Schülersingen in der Kölner Philharmonie: 2000 Kinder feiern die kölsche Sprache
Am Donnerstag, den 9. Juli, verwandelte sich die Kölner Philharmonie zum 18. Mal in das wohl größte Klassenzimmer Kölns. Der Arbeitskreis „Brauchtum und Kultur“ des Schulamts für die Stadt Köln lud rund 2000 Kinder sowie bekannte Musikerinnen und Musiker zum gemeinsamen Singen ein. Unter dem diesjährigen Motto „Unsere Stammbaum – Su sin mer all he hinjekumme“ wurde die Vielfalt Kölns nicht nur besungen, sondern mit jedem Lied erlebbar gemacht. Eine Freude für Ohren und Herz.
Vorfreude liegt in der Luft
Bereits in der Warteschlange war die Mischung aus Aufregung und Vorfreude der Kinder deutlich zu spüren. Viele trugen die T-Shirts ihrer Schulen, andere zeigten mit Shirts ihrer kölschen Lieblingsbands wie Kasalla ihre Begeisterung für die kölsche MusikEines wird im Karneval immer und überall: gesungen. Sobald die Melodie erklingt, singen die meisten Jecken lauthals mit, (zumindest den Refrain), tanzen und schunkeln dazu. Singen macht einfach gute Laune und gemeinsames Singen verbindet! Jedes Jahr gibt es im Karneval viele neue (fast immer) kölsche Lieder, die aber nicht einfach die alten ablösen. Manche werden zu Hits und werden zusammen mit den alten Hits immer wieder gesungen. So werden die Lieder von Generation zu Generation weitergegeben und dadurch gibt es in Köln ein riesiges Liedgut! Das gibt es wohl nirgendwo sonst auf der Welt! Wobei nicht jedes kölsche Lied unbed... More. Zwei Mädchen erzählten mir, dass sie sich besonders auf das Lied „Spill doch met uns met“ freuen würden. Ein Lied, das mir als Kölnerin nicht bekannt war. Ich war gespannt.

Im Saal herrschte ein lebendiges Stimmengewirr. Die Philharmonie summte wie ein Bienenstock, bis nach und nach Ruhe einkehrte und die Chöre sowie die Band ihre Plätze einnahmen.

Nach einer kurzen Begrüßung, in der den Lehrkräften, den Musikerinnen und Musikern sowie allen Beteiligten für ihr Engagement gedankt wurde, erklärte Schulamtsdirektorin Petra Vianden das diesjährige Motto. Es erinnert in seiner Botschaft an das neue Sessionsmotto „Morje es, wat do drus mähs!“, denn der Arbeitskreis hat es sich zur Aufgabe gemacht, die kölsche Sprache und das Brauchtum zu bewahren und an die nächste Generation weiterzugeben. Und auch dass Köln vielfältig ist und Menschen mit den unterschiedlichsten Wurzeln hier leben. Unsere Stadt ist bunt und das ist gut so.

Singen mit viel Herz
Beim gemeinsamen Singen lag der Fokus nicht auf Perfektion, sondern vielmehr auf Spaß und Gemeinschaft. Das Publikum war bestens vorbereitet, und wer doch einmal den Text vergaß, konnte ihn im Liederheft nachlesen.

Die Kinder auf der Bühne sangen mit großer Begeisterung und beeindruckendem Mut. Teilweise standen sie nur zu zweit vor fast 2.000 Menschen und meisterten ihren Auftritt mit Bravour.
Die Liedtexte wurden nicht nur gesungen, sondern auch mit passenden Bewegungen und kleinen Choreografien dargestellt, die Schwung in die Philharmonie brachten.

Musikalisch begleitet wurden die Kinder unter anderem von Kafi Biermann, Bömmel Lückerath, Johanna Otten, Volker Becker, Pit Hupperten, Mirko Bäumer, Hanz Thodam, Christoph Granderath und Alexander Vesper.


Kölsche Klassiker neu interpretiert
Die Liedauswahl überzeugte durch ihre gelungene Mischung aus traditionellen kölschen Klassikern und modernen Mitsingliedern. Zu hören waren unter anderem „Unsere Stammbaum“, „Kumm eren“, „Mir sin zojefloge“, „Heimat“, „Der 12. Mann“, „Stadt met K“, „Mer losse d’r Dom en Kölle“, „JeckJeck bedeutet, die Menschen spielen verrückt. Deshalb werden verkleidete Menschen auch Jecken genannt. More Yeah“, „Et jitt kei Wood“ und „En unserem Veedel“. Passend zur Fußball-Weltmeisterschaft sorgte „Der 12. Mann“ für echte Stadionatmosphäre und begeisterte das Publikum. „Spill doch met uns met“, das mir bis dahin unbekannte Lied, entpuppte sich als eigens für das Schülersingen umgedichtete Version des Bläck-Fööss-Klassikers „Drink doch ene met“. Ein kölscher Klassiker, der für diesen Tag kindgerecht neu interpretiert wurde.

Wenn Musik verbindet
Wenn die Stimmen der vielen Menschen die beeindruckende Akustik der Kölner Philharmonie erfüllten, entstanden Gänsehautmomente. Der Applaus war kaum zu stoppen. In den Gesichtern der Kinder war pure Freude zu erkennen und viele hielt es schon nach kurzer Zeit nicht mehr auf ihren Stühlen. Sie klatschten, tanzten und sangen voller Begeisterung mit. Die Musik wurde zum verbindenden Element zwischen Generationen und Kulturen. Jede und jeder ist wichtig. Jede und jeder ist willkommen.

Zu den Ehrengästen gehörten Bürgermeisterin Teresa De Bellis-Olinger, der Landtagsabgeordnete Florian Braun sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Brauchtum.
Besonders beeindruckend war die Vielfalt der Teilnehmenden. Es sangen nicht nur Grundschulkinder, sondern Schülerinnen und Schüler verschiedener Altersgruppen und Schulformen gemeinsam. Niemand stand im Mittelpunkt – entscheidend war das Miteinander. Genau darin spiegelte sich das Motto der Veranstaltung wider. Die kölsche Sprache wurde an diesem Vormittag lebendig und zeigte, dass Brauchtum weit mehr ist als Karnevalkommt von „Carne vale! Fleisch, lebe wohl!“und bringt den Charakter des Festes als Freudenfest vor der langen Fastenzeit zum Ausdruck bringt. More. (Karnevalkommt von „Carne vale! Fleisch, lebe wohl!“und bringt den Charakter des Festes als Freudenfest vor der langen Fastenzeit zum Ausdruck bringt. More kindgerecht erklärt, findest du hier.) Es ist gelebte Kultur, die verbindet und an die nächste Generation weitergegeben wird.

Ein Vormittag für die Zukunft
Gerade in einer Stadt wie Köln, die seit jeher von unterschiedlichen Menschen und Kulturen geprägt wird, setzte das Schülersingen ein starkes Zeichen für Offenheit, Integration und InklusionInklusion wird im Kölner Karneval ganz groß geschrieben. Weil Karneval ein Fest für alle ist, ist es für das Festkomitee Kölner Karneval ganz wichtig, Menschen mit Behinderungen in den Karneval einzubinden und dadurch Barrieren in den Köpfen aller abzubauen. Die gemeinsamen Projekte mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) reichen von Übersetzungen von Bühnenprogrammen und Moderationen in Gebärdensprache über Live-Audiodeskriptionen, Blindenreportagen und barrierefreien Tribünen über Gäste mit Behinderung im Rosenmontagszug bis hin zur Produktion von Kinderorden oder zur Konfektionierung von Wurfmaterial in Behinderte... More. Jede Stimme war willkommen, jede Stimme war wichtig. Die elfDie Zahl 11 hat für Köln und den Karneval eine besondere Bedeutung. Als Gründe dafür werden mehrere vermutet: Im Mittelalter galt sie als Symbol für Narretei und Sünde, weil sie zwischen den „geordneten“ biblischen Zahlen Zehn (10 Gebote) und Zwölf (12 Apostel) steht. Daher wurde die Elf als „Narrenzahl“ gedeutet. Im 19. Jahrhundert erhielt sie zusätzlich eine neue Bedeutung: „Eins neben Eins“ steht für die Gleichheit aller Jecken und erinnert zugleich an die Ideale der Französischen Revolution: „Egalité, Liberté, Fraternité“ (ELF). Ein weiterer Ursprung führt zum Martinstag (ebenfalls am 11. November... More Lieder machten deutlich, dass Vielfalt eine Bereicherung ist. Leider war das Mitsingkonzert viel zu schnell vorbei.

Doch die Musik endete noch lange nicht. Auf dem Heimweg wurde in der Straßenbahn weitergesungen.
Es war eine Ehre, dabei sein zu dürfen. Das Schülersingen zeigte eindrucksvoll, wie viel Freude Kinder an der kölschen Sprache, an Gemeinschaft und an gelebter Vielfalt haben können. Es macht Mut für die Zukunft – ganz im Sinne des neuen Sessionsmottos „Morje es, wat do drus mähs!“.
Bildnachweis: Fotos ©Sarah Gawlik/ BKB Verlag












