Engagement in Corona-Zeiten im Karneval, wie geht das? (Lisa)

Lasst uns über Engagement im Karneval in diesen Zeiten sprechen. Jeder, der sich im Karnevalsbusiness ein bisschen auskennt, weiß, dass sehr vieles dort auf freiwilliger Basis aufbaut. Doch wie stellt man es in diesem Corona-Jahr an, sein Engagement zu zeigen, ohne dabei die Motivation zu verlieren. Darüber habe ich mit der lieben Claudia Henseler gesprochen. 

Claudia ist schon, seit sie klein ist, dem Karneval verbunden. Sie hat selbst sehr lange als Funkenmariechen in verschiedenen Garden getanzt und besitzt sowohl Bühnen- als auch Turniererfahrung. Vor drei Jahren hat sie mit anderen einen eigenen Verein inkl. Garde gegründet: die „Stadtgarde Schwarz-Rot Hennef e.V.“ Claudia trainiert nicht nur die Juniorengrade, sondern auch die Senioren mit viel Spaß. Also superspannend mal etwas näher hinzusehen und zu schauen wie der „neue Verein“ das so managt. 

Bloß nicht aufgeben

Nach kurzen technischen Problemen via Zoom starten wir unser Gespräch. Man merkt Claudia direkt an, wie sehr sie sich wünscht, endlich wieder mit ihren Mädels auf der Bühne zu stehen. Eine meiner ersten Fragen ist, woher nimmst du die Motivation weiterzumachen. „Gerade jetzt ist es wichtig zu zeigen, dass wir nicht so einfach aufgeben. Deswegen haben wir uns zu bestimmten Anlässen kleine Päckchen überlegt, die unseren Mädels und uns ein bisschen Freude machen sollen.“ Schon zur Weihnachtsfeier gab es kleine Päckchen und ein Quiz, bei dem als Team zusammengearbeitet werden musste. 

Die Motivation, sich das alles zu überlegen und zu planen, zieht Claudia aus dem Wunsch, andere Menschen glücklich zu machen. Ihr ist es wichtig, so ein bisschen Karneval in die Wohnzimmer zu bringen. Ich frage sie, wie die Reaktionen darauf sind. „Ich bekomme so viel zurück, aber darum geht’s mir eigentlich gar nicht. Mir ist es wichtig, dass wir auch trotz der Pandemie am Ball bleiben und ein bisschen feiern“. Daher gab es an Weiberfastnacht noch mal ein kleines Care-Paket für daheim. Typisch für Karneval: Käsewürfel, Trauben und Mettwürstchen, ein bisschen was zu trinken und natürlich einen Berliner für jeden. Wieder alles selbst zusammengestellt. 

Mich beeindruckt dieses Engagement total. Aber davon nicht genug, auf Facebook und Instagram sieht man immer wieder Videos mit aktuellen oder Bildern aus den letzten Jahren. Ja, die „Stadtgarde Schwarz-Rot Hennef e.V.“ ist auf jeden Fall bei dieser Pandemie aktiv. Momentan wird noch über Zoom einmal die Woche trainiert, doch der Wunsch endlich wieder zusammen zu tanzen, ist bei Claudia groß. Ich schätze, jeder der mal getanzt hat oder tanzt, kennt das Gefühl: Das Strahlen in den Augen und der Applaus! Das ist ein Punkt, warum sie sich immer wieder gerne etwas Neues einfallen lässt, sagt Claudia. Sie kann verstehen, dass es dem einen oder anderen in dieser Zeit schwer fällt sich in zu motivieren, am Ball zu bleiben, doch sie ist überzeugt, dass diese Zeit auch mal ein Ende haben wird. Daher ist sie stolz darauf, dass so viele immer noch Lust haben und weitermachen. Dennoch sieht sie es als ihre Aufgabe, den Mädchen Mut zuzusprechen und ihnen ab zu und eine Freude zu machen.

Ich muss sagen, dass ich echt beeindruckt bin, welche kreativen Ideen sich manche Vereine überlegen, um in dieser schweren Lage Haltung zu zeigen und ein Stück der Tradition zu bewahren. 

Kreative Energie

Neben diesen Dingen haben wir uns auch über weitere Themen des Karnevals unterhalten. Für ein Video hat sich Claudia noch einmal in ihre Uniform geworfen, doch etwas fehlt in diesem Jahr – der Stress schnell zum Auftritt zu müssen oder … oder … Wir beide müssen bei diesem Gedanken irgendwie lachen. Was ich bisher noch nicht wusste, ist, dass sie gerne näht und sich in jedem Jahr ein anderes (ziemlich aufwendiges) Kostüm überlegt. Ziel dabei ist es, etwas zu kreieren, das man vielleicht so noch nicht gesehen hat. Und ich dachte, ich wäre zu verrückt, um mir sowas auch im Sommer auszudenken. Zum Glück gibt es noch viele andere Kostümfreaks. Durch die „Stadtgarde Schwarz-Rot Hennef e. V.“ hat sich das in manchen Punkten geändert, da sie nun öfter im Rahmen des Vereins unterwegs ist. Doch als ich mir nach unserem Gespräch die Kostüme anschaue, bin ich ganz schön baff. Da steckt wirklich Arbeit und viel Liebe zum Detail drin. 

 

Karnevalsmodus?

Das Gespräch hat an einem der besonderen Karnevalstage stattgefunden, daher hat sich natürlich die Frage gestellt, ob sie im Karnevalsmodus ist oder eher nicht? „Also eher nicht, würde ich sagen, außer man beschäftigt sich sehr damit, wie beim Vorbereiten der Videos oder so. Nach 32 Jahren arbeite ich das erste Mal an Rosenmontag, das ist schon komisch. Doch die Karnevalswoche habe ich auch trotz der Pandemie freigenommen, das war mir dann schon wichtig!“. Ich kann sie verstehen, denn so das richtige Gefühl ist auch nicht so bei mir aufgekommen. Momentan gibt es viele Alternativen, ein Stückchen Karneval zu erleben. Dazu möchte ich von Claudia noch wissen, was sie davon hält. „Wie gesagt, ich finde es wichtig und gut, dass man was macht und nicht den Kopf hängen lässt. So kommt man auch noch mal auf andere Gedanken.“ 

Das Gespräch mit Claudia hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich finde es toll, dass sie sich und ihr Verein, die „Stadtgarde Schwarz-Rot Hennef e.V.“, so engagieren und damit zeigen, dass sie sich nicht unterkriegen lassen. Durch solche Menschen, die gerne mit viel Herz geben, wird ein Stück des Karnevalsgefühl weitergeben. Ich bin gespannt, wie die Reise dieses Vereins weitergeht und welche Ideen sie vielleicht noch so im Gepäck haben. 

Fotos ©Claudia Henseler