Eine Reise nach Rio (Melanie)

oder: Der Bericht von ein paar Jecken, die nach der Session noch lange nicht genug hatten

 Am Aschermittwoch ist bekanntlich alles vorbei – normalerweise. Doch in diesem Jahr durften wir den Karneval mit einer Gruppe von rund 50 Jecken noch ein wenig verlängern: Es ging nach Rio de Janeiro! Anlass war die im vergangenen Jahr in Köln geschlossene Partnerschaft zwischen dem Festkomitee Kölner Karneval und der LIESA, dem Pendant in Rio. Diese Reise stellte somit unseren offiziellen Gegenbesuch dar.

Ganz im Stil einer Klassenfahrt trafen wir uns um 16 Uhr am Festkomitee am Maarweg und bestiegen den Reisebus Richtung Frankfurter Flughafen. Dank reichlich mitgeführter Berliner musste unterwegs niemand Hunger leiden. Von Frankfurt aus ging es mit einem Direktflug der Lufthansa nach Rio de Janeiro. Dort landeten wir am frühen Donnerstagmorgen und wurden direkt von einer Sambagruppe lautstark und schwungvoll empfangen – ein perfekter Auftakt!

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel stand direkt das erste Highlight auf dem Programm: der Besuch des Zuckerhuts. Von dort aus verschafften wir uns einen atemberaubenden Überblick über die Stadt und ihre beeindruckende Kulisse.

Am Abend waren wir beim Deutschen Generalkonsul Jan Freigang eingeladen. Auf einem wunderschön gelegenen Anwesen wurden wir mit Cocktails und Fingerfood herzlich empfangen. Im offiziellen Teil lobten beide Seiten die bereichernde Verbindung zwischen Köln und Rio, bevor zu Sambaklängen und später auch zu kölscher Musik ausgelassen gefeiert wurde.


Der Freitag begann etwas ruhiger: Ein Strandbesuch und reichlich Caipirinha sorgten für Entspannung, bevor es am Nachmittag zum offiziellen Empfang ins Sambódrom ging. Hier durfte Christoph Kuckelkorn das von der Staatsministerin für Kultur und dem Exekutivsekretär des Kulturministeriums unterzeichnete Zertifikat zur kulturellen Anerkennung der Partnerschaft entgegennehmen.

Rio

Anschließend durften wir selbst einmal durch das Sambódrom laufen und präsentierten dabei eine eigens angefertigte große Flagge. In einer Loge stärkten wir uns und konnten Teile der Kinderparade verfolgen.

Am Samstagvormittag lernten wir eine ganz andere Seite Rios kennen. Der Besuch der größten Favela Südamerikas führte uns zu zwei sozialen Projekten – einer Fußball- und einer Tanzschule. Beim Fußballspiel mussten wir uns den kleinen brasilianischen Kickern zwar deutlich geschlagen geben, wurden dafür aber mit umso mehr Herzlichkeit empfangen.

Der Abend brachte den absoluten Höhepunkt der Reise: den Besuch der großen Finalparade im Sambódrom. Die sechs besten Sambaschulen präsentierten hier jeweils rund 80 Minuten lang ihre prächtigen Wagen, fantasievollen Kostüme sowie ihre Tänzer und Musiker. Zwischen den einzelnen Auftritten lagen jeweils etwa 50 Minuten Pause, sodass sich das Spektakel von etwa 22 Uhr bis in die frühen Morgenstunden erstreckte. Leider wurde ein Teil unserer Gruppe von einer hartnäckigen Magen-Darm-Infektion ausgebremst. Ein tapferer Prinzengardist jedoch hielt bis zum Schluss durch – und wurde belohnt, denn wie in Köln gilt auch in Rio: Das Beste kommt zum Schluss, nämlich die Siegerschule.

Rio

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Der Sonntag verlief bewusst ruhig und ohne festes Programm. So blieb Zeit zur Erholung, bevor am Abend eine ausgelassene Strandparty auf dem Plan stand.

Am Montag erwartete uns wieder ein straffes Programm. Zunächst besuchten wir die Deutsche Schule in Rio, wo uns der Schulleiter spannende Einblicke in den Schulalltag gab. Rund 1.300 Schülerinnen und Schüler im Alter von drei bis 18 Jahren besuchen die Schule mit dem Ziel, das Abitur zu erlangen. Der hohe organisatorische und sicherheitstechnische Aufwand – vom Tiefgaragenzugang bis zum Verzicht auf Schuluniformen – verdeutlichte eindrucksvoll die besonderen Lebensumstände vor Ort. Nach einem Rundgang durch die Schule tauschten wir uns noch mit älteren Schülern aus.

Anschließend ging es weiter zu Cristo Redentor. Oben angekommen, war Christus zunächst vollständig von Wolken umhüllt. Doch plötzlich, für wenige magische Minuten, zeigte er sich in seiner ganzen Pracht – ein unvergesslicher Moment, bevor er wieder im Nebel verschwand.

Rio

Am Abend genossen wir ein traditionelles Rodizio-Abendessen, bevor der Dienstag zur freien Verfügung stand. Einige nutzten die Gelegenheit für einen Helikopter-Rundflug, andere für eine Bootstour oder eigene Erkundungen durch Rio und Umgebung.

Den Abschluss bildete eine ausgelassene Party in einer Bar im traditionsreichsten Samba-Viertel Rios. Bei leckeren Getränken, Fingerfood und mitreißenden Sambaklängen wurde bis spät in die Nacht gefeiert – natürlich durften auch kölsche Lieder nicht fehlen.

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Am nächsten Morgen hieß es dann für die meisten von uns: „Tchau, Rio!“ Ein paar Reisende verlängerten ihren Aufenthalt, um die Stadt weiter zu genießen oder Südamerika zu erkunden.

Wir nehmen unzählige wunderbare Eindrücke mit nach Hause und werden uns noch lange an diese besondere Reise erinnern.

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Fotos ©Melanie Gorissen, ©Festkomitee Kölner Karneval/Belibasakis (Rio)