Schön, schöner – Mädchensitzung der MBZ (Tina)

Schöne Kostüme sehen wir oft auf unseren verschiedenen Umzügen, aber die wohl schönsten Kostüme, die nicht von warmer Kleidung verdeckt werden, findet man auf einer MädchensitzungSchon zum dritten Mal konnte ich Dank der Elferrätin Petra bei der im Nu ausverkauften Mädchensitzung des MBZs (Mer Blieve Zesamme) im Pullmann dabei sein. Natürlich war auch die Schließung des Veranstaltungsorts zum Ende des Jahres kurz Thema. Denn nächstes Jahr ist die Session nicht nur ausgesprochen kurz, es muss nach all den Jahren auch eine neue Location gefunden werden, da das Datum für 2027 bereits feststeht, ausnahmsweise ein Mittwoch.

Dieses Jahr habe ich nicht nur eine wunderbare Sitzung erleben können, sondern konnte auch ein paar Einblicke erhalten, wie es hinter den Kulissen einer Sitzung läuft, wie viel Arbeit die Organisation und Vorbereitung machen und welches das Geheimnis ist, dass seit all den Jahren noch nie ein Mitglied des Elferates krankheitsbedingt ausgefallen ist.

Denn auch hier, wie in vielen anderen Vereinen oder Karnevalsgesellschaften, ist es so: „Ohne die Hilfe von anderen geht gar nichts.“ So Petra, die schon seit über 15 Jahren im Elferrat als eine der elf Frauen fungiert. Sie selbst ist über ihren Mann Hans-Peter – ehemaliger Vorstand des MBZs, der seinen Platz nun für die jüngere Karnevalsgeneration geräumt hat – zum Verein gekommen.

Als echter Karnevalsjeck, freut sich Petra am meisten auf das Bild, wenn sie von der Bühne in den Saal blickt und die 900 wunderschön kostümierten freudig-feiernden Mädchen sieht.

 

Thema Kostüme

Die verschiedensten Kostüme habe ich gesehen: Dies ging von den klassischen bunten Vögeln und vielen Badeentchen bis über in eine ganze Kirschblüten-Straße, und zu meine Freude habe ich auch gleichgesinnte Lockenwickler-Ladies getroffen. 

Kostüme sind auch ein großes Thema im Elferrat. Anders als bei der Prunksitzung, wo die Herren des Rates eher „janz stief ossehen“, sind die Kostüme hier immer charmant bunt, lebendig, ausgefallen, alle auf ihre Art einzigartig, aber dennoch klar als Gruppenkostüm erkennbar. Es gibt immer ein verbindendes Element, letztes Jahr waren es die bunten Perücken, dieses Jahr neben den voll mit Orden verzierten weißen Fracks, waren es die bunten Tüllröcke und viele Glitzersteinchen, dabei stand jede Elferrätin für eine Farbe.

Alle elf Kostüme werden von Andrea, ebenfalls Mitglied und seit vier Jahren im Elferrat, ehrenamtlich entworfen und zurechtgeschneidert. Sie selbst ist keine gelernte Schneiderin, aber der Spaß am Karneval und die Tatsache, dass sie keine Kostümen von der Stange mag, hat sie zu dieser Tätigkeit gebracht. Bezahlt werden die Kostüme übrigens aus der eigenen Tasche jeder Rätin.

Und das Geheimnis? Alle verbindet die Liebe zum Karneval und die Vorfreude auf diese einmalig schöne Sitzung und nicht zuletzt die Gemeinschaft des Rates.

Das Programm der Mädchensitzung

Ein wahrer Vorteil dieser Sitzung ist, dass sie schon Sonntag mittags startet. Dies begünstigt zum einem das Booking von wirklich erstklassigen Bands und Künstler, ebenso ist es eine angenehme Zeit für das Publikum, erst Recht wenn am nächsten (Mon)Tag wieder die Arbeit ruft oder die Kids zur Schule oder Kita gebracht werden müssen. Und mal ehrlich: Wir freuen uns doch mittlerweile alle, wenn wir früher und weit vor Mitternacht ins Bett kommen. Sofern man es nicht bei der Aftershow-Party im Foyer übertreibt.

Aber was passiert denn nun auf der Bühne und was kann man erwarten, wenn man noch nie auf einer Mädchensitzung war?

Allem voran, muss ich sagen, das Mädels untereinander – unabhängig vom Alter – gemeinsam schöner feiern. Diese einzigartige Energie rührte sogar einen Frontmann beinahe zu Tränen.

Aber beginnen wir mit dem ersten Act: De Pänz us dem ahle Kölle, eine Tanzgruppe mit einer Mischung aus Klein und Groß zur Einstimmung in den Nachmittag.

Da diese ersten Darbietungen schon relativ schweißtreibend waren, konnten wir eine kurze Verschnaufpause bei Guido Cantz einlegen, allerdings nicht was die Lachmuskeln betrifft, denn diese wurden ordentlich trainiert.

Dann ging es weiter mit dem Sportprogramm (ich erwähne dies so, weil ich an diesem Tag fast 20.000 Schritte auf der Uhr hatte und das, obwohl ich mit dem Rad zum Pullmann gefahren bin). Miljö brachten dem Publikum die Tanzmoves und Textsicherheit  zu „Superheld“ bei.

Für aufregende Momente, vor allem bei meiner Freundin Linda, sorgte das Tanzcorps Colonia Rut-Wiess mit seinen wahnsinnigen akrobatischen Einlagen. Besonders herausfordernd war dabei die extrem niedrige Decke des Pullmanns, gut dass dieses Problem voraussichtlich nächstes Jahr nicht mehr bestehen wird. Und ein Glück, dass die Tanzmariechen alle nicht viel größer sind als ich. Wer weiß, evtl. wird es noch eine Abrissparty des Saals geben, wir wären definitiv dabei.

Der nächste Höhepunkt, das frisch proklamierte Dreigestirn, welches ich erstmalig diese Session live im Einsatz gesehen habe. Mir war nicht bewusst,  dass unser Bauer Clemens so gut Trompete spielen kann.

Im Anschluss ging es wieder an die Lachmuskeln. Mir tut jetzt noch der Bauch weh, wenn ich an Marc Metzgers Auftritt denke, der wie gewohnt das Publikum auf die Schüppe nahm, auch macht er es „ja nicht fürs Geld, sondern für das Brauchtum!“

Zum Glück durften wir uns dann wieder komplett bewegen, denn an Pause war nicht zu denken, endlich konnte ich „Gisela“ von den Höhnern live hören und dazu mittanzen und ja auch etwas singen.

Unterhaltsam ging es mit dem Lehrer Martin Schopps weiter. Wie jedes Mal berichtete eher außerordentlich kreativ aus seinem Schulalltag. Aber nicht nur das, sein Aufttritt glich einer Mischung aus Mitsing-Konzert und „Wer wird Millionär“ auf Promiflash-Niveau und dennoch dennoch lag ich bei seinem Quiz nicht immer richtig.

Dann ging es wieder rund beim Auftritt der Paveier, denn „Schön ist das Leben …“ und darauf folgte ein echter Gänsehaut Moment im „Konfettirän“, als der gesamte Saal einstimmig, „schwerelos und frei“ mitsang ohne Begleitung der Band. Um es mit den Worten von Frontmann Sven Welter zu sagen „Es war geil!“

Zum Schluss motivierte Basti Campmann von Kasalla uns noch einmal, wirklich die allerletzten Energiereseerven aufzubrauchen, die wir für sie als letzte Band mobilisieren konnten, denn wozu Energie aufsparen?! Wozu gibt’s Powerbanks?! Also „Alle Jläser huh“!

Dies lies sich der Elferrat nicht zweimal sagen und sprang über sein Podest auf die Bühne und feierte mit uns bis zum Schluss.

Fazit:

Jedes Kölsche Mädel sollte einmal eine Mädchensitzung besucht haben, noch besser: Einmal pro Session sollte dies zum festen Bestandteil jedes Karnevalsprogramms werden.

Und dies nicht nur aufgrund der komfortablen Toilettensituation, wenn 900 Mädels ebenfalls die Spa-Bereiche der Herren nutzen können. 

Infos zur Gesellschaf „Mer Blieve Zesamme“:

MBZ steht für Mer Blieve Zesamme von 1937

Wie kam es dazu?

In politisch schwierigen Zeiten hatten positiv denkende und karnevalistisch beseelte Männer eine Vision und gründeten im Jahre 1937 voller Zuversicht unter dem Motto „Mer Blieve Zesamme“ eine Kölner Karnevalsgesellschaft. Dieser integrierende Vereinsname sollte über Jahrzehnte von Erfolg gekrönt sein.  Steigende Mitgliederzahlen führten die MBZ durch gute Vorstände gelenkt zu größer werdender Beliebtheit und zu immer größeren Veranstaltungen. Der immer noch von aller Munde gesungene Karnevalsgassenhauer „Dreimol null es null, bliev null“ wurde auf einer Karnevalssitzung der MBZ von dem legendären Trio „Drei Laachduuve“ uraufgeführt.

Fun Fact 

Einzigartig für die KKG Mer Blieve Zesamme ist wohl, dass sie im gesamten Stadtbereich beheimatet ist, aber keine eigene Bleibe hat. Viele Veranstaltungen führen durch das ganze Jahr. Ob interessante Führungen, der monatliche Stammtisch, Pänz op Jöck, die Sessionseröffnung, die Weihnachtsveranstaltung, en Mess op Kölsch oder eine Schiffstour, immer kommt die Familiengesellschaft in ganz Köln gemütlich zusammen und sammelt dabei immer für einen guten Zweck.