Müllemer Junge – 75 Jahre Fastelovend im Veedel (Melanie)
Eine der bekanntesten Veedelsgesellschaften im Kölner Karnevalkommt von „Carne vale! Fleisch, lebe wohl!“und bringt den Charakter des Festes als Freudenfest vor der langen Fastenzeit zum Ausdruck bringt. More feiert in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag: die KG Müllemer Junge – Alt-Mülheim e.V. von 1951. Sie kann auf eine beeindruckende Geschichte zurückblicken, die von Zusammenhalt, Frohsinn und tiefer Verbundenheit zu Mülheim geprägt ist.

Die Gründung in schwierigen Zeiten
Der Zweite Weltkrieg war erst wenige Jahre vorbei. Köln lag noch in Trümmern und vieles war ungewiss. Gerade deshalb versuchten sich die Menschen mit Humor und Frohsinn zu umgeben.
Am 4. März 1951 trafen sich auf Initiative von Peter Clever und Heinz Klaeser 23 junge Frauen und Männer in der Gaststätte Koch auf der Buchheimer Straße und trugen sich in die Mitgliederliste ein. Mit einem Startkapital von 80 DM gründeten sie die KG Müllemer Junge. Das Durchschnittsalter lag bei etwa 25 Jahren.
Erste Schritte und schneller Erfolg
Schon im Gründungsjahr nutzte die neue Gesellschaft die Einweihung der wiederaufgebauten Mülheimer Brücke, um sich mit einer eigenen Feier in Mülheim bekannt zu machen. Kurz darauf folgten die ersten eigenen Veranstaltungen. Die erste Sitzungist eine Karnevalsveranstaltung zwischen der Proklamation und Karnevalsdienstag mit einem bunt gemischten Bühnenprogramm: Tanzgruppen und Korpsgesellschaften ziehen in den Saal und präsentieren ihre Tanzkünste, Büttenredner widmen sich mit Witz und Ironie den großen und kleinen Themen der Welt und kölsche Musiker reißen das Publikum von den Stühlen. Highlights sind der Einzug des Dreigestirns und die Ansprache des Prinzen an sein „Narrenvolk“. More fand 1952 statt – der Eintritt kostete zwei Mark, ein Kölsch 30 Pfennig. Allerdings verdienten die Leute damals durchschnittlich auch nur 30 Mark in der Woche.

Noch im selben Jahr entstand ein Tanzcorps, das am 11.11.1952 seinen ersten Auftritt hatte und bald zum Aushängeschild der KG wurde. Seit 1958 tragen sie den Namen „Matrosen vum Müllemer Böötche“.

Bereits kurz nach ihrer Gründung hatten sie einen Senatspräsidenten und Ehrensenatoren, der Senat wurde komischerweise erst 1962 gegründet.
Fester Bestandteil des Kölner Karnevals
1956 wurden die Müllemer Junge ins Festkomitee Kölner Karnevalvertritt die Interessen von mehr als hundert Karnevalsgesellschaften und Vereinen. Seine Aufgabenliste reicht von der Organisation des Rosenmontagszuges, der Wahl und Vorbereitung des Dreigestirns, der Durchführung der Proklamation, der Jugend- und Nachwuchsförderung über die Darstellung des Kölner Karnevals in der Presse, die Vermarktung des Sessionslogos, die Übertragungsrechte für Hörfunk- und Fernsehsitzungen, die Vertretung gegenüber Stadt und Öffentlichkeit bis hin zur Dokumentation der eigenen Geschichte im Kölner Karnevalsmuseum. More aufgenommen und nahmen erstmals am Rosenmontagszugist der Höhepunkt der jecken Session, bei dem sich rund eine Million Jecke am Straßenrand drängeln, um gemeinsam das „schönste Ereignis“ im ganzen Jahr – wie die Kölner meinen – zu feiern. Alle Infos unter www.koelnerkarneval.de/karnevalszuege/.rosenmontagszug/ More teil. Von ihrer Patengesellschaft KG Alt-Köllen erhielten sie die erste Standarte.
Bereits kurz nach ihrer Gründung hatten sie einen Senatspräsidenten und Ehrensenatoren, der Senat wurde komischerweise erst 1962 gegründet.
Eine Ära mit prägenden Ideen
Beeindruckende 33 Jahre, von 1970 bis 2003, führte Dieter Steffens die KG als Präsident an. In dieser Zeit entwickelte sich die Gesellschaft zu einer der prägenden Karnevalsgesellschaften auf der Schäl Sick. 1988 gründete er mit Vorstandsfreunden die Juniörchen, die seit 1992 mit „Jnadenlos Jeck“ in der Mülheimer Stadthalle am Start sind.
Ein Höhepunkt dieser Zeit war die Session 2002, als die Müllemer Junge mit den Brüdern Markus und Michael Pohl und Norbert Hasbach das Kölner Dreigestirn stellten – ein Moment, der der Gesellschaft bis heute in besonderer Erinnerung geblieben ist.

Aktueller Präsident und eine weitere Ära
2007 wurde Siegfried Schaarschmidt zum Präsidenten gewählt. Bereits seit 2003 bekleidet er das Amt des 1. Vorsitzenden. Nach seiner Wahl zum Präsidenten wurden die beiden Ämter kurzerhand mit einer neuen Satzung vereint.
Auch er hat weitere Veränderungen angestoßen, die rückblickend die Basis der Gesellschaft gestärkt haben. So sind Tanzcorpsmitglieder seit dieser Zeit volle Mitglieder der Gesellschaft und Kinder können vom Tag ihrer Geburt an Mitglied in der Gesellschaft werden. Seit 2012 gibt es eine eigene Damenabteilung, die Kajüten Mädcher.

Benachteiligte werden nicht vergessen
Mit dem Müllemer Böötche nehmen seit 2015 Senioren und Menschen mit Behinderung am Rosenmontagszugist der Höhepunkt der jecken Session, bei dem sich rund eine Million Jecke am Straßenrand drängeln, um gemeinsam das „schönste Ereignis“ im ganzen Jahr – wie die Kölner meinen – zu feiern. Alle Infos unter www.koelnerkarneval.de/karnevalszuege/.rosenmontagszug/ More teil. Weitere Aktionen, unter anderem mit Kindern und Geflüchteten, zeigen, dass Karnevalkommt von „Carne vale! Fleisch, lebe wohl!“und bringt den Charakter des Festes als Freudenfest vor der langen Fastenzeit zum Ausdruck bringt. More hier mehr ist als nur Feiern.
Seit der Gründung haben sich die Müllemer Junge einem einfachen Grundsatz verpflichtet: guter Karneval zu fairen Preisen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die wachsende Mitgliederzahl – inzwischen über 400 – zeigt, dass dieser Weg funktioniert.
Das zeigte sich auch in der Geburtstagsfeier. Es wurde keine pompöse Jubiläumsfeier veranstaltet, sondern vielmehr eine Geburtstagsfeier im Stil der fünfziger Jahre hinsichtlich Programm und Essen veranstaltet.
Mir bleibt an der Stelle nur zu sagen. Lieber Müllemer Junge herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, macht weiter so und viel Erfolg für die mindestens nächsten 75 Jahre mit einem 3fach Müllem AlaafAlaaf ist das wichtigste Wort im Kölner Karneval, Schlachtruf aller kölschen Jecken und wird ständig und immer dreimal gerufen.!

Fotos @Müllemer Junge, @Vera Drewke













