Veedelskarneval – Herz des Kulturguts (Brigitte)

Mit dem Festkomitee Kölner Karneval verbinden Jecke in erster Linie das Dreigestirn und den Rosenmontagszug. Jetzt hat das Festkomitee einen Wandkalender herausgegeben, dessen Ertrag den Veedelskarneval unterstützen soll. Welche Bedeutung die Veedelszüge für den Kölner Karneval haben, hat uns der Präsident des Festkomitees erzählt. Christoph Kuckelkorn weiß wovon er spricht, hat er doch selber auf beiden Rheinseiten in verschiedenen Stadtteilen gewohnt und dabei den Veedelskarneval kennen- und lieben gelernt…

Da waren immer die gleichen Leute, die Eltern aus dem Kindergarten, aus der Schule, man hat sich getroffen und hat sich gemeinsam verkleidet, erzählt er. Das Wunderschöne sei, dass man nicht in der Anonymität ist. Wenn man am Rosenmontagszug stehe, gehen Tausende von Karnevalisten vorbei, manche kennt man, aber die sehen einen nicht. Im Vorort ist das anders, man kennt fast alle und das ist alles sehr familiär. Gerade in einer Zeit, wo immer mehr digitales Leben und immer mehr Anonymität Einzug halten, ist das ein ganz wichtiger Faktor.

Weil in den letzten Jahren die Anforderungen gerade im Straßenkarneval stark gestiegen sind, sieht das Festkomitee den Veedelskarneval massiv bedroht. Das haben die Gespräche mit den Veranstaltern der Veedelszüge klar gezeigt. Es gibt drei Bereiche, die im Veedel große Probleme bereiten:

  • Musik: Die Veedelszüge haben enorme Probleme, Musikkapellen zu bekommenen.
  • Organisation: Genehmigungsverfahren, Sicherheitskonzepte, Sanitätsdienste, Beschaffung von Toiletten, Absperrungen, Zusammenarbeit mit Polizei und Ordnungsamt werden immer komplexer.
  • Refinanzierung: Mit zunehmenden Aufwand fallen auch größere Kosten an, was viele Organisatoren überfordert.

Christoph Kuckelkorn, Festkomitee Kölner Karneval, Präsident

 

Veedelskarneval ist Kulturgut

Für Christoph Kuckelkorn ist eines ganz klar: Der Veedelskarneval mit seinen völlig unterschiedlichen Ausprägungen in den verschiedenen Stadtvierteln ist ein wichtiges Fundament für den Karneval, ist Kulturgut und gehört zum immateriellen Kulturerbe „Rheinischer Karneval“.  Deshalb muss alles dafür getan werden, ihn zu erhalten. Kuckelkorn sieht das Festkomitee als Gesamtinteressenvertretung des Kölner Karnevals in der Mitverantwortung. Zudem ist es für alle Jecken wichtig, dass Fastelovend dezentral gefeiert wird, denn eine weitere Zentralisierung in der Innenstadt würde noch mehr Probleme mit sich bringen, weil da alle Räume schon voll sind. 

 

Workshops für Zugleiter

Und so unterstützt das Festkomitee die Veranstalter, gibt ihnen Ideen und Werkzeuge an die Hand und versucht Strukturen zu schaffen, die nachhaltig sind. Dazu wurden nach einem ersten Erfahrungsaustausch bereits zwei Workshops veranstaltet. Konkret bedeutet das, dass  man zum Thema Musik den Kontakt zwischen Musikkapellen und Veranstaltern herstellt, damit z.B. die Kapellen, die im Rosenmontagszug mitziehen, auch fürs Veedel gebucht werden können und sich deren Anreise nach Köln lohnt. Im Bereich der Organisation wird versucht, Verfahren zu harmonisieren, Kontakte herzustellen und Genehmigungsverfahren im Vorfeld zu überprüfen. Zur Refinanzierung werden ganz individuell  im Gespräch mit den einzelnen Veranstaltern Konzepte erstellt, Fördermöglichkeiten aufgezeigt und bei der Erstellung von Förderanträgen beraten. 

 

Das geschieht alles individuell, denn die Veranstalter sind keine homogene Gruppe, sondern ein sehr buntes Völkchen. Manche Veedelszüge sind im Ausmaß vergleichbar mit den Schull- un Veedelszöch, andere haben nur wenige Gruppen oder sind gar Platzveranstaltungen, die Organisatoren sind Vereine oder auch Einzelpersonen. Von dieser Unterstützung profitieren letztendlich auch die einzelnen Gruppen, denn wenn die Gesamtkosten gesenkt werden, sinken auch die Teilnehmerkosten!

 

Die Resonanz auf die Workshops war groß. Aber man sei ja erst am Anfang, erzählt Christoph Kuckelkorn weiter. Nach der Session wird man ein erstes Resümee ziehen und den Organisatoren später auch die Fördermitgliedschaft im Festkomitee eröffnen. Dies sei mit der neuen Satzung möglich geworden, nach der man nicht mehr unbedingt ein e.V., gemeinnütziger Verein, sein müsse. Aber im Moment steht für das Festkomitee die Stärkung des Veedelskarnevals im Vordergrund. Alle Kräfte sollen mobilisiert werden, um ihn zu stärken.

 

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Jeder kann unterstützen!

Damit der Veedelskarneval genauso bunt bleiben kann wie bisher und die über 55 verschiedenen Karnevalszüge erhalten bleiben, gibt es  in diesem Jahr zum ersten Mal den Wandkalender „Karneval in Köln 2019“, von dessen Verkaufspreis 5 €  für den Veedelskarneval gespendet werden. Zu kaufen gibt es diesem im Buchhandel, bei Deiters, Kölntourismus oder online.

 

Bildnachweis: Titelfoto Kalender: Costa Belibasakis, ansonsten alle Fotos BKB Verlag GmbH;