Fidele Fortuna Kostümsitzung aus der Sicht des Elferrats (Lissy)

(c) by Vera Drewke

Da bin ich wieder, voll und ganz im großen Fidele-Fortuna-Ornat. Denn es heißt zum vierten Mal: Ab in den Elferrat – in einem der schönsten Säle von Köln. In der Flora haben wir mit der Fidele Fortuna bereits zum vierten Mal unsere Kostümsitzung hinter uns gebracht.

Was soll ich sagen?! Ich bin immer noch voller Freude und Glück, dass die Sitzung wieder so granatenmäßig gut eingeschlagen ist. Dieses Gefühl teile ich nicht nur selbst, sondern mit jedem Jeck, mit dem ich gesprochen habe.

Die liebe Manu war dieses Jahr das erste Mal in unserem Elferrat dabei und fragte mich im Backstagebereich: „Bist du noch aufgeregt?“ Ehrlicherweise nein – aber bevor ich den Saal betrete und am Saaleingang stehe, steigen die Schmetterlinge im Bauch immer weiter an. Wenn sich der Spielmannszug der Altstädter aufstellt, jedem Elferratsmitglied die Strüßje überreicht werden und unser Geschäftsführer – Markus Kuhles – unseren Plaggen positioniert, ja, dann spielen die Schmetterlinge Purzelbaum :). Ich sage euch: eines der schönsten Gefühle vor dem Einmarsch in den Saal. Denn ich weiß, im Saal warten ganz viele Menschen, die extra nur für uns gekommen sind. Sie möchten einen tollen Abend genießen, unbeschwert vom Alltag. Einfach mal abschalten und sich den Abend schön machen. Insgesamt war der Saal mit über 914 Menschen wieder einmal restlos ausverkauft. Genau DAS bringt mir persönlich Freude!

(c) by Vera Drewke

 

Das Programm war gleichermaßen restlos vollgepackt. Ein bunter Strauß von allem, was der Sitzungskarneval zu bieten hat: Tradition, kölsche Tön, Büttenreden, Ehrungen, Tanz.

In Form von Altstädtern Köln 1922 e. V., dem Dreigestirn, Martin Schopps, Miljö, JP Weber, Räuber, Tanzcorps der Luftflotte, Eldorado, Brings, Tanzcorps Rheinmatrosen und Paveier. Also mehr geht wirklich nicht, sonst hätten wir bis zum nächsten Tag durchfeiern können ;).

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Vor uns zog der Spielmannszug der Altstädter ein.

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Angekommen am Elferratsgestühl eröffnete unser Präsidöres – Marcel Hergarten – unsere Kostümsitzung. Um es in den Worten von JP Weber wiederzugeben: eine der wenigen Sitzungen in Köln, die noch auf Kölsch moderiert werden. Da es für unsere KG selbstverständlich ist, ist mir persönlich beim Aussprechen dieser Worte erst einmal bewusst geworden, dass wir Brauchtum nicht nur auf unsere Fahne geschrieben haben, sondern es auch durch und durch leben.

Der Elferrat ist dazu da, die Stimmung der Künstler aufzunehmen und an das Publikum weiterzugeben. Ich würde behaupten, dass uns das mehr als gelungen ist :)!

Was gibt es denn noch bei uns im Elferrat zu beachten?

Der Elferrat darf niemals unvollständig sein. Das heißt: Wenn mal eine kurze Pause eingelegt werden muss, gibt es immer jemanden, der deinen Platz vorübergehend besetzt. Zudem wird der Präsidöres tatkräftig beim Überreichen der Künstlerpräsente unterstützt, damit er sich voll und ganz auf die Moderation der Sitzung konzentrieren kann. Zu seiner Rechten saß Margret Lutter, unsere Schatzmeisterin, die die Verteilung der Orden an die Künstler übernommen hat. Zu seiner linken Seite saß Cornel Wachter, unser stadtbekannter Künstler aus der Südstadt, der in diesem Jahr ganz besonders limitierte Präsente überreicht hat:

Den Schamong „Kölsche Jung – de Familich Kaffee“ mit der beliebten „Palermo Rosso Bohne“ im 250-g-Paket. Unsere Erinnerung an Wolfgang Anton und die Lieder von de Familich „Roxy“ und „Loss mer singe“ – ein Hochhalten unseres Brauchtums. Heribert Schamong fand die Idee sensationell & unterstützte somit unsere Sitzung. Die Künstler bleiben somit weiterhin wach ;).

Im Saal war auf jeden Fall keiner müde, daher brauchten nur wenige einen Kaffee ;). Wir im Elferrat brauchen erst recht keinen Kaffee, da wir so viel Adrenalin produzieren – das reicht für 20 weitere Lück! Ich kann es gar nicht richtig in Worte fassen, denn es ist ein unglaublicher Moment. Du siehst die Menschenmenge, die Freude, das Lachen. Jeder Jeck geht mit dem Programm mit, und je später die Stunde, umso ausgelassener wird gefeiert.

ABER … und wirklich ein großes ABER! Bei uns ist der Saal ruhig, wenn die Büttenredner auf der Bühne stehen. Es ist uns wichtig, dass in diesem Moment der Fokus auf dem Künstler liegt. Oder wie Miljö beim „Lommi“ singt:

„Doch et jitt en noch, dä ahle Mann,
dä jet zo verzälle hät
D’röm hald de Schnüss un hür ens zo
un zeig im jet Respek“

(c) by Vera Drewke

Ich glaube, deutlicher kann man es in der kölschen Sproch nicht ausdrücken. Das gilt nicht nur für Büttenredner, sondern für alle Menschen, die etwas zu sagen haben. Lasst sie reden und hört ihnen zu. Etwas Schöneres kann es aus meiner Sicht nicht geben :).

Ein Büttenredner war leider krank. Aus diesem Grund ist kurzfristig das Tanzcorps der Rheinmatrosen eingesprungen. Ich habe ja schon einige Tanzcorps gesehen, aber solch eine andere Art von Akrobatik habe ich als sehr erfrischend empfunden. Ich weiß nicht, wie der Fachbegriff dafür lautet, aber wie bei einer Schaukel wurden zwei Tänzerinnen geschaukelt – und das in Affenzahn-Geschwindigkeit… Wahnsinn!

(c) by Vera Drewke

Zu einer Sitzung gehört natürlich das Schönste, was die Stadt zu bieten hat: das Kölner Dreigestirn. Die drei haben alles gegeben und den Saal in seiner Schönheit glänzen lassen. Auch wir haben es uns nicht nehmen lassen und eine Spende in Höhe von 1.111 € überreicht. Denn Alaaf, mer dun et för Kölle. Im Übrigen bekommt jedes Dreigestirn von uns ein beflocktes Trikot der Fortuna, sodass über die jecken Tage hinaus ein Stück Fortuna in Erinnerung bleibt.

(c) by Vera Drewke

An diesem Abend hatten wir nicht nur ein Dreigestirn, sondern zwei … Warum das denn? Das hat einen ganz besonderen Grund! Denn unsere liebe Atrix Lüssem ist in dieser Session die Bäuerin vom Dreigestirn aus Dünstekoven – mit Jungfrau Diana und Prinzessin Andrea I. Wie jeder weiß, gibt es im Umland sehr viele Dreigestirne, und ich finde es großartig, dass dadurch das Brauchtum auch außerhalb der Stadtmauern weiter fortgetragen wird.

Apropos Brauchtum: Jetzt komme ich zu einem ganz besonderen Höhepunkt in unserem Programm. Unser geschätztes Mitglied Herbert Radke wurde dieses Jahr von der Kölnischen Rundschau mit dem Ehrenamtspreis „Jeck met Hätz 2026“ ausgezeichnet. Diese Auszeichnung ehrt seinen jahrzehntelangen Einsatz für die Gesellschaft und sein unermüdliches Engagement für das Kölsche Brauchtum. Unter anderem ist er seit über 20 Jahren Sitzungsleiter des „Et löstige Klösterchen“. Marcel rundete seine Ehrung mit den Worten ab: „Unsere Kostümsitzung zeigt jedes Jahr aufs Neue, was uns als Fidele Fortuna ausmacht: Herz, Hingabe & ein starkes Miteinander. Dass unser Herbert Radke für sein jahrzehntelanges Engagement ausgezeichnet wurde, erfüllt uns alle mit Stolz. Solche Menschen halten unser Brauchtum lebendig.“

(c) by Vera Drewke

Da sind wir wieder beim kleinen roten Ding – dat Hätz! Durch & durch sehe ich an jeder Ecke der Veranstaltung das Herz vor Freude pochen. Deswegen macht es mir jedes Jahr aufs Neue Spaß, ein Teil unserer Gesellschaft zu sein & im Elferrat dabei sein zu dürfen.

Ich sage euch aber eins: Unterschätzt niemals die Teilnahme im Elferrat, denn auch das ist tatsächlich harte Arbeit. Nach solch einer Sitzung fühlst du dich, als ob du den Halbmarathon in Köln mitgelaufen wärst. Zu guter Letzt ein Tipp: Wenn du die Möglichkeit hast, Teil eines Elferrats zu sein, vergiss nie das Lachen! Denn das ist mit das Wichtigste. Mit Lachen & Freude auf die nächste Kostümsitzung am 30.01.2027 schließe ich meinen heutigen Blogbeitrag. Wenn ihr wissen wollt, wie es ist, für Appsolut Jeck zu bloggen, lest gerne Niccis Beitrag!

Bis bald und in Liebe,

Eure Fidele Lissy

(c) by Vera Drewke

Fotos ©Vera Drewke und Lisa Lange