„Alaaf- mer dun et för Kölle“ – Das Richtfest des Rosenmontagszug Ulla)
Auch in diesem Jahr waren die Präsidentinnen und Präsidenten der dem Festkomitee Kölner Karnevalvertritt die Interessen von mehr als hundert Karnevalsgesellschaften und Vereinen. Seine Aufgabenliste reicht von der Organisation des Rosenmontagszuges, der Wahl und Vorbereitung des Dreigestirns, der Durchführung der Proklamation, der Jugend- und Nachwuchsförderung über die Darstellung des Kölner Karnevals in der Presse, die Vermarktung des Sessionslogos, die Übertragungsrechte für Hörfunk- und Fernsehsitzungen, die Vertretung gegenüber Stadt und Öffentlichkeit bis hin zur Dokumentation der eigenen Geschichte im Kölner Karnevalsmuseum. More (FK) angeschlossenen Gesellschaften zum traditionellen Richtfest der Persiflagewagen des Rosenmontagszugs eingeladen.
Beim vorausgehenden Empfang wurde Hellmut Schramm, Ehrenpräsident der KG Schlenderhaner Lumpe e. V., für seine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit als Leiter der Rosenmontagszugleitstelle mit dem Zuglorbeer in Silber ausgezeichnet.



Beendet wurde der Empfang- mit dem Auftritt des großen und des kleinen Dreigestirns, wonach sich alle Anwesenden zur Wagenhalle begaben. Nun folgte der mit großer Spannung erwartete Augenblick, die fertiggestellten Wagen erstmals in natura in Augenschein nehmen zu können.

Unter den Klängen der Ratsbläser öffnete sich das Rolltor und gab den Blick auf den Zugleiterwagen frei. Dort warteten bereits Stadtdechant Msgr. Robert Kleine und Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger, um den Segen über den Rosenmontagszugist der Höhepunkt der jecken Session, bei dem sich rund eine Million Jecke am Straßenrand drängeln, um gemeinsam das „schönste Ereignis“ im ganzen Jahr – wie die Kölner meinen – zu feiern. Alle Infos unter www.koelnerkarneval.de/karnevalszuege/.rosenmontagszug/ More und alle Teilnehmer auszusprechen. Bernhard Seiger lobte die Gestaltung der Wagen, die teilweise sehr provozierend und scharf seien. Gerade in diesen Zeiten, in denen Meinungsfreiheit, Satire, Witz und Ironie stärker als je zuvor bedroht seien, gäben sie die richtige Antwort auf diese Tendenzen.

Unter der musikalischen Begleitung von „Chantarella“, „Stadtjeföhl“ und „Rotznas“ (Jens Büttemeyer) konnte man sich die Wagen anschauen. Zusammen mit den Rednern „Ne Kleinkarierte“ (Elmar Malburg) und „Ne Jeck im Rain“ (Björn Wassong) werden die Musiker auf dem Wagen des Literarischen Komitees des FK im Zoch mitfahren.

Auch in diesem Jahr war es wieder spannend, die Umsetzung der Entwürfe in die überlebensgroße Form der Wagen zu sehen. Einige der Entwürfe wurden bereits im Blog vorgestellt, weshalb ich auf die entsprechenden Wagen hier nicht mehr eingehe.



In dieser Session liegt der Fokus auf dem Ehrenamt. So wird gemäß dem Motto „AlaafAlaaf ist das wichtigste Wort im Kölner Karneval, Schlachtruf aller kölschen Jecken und wird ständig und immer dreimal gerufen. – Mer dun et för Kölle“ jedes Thema der Persiflagewagen mit dem Halbsatz „Mer dun et …“ eingeleitet.
Entsprechend dem Motto zeigt der Wagen „Mer dun et weil mer kein (H)Einzelmännchen sin“ dessen Bedeutung für den Zusammenhalt in der Stadt. Schon vor langer Zeit haben die Heinzelmännchen uns Kölner verlassen und wir müssen alles selbst bewerkstelligen. Die im Ehrenamt Tätigen wissen, dass man allein nur wenig bewirken kann und dass Solidarität die Grundlage unserer Gesellschaft bildet. Hier wird dargestellt, wie die kleinen Heinzelmännchen gemeinsam das Herz von Köln hochhalten.

Der Wagen „MER DUN ET NIT MIE LANG“ setzt sich kritisch mit dem Zusammenhalt in der Gesellschaft auseinander. Immer häufiger werden Einsatzkräfte der Feuerwehr, der Sanitäts- und Rettungsdienste, der Polizei und anderer Organisationen bei ihren Einsätzen behindert oder sogar attackiert. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie „das Handtuch werfen“. Besonders in diesen Bereichen sind ehrenamtlich Tätige unverzichtbar. Gerade sie werden sich fragen, wofür sie sich noch einsetzen sollen, wenn sie selbst angegriffen werden. Eindringlich zeigt der Wagen, wie diese Helfer durch Aggressionen selbst zum Notfall werden.

Besonders drastisch ist die Persiflage „Mer dun et, och wenn et wieh deit“. Darin treten Friedrich Merz als „Kanzler der Schmerzen“ und sein Vize Lars Klingbeil im „Groko Happy Aua Club“ auf, wo sie sich gegenseitig genüsslich malträtieren.

Die Koalition wird ein weiteres Mal in dem Wagen „MER DUNET MIT ÜHREM GELD“ persifliert. Vor dem offenen Tresorraum „SONDERVERMÖGEN ETC.“, aus dem Hundert-Euro-Scheine nur so herausströmen, steht Finanzminister Lars Klingbeil und hält bittend einen Hut auf.


Eine wunderbare Hommage zu ihrem 95. Geburtstag ist Biggi Fahnenschreiber-Depenheuer, der Grand Dame des Kölner Karnevaltanzes, mit dem Wagen „Mer dun et, mer dun et nit“ gewidmet. Hier wird die „unendliche Geschichte“ der Opernsanierung von 2012 bis heute thematisiert. Vor der Kulisse des Riphahn-Baus vollführt die „Mutter der Mariechen“ einen perfekten Spitzentanz. Neben der Frage, ob die Wiedereröffnung tatsächlich zur Spielzeit 2026/27 stattfinden wird, steht auch die, ob sich die Kölner Politik dazu durchringen kann, dem Tanz in Köln wieder ein dauerhaftes Zuhause zu geben.

Der Wagen „mer dun et krüz un queer“ spricht sich deutlich für die Vielfalt der Gesellschaft aus. Wie schon der kölsche Spruch „jede Jeck es anders“ besagt, soll jeder nach seiner Fasson glücklich werden. Fröhlich grüßt der Dom die Jecken in Regenbogenfarben, mit Pappnas im Gesicht und Federboa um den Hals.

Ein Thema, das für unsere Gesellschaft immer wichtiger wird, ist der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Der Wagen „MER DUN ET US FREIE STÖCK“ zeigt einen Nutzer, der am Computer arbeitet. Aus dem Bildschirm greift gespenstisch eine Hand hervor, die den Wehrlosen wie einen Hund an der Leine führt. Dabei stellt sich die Frage, wer letztlich die Kontrolle behält – der Mensch oder die Maschine?

Mit dem veränderten Umgang der Deutschen mit der Rüstungsindustrie beschäftigt sich die Persiflage „MER DUN ET FÖR ET BRUTTOSOZIALPRODUKT“. Des „Deutschen liebstes Kind“, das Auto, verwandelt sich hier in den „Volkspanzer“, der liebevoll umarmt wird. Obwohl kriegerische Auseinandersetzungen allgemein als verwerflich bezeichnet werden, ist es bemerkenswert, wie stark der Wert der Aktien deutscher Rüstungskonzerne in den vergangenen Jahren gestiegen ist.

Auch das Thema Krieg spielt in dem Wagen „MER DUN WAT MER KÜNNE“ eine Rolle. Hier wird die Frage gestellt, ob das „DROHNEN-ABWEHRZENTRUM DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND“ richtig ausgerüstet ist, wenn es mit einem Schmetterlingsnetz auf „Drohnenfang“ geht.

Der Wagen „MER DUN ET – DAS CRAZY“ nimmt sich das neue Wehrpflichtgesetz zum Thema. Ein Junge, die Linke in der Hosentasche, schaut versunken auf das Handy in seiner rechten Hand. Sein Kopf verschwindet unter einem riesigen Bundeswehrhelm. Aus der Haustür ist der Abschied winkende Arm der Mutter zu sehen.

Am Weißen Haus in Washington hängt das Schild „MER DUN ET ÜVVERLEVVE“. Hier wird die Zollpolitik der Vereinigten Staaten thematisiert. Vor dem Präsidentensitz ist eine Guillotine aufgebaut. Mit ihrem Fallbeil, in den Farben der „Stars and Stripes“, schlägt sie gnadenlos zu – Autos, Computer, Stahl und sogar Medikamente sind nicht sicher. Selbst „Anti-Trump-Pillen“ zeigen keine Wirkung.

Eine der ersten Ideen für den Zug war das Thema Grönland, welches der gegenwärtige Präsident der Vereinigten Staaten gerne annektieren würde. Es trat für eine gewisse Zeit in den Hintergrund, ist jedoch kürzlich wieder in den Fokus gerückt. Deshalb wurden die Pläne für den Wagen „MER DUN ET FÖR UNS GRÖNLAND“ realisiert. Vor „GRØNLAND“ schwimmt in der kalten See ein Wal, der eine zerrissene amerikanische Flagge im Maul hält. Auf ihm sitzt ein Eisbär, der das Schild „Do säät dr Inuit ming Insel kres do nit!“ hochhält. Das Walross hinter ihm ist „DÄNISCH DYNAMITE“.

Die Rolle der Europäischen Union in der Weltpolitik wird in
„MER DUN ET OHNE EU CH“ kritisch hinterfragt. Seeadler, Bär und Panda symbolisieren die drei Weltmächte USA, Russland und China und sind als Schwerathleten dargestellt. Mit ihren schweren Gewichten ängstigen sie den (Angst)Hasen EU, der sich beinahe an einem „Leichtgewicht“ verhebt. Die jüngsten Entwicklungen zeigen den Europäern deutlich, dass sie auf der politischen Weltbühne an den Rand gedrängt werden. Eine Situation, für die sie mitverantwortlich sind.

Auch in diesem Jahr haben Zugleiter Marc Michelske, die Kritzelköpp und die Wagenbauer wieder eine großartige Mischung verschiedener gesellschaftlicher und politischer Themen zusammengestellt. Sie präsentieren diese ironisch, satirisch und teilweise recht drastisch, jedoch stets mit einem guten Schuss Humor.

Nun können wir uns auf einen wunderschönen Rosenmontagszugist der Höhepunkt der jecken Session, bei dem sich rund eine Million Jecke am Straßenrand drängeln, um gemeinsam das „schönste Ereignis“ im ganzen Jahr – wie die Kölner meinen – zu feiern. Alle Infos unter www.koelnerkarneval.de/karnevalszuege/.rosenmontagszug/ More freuen, der hoffentlich bei gutem Wetter sicher durch Kölns Straßen zieht.


Fotos ©Vera Drewke, BKB













