Harlekin Danz (Sarah C.)

Harlekin Danz – Der kölsche Jung trifft auf 99 Luftballons oder anders gesagt: „Fastelovend meets Trash“. Ich liebe Musik aus den 90ern und ich liebe Karneval. Eigentlich sollte das mein perfektes Event sein, jedoch war statt „Kölscher Karneval mit ein bisschen 90s“ eher „Normaler Samstag Abend mit ein bisschen kölscher Musik“ angesagt. 

Endlich Weiberfastnacht! Die Tage werden fröhlich, bunt und jeck wie nie! Dennoch gehört es wohl auch dazu, Dinge auszuprobieren um es beim nächsten Mal anders zu machen. Bereits vor dem Eingang kamen uns einige kopfschüttelnde Jecken entgegen. Drin waren dann zwar alle ganz gut drauf, aber eben auch nur „ganz gut.“ Die Abstimmung zwischen den Genres passte nicht so wie erhofft, und das Gefühl von Fastelovend wollte dementsprechend auch nicht wirklich aufkommen. Zwischen fünf Hits aus den 90ern kam höchstens ein kölsches Lied und ja – ich bin echt jeck und wäre wahrscheinlich besser in der Kneipe aufgehoben, aber es ging nicht nur mir so. Wohlwollende Enttäuschung lag in der Luft. Die Meisten tanzten und sangen mit, für Kölner Verhältnisse jedoch sehr verhalten. 

Harlekin Danz Halle Tor 2

Über den Abend lernten wir immer wieder neue Grüppchen kennen und der Satz „Wir machen jetzt das Beste draus“ fiel mehr als einmal. Allerdings hielten das die wenigsten lange durch und so hatte die Tanzfläche wirklich nichts mit Karneval zu tun. Viel Platz. Also wenn eine Sache nicht zu Karneval passt, dann ist es Platz. Es muss eng und stickig sein, man muss das Panda Fell an der Wange kleben haben und für den Weg zur Toilette über den Tisch klettern müssen.  Bei 3,50 Euro für ein Gläschen Kölsch ist es allerdings auch kein Wunder, dass sich der Jeck irgendwann einen anderen Tisch zum Tanzen sucht. Apropos Tisch: Licht am Ende des Tunnels! „Polka, Polka, Polka“ lässt einige Jecken endlich typisch karnevalistisch übermütig werden! Ein paar Gleichgesinnte und ich steigen auf eine Randerhöhung, werden vom Personal jedoch sofort wieder heruntergebeten. Kölle Alaaf. 

Harlekin Danz Halle Tor 2

Die 30 Euro Eintritt konnten somit auch nicht gerechtfertigt werden, trotz Kempes Feinest, die wenigstens ein Weilchen kölsche Stimmung in die Halle brachten. Unter den Fastelovend auch ein paar Oldschool Klassiker zu mischen, könnte eine feine Sache sein – gerade für diejenigen, die nicht die wildesten Jecken sind. Dass die Organisatoren allerdings nicht viel mit Karneval zu tun haben, konnte man einfach nicht leugnen. Nicht „Kölscher Karneval mit ein bisschen 90s“ sondern „Normaler Samstag Abend mit ein bisschen kölscher Musik“ war Programm und so hatte es sich gegen 20 Uhr bei den Meisten „ausgedanzt.“ Zumindest in der Halle. Dennoch munter ging es dann auch für uns noch ins Veedel und dann irgendwann nach Hause. Vielleicht sogar ganz gut so, wir haben schließlich noch einige Tage vor uns und eins ist sicher: Da wird auf Tisch und Stuhl getanzt. 

Harlekin Danz Halle Tor 2 Harlekin Danz Halle Tor 2

Letztendlich bin ich so froh, in Köln meine Heimat gefunden zu haben. Im richtigen Leben ankommen ist ein Privileg, dass ich mit Stüßjer, Kamelle und Kölle Alaaf immer wieder zelebrieren darf. Wenn man sich in der Kneipe selig in den Armen liegt, scheinen Alltagsprobleme plötzlich unfassbar banal und unbedeutend. Denn was wirklich zählt, ist nicht in Worte und nicht in Zahlen zu fassen. Es ist das Gefühl, für das jeder Jeck an Rosenmontag doch wieder mit Kopfschmerzen aufsteht, ab ins Kostüm und rein ins Veedel.

Bildnachweis: ©Alle Bilder BKB Verlag