Blindensitzung – Karneval met vill Jeföhl (Vera)

Als Fotografin im Karneval liebe ich die Termine, die ein wenig herausstechen, so wie die 71. Blindensitzung des Blinden- und Sehbehindertenvereins Köln im Ostermannsaal im Satory. Veranstaltet wird der Nachmittag von den Muuzemändelcher, die diese besondere Sitzung seit Jahrzehnten mit viel Herzblut ausrichten.

 

Auch der Ludwig-Sebus-Fanclub inkl. dem Jahrhundert Kölner himself, war wieder mit rund 30 Personen vor Ort und sorgte für spürbare Stimmung im Saal. Das Programm entsprach ganz bewusst einer klassischen Karnevalssitzung: Musik, Tanz und Rede – genauso bunt, laut und lebendig wie bei jeder anderen Sitzung auch.

Das jährliche Highlight folgte mit dem Einzug der Plaggeköpp, die gemeinsam mit dem Kölner Dreigestirn und dem Kinderdreigestirn als Sechsgestirn auf der Bühne standen. Anschließend ging es für alle hinunter in den Saal – und dort wurde Karneval im wahrsten Sinne des Wortes greifbar.


Die Gäste konnten die Ornate ertasten: Hände wanderten über Pritsche, Narrenkappe, Federn und Krone, auch die Gesichter wurden vorsichtig erfühlt. So entsteht für viele erst das ganz persönliche „Bild“ davon, wer da eigentlich vor ihnen steht. Dazu wurde gesprochen, gelacht, erklärt – und natürlich auch fotografiert.

Moderiert wurde der Abend erneut von Joachim Badura, dem Baas der Muuze, gemeinsam mit Christoph Kuckelkorn. Eine schöne Tradition: Jeder auftretende Künstler erhielt einen Festkomitee-Orden sowie eine Flasche Wein als Dankeschön für den Auftritt.

Für mich war diese Sitzung wieder ein besonderes Erlebnis. Sie zeigt jedes Jahr aufs Neue, dass Karneval nicht nur gesehen, sondern vor allem gefühlt, gehört und gemeinsam erlebt wird – und dass Inklusion im Kölner Karneval ganz selbstverständlich dazugehört.

Fotos ©Vera Drewke