vizepräsident des Senats der Fidelen Zunftbrüder die Idee, eine Sitzung für den kleinen Geldbeutel zu veranstalten. So sollte versucht werden, den Ursprung des Karnevals wieder zurückzuholen, erzählt Pressesprecher Andi Wolff, selbst Teil des Selvs Jemaat-Emsembles. Mit unterschiedlichen Talenten und vielen guten Ideen sei man damals gestartet. Die erste Sitzung war auf so viel Begeisterung gestoßen, dass die Jecken sofort die Karten für das nächste Jahr bestellt hätten und da konnte man ja dann nicht anders als weitermachen. Um die Nachfrage nach Karten bedienen zu können, gibt es inzwischen schon zwei Sitzungen am Freitag und am Samstag, trotzdem es ist sehr schwierig, welche zu ergattern. Die werden sozusagen vererbt! Umziehen möchten die Fidelen Zunftbrüder auch nicht, weil sonst das Flair der Kneipensitzung verloren geht. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine dritte Vorstellung.

 

Alles selvs jemaat

Alle 18 Aktiven sind bis heute ausschließlich Mitglieder des Senats, und von den Ideen, den Kostümen bis hin zum Aufbau wird alles, wie es früher im Fastelovend üblich war, selber gemacht. Lediglich die Technik wird von Profis gestemmt. „Wir wollen das nicht profihaft machen, wir sind ja Laien, aber mit den Jahren sind wir immer sicherer geworden“, berichtet Andi Wolff, „wir haben Tanzgruppen, Redner, Duogespräche, musikalische Einlagen und sogar eine eigene Band.

 

Und diese Sitzung ist tatsächlich der Knaller. Schon die erste Nummer mit den beiden Funkenmariechen auf dem Rollator im Himmel sorgt für viele Lacher und heizt die Stimmung an. Damit sind die Jecken auch bereit, die Hausband musikalisch zu unterstützen. Es gibt zwar ein Liederheft, aber die meisten Zuschauer sind textsicher und die ganze Kneipe singt. Spätestens beim zweiten Song „Selvs jemaat“ hört man, dass die meisten schon viele Male auf der Kneipensitzung waren.

 

Mit viel Witz führen „Peter & Kalli“ alias Peter Esser und Conny Tostetti durch das Programm, zu dem neben viel Musik zum Mitsingen Sketche, Parodien und Tänze gehören. Running Gag ist der Ruf nach der „Überbrückungsmusik“, wenn eine Nummer zu Ende war. Diese „Überbrückung“ ist eigentlich ein eigener Act auf der Quetsch, der den ganzen Saal zum Mitsingen bringt.

 

Schön zu sehen wie beim Paar-Tanz „Dick & Doof“, dass auch schon der Nachwuchs bereit steht und am Programm mitarbeitet. Eines der Highlight war das Selvs-Jemaat-Hinterzimmer-Orchester, das zum 100jährigen Jubiläum der Fidelen Zunftbrüder „was Klassisches“ spielen wollte/sollte und im Publikum gelobt wurde: „Da ist Dinner for one nix dagegen!“.

 

Die Kneipensitzung im Schnackertz zeigt, das Fastelovend auch ohne Kassalla, Cat Ballou, Brings, Guido Cantz & Co möglich ist und richtig viel Spaß machen kann. Nicht alles mag perfekt sein, aber das hat der Stimmung keinen Abbruch getan. Vielleicht kann das eine Anregung für andere KG´s sein, sich auch mal einer Veranstaltung für den kleinen Geldbeutel und/oder einer Eigenproduktion wie die in diesem wunderbaren Wohnzimmer in Nippes zu widmen.

 

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