Prinzenproklamation in Niehl (Brigitte)

Prinzenproklamation in Niehl? Moment – die war doch am Freitag im Gürzenich. Stimmt auch: Dort wurde am Freitagabend das Kölner Dreigestirn proklamiert. Doch der Vorort Niehl ist weit vom jecken Geschehen der Innenstadt entfernt und tickt karnevalistisch anders. Der Stadtteil pflegt seit jeher seinen eigenen Fastelovend – und hat damit auch ein eigenes Dreigestirn: Prinz Greger I., Bauer Stefan und Jungfrau Tinni.

Vier Jahre Wartezeit

Die Ornate waren maßgeschneidert, die Schals produziert, die Prinzenspangen fertig. Groß war damals die Enttäuschung, als die drei den lang ersehnten Traum coronabedingt aufgeben mussten. Im Folgejahr erkrankte die Jungfrau, die Kandidatur wurde erneut verschoben, danach stellten zwei Jubiläumsgesellschaften das Dreigestirn. Und nun – vier Jahre später – war es endlich so weit.

Eine kleine Änderung gab es dennoch: In neuer Konstellation sprang Julian Hennecke, Sohn des Prinzen, für die erkrankte Jungfrau ein. Den Namen „Tinni“ übernahm er dabei ganz selbstverständlich.

 

Proklamation im Gürzenich von Niehl

Am Samstag war der große Tag gekommen. Der Pfarrsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt, alle Karten verkauft. Bunt kostümierte Jecken freuten sich auf eine stimmungsvolle Sitzung. Um 16 Uhr eröffnete Mike Schöninger, Präsident der INK – der Interessengemeinschaft Niehler Karneval – das jecke Geschehen. Die INK-Kapelle zog musizierend durch den Saal auf die Bühne und brachte das Publikum mit einem Potpourri bekannter Karnevalslieder sofort in Stimmung.

Vor dem offiziellen Teil wurde noch Heike Hahn für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement als Vorstandsmitglied mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet.

Die Proklamation begann mit dem feierlichen Einzug der Plaggeköpp. Wer sich mit den Gepflogenheiten des traditionellen Karnevals auskennt, weiß, dass die Fahnen- und Standartenträger des Kölner Karnevals nur bei besonderen Anlässen auftreten. Die Proklamation des Niehler Dreigestirns ist eine, weil Prinz Greger I. selber Standartenträger ist und zwar für die KG UHU.

 

Der Ablauf der Proklamation ist auch nicht viel anders als im Gürzenich in der Altstadt – einzig, hier gestaltet das Dreigestirn seinen Auftritt komplett selber. Unter tosendem Beispiel und unendlich lange zogen nacheinander zuerst die Jungfrau Tini, dann Bauer Stefan und ganz zum Schluss Prinz Greger I. in den Saal ein. Begleitet wurden sie von der Niehler Danzcrew – alle im schwarzen T-Shirt mit der Aufschrift „Drei Granaten in Ornaten“ – die Auflösung dazu folgt später – und die Frauen dazu in Glitzerjacken. Strüßjer werden geworfen, Bützje verteilt, bis schließlich alle die Bühne erreicht hatten. So kennt man das auch aus dem Gürzenich.

Die Proklamation nahm kein Oberbürgermeister vor, auch keine Bezirksbürgermeisterin, die als Gast im Saal saß. Stattdessen überreichte das Dreigestirn des Vorjahres die Insignien an Prinz, Bauer und Jungfrau . 

Präsident Mike Schöninger erklärte daraufhin offiziell:

Prinz Greger I., Bauer Stefan und Jungfrau Tinni regieren ab sofort die Niehler Jecken.

Musikalisches Zwiegespräch

Doch damit war der Höhepunkt längst nicht erreicht. Es folgte der erste große Auftritt des Dreigestirns – ein musikalisches Zwiegespräch, das eindrucksvoll zeigte, was eine jecke Familie zur Bühnenpreformance beitragen kann. Prinz Greger I. wird begleitet von Sohn Julian als Jungfrau Tinni, der als ehemaliger Tanzkommandant der Greesberger über fundierte tänzerische Erfahrung verfügt und diese weitergeben konnte. Ehefrau Christina ist Teil der Niehler Danzcrew, Sohn Lukas fungiert als Prinzenführer.

Prinz und Bauer präsentierten ihre Lieblingshits und schmetterten „Matthias, wir sind wieder da“ ins Mikrofon. Jungfrau Tinni konterte kopfschüttelnd mit einer perfekt einstudierten „Karnevalsmaus“ gemeinsam mit der Niehler Danzcrew. So ging es weiter, unter großem Gelächter und tosendem Applaus, bis klar war: „Mer bruche keiner, keiner, dä uns sät, wie mer Fastelovend fiere deit.“

Auch das Geheimnis der T-Shirts wurde gelüftet: „Drei Granaten in Ornaten“ ist der Titel des Dreigestirnslieds, dessen Text aus der Feder von Frank Zitzelsberger stammt. Unter diesem Motto feiern die drei am 6. Februar auch ihre große Dreigestirnsparty in der Hofburg.

Proklamiert – und noch lange nicht fertig

Wer nun dachte, das Dreigestirn könne endlich feiern, irrte. Denn jetzt betrat das Schnäuzerballett die Bühne – mit besonderer Verbindung zu Niehl. Prinz Greger I. tanzte dort viele Jahre selbst mit.Und wer das „Schmölzje“ kennt, weiß: Für Ulk und Überraschungen sind sie immer gut. Schon die Begrüßung sorgte für Lacher:
„Wir haben das Schönste mitgebracht, was Dellbrück zu bieten hat – unsere Fahne!“

Präsident Rainer Ott bat Prinz Greger I. auf die Bühne, wo er zur großen Freude des Publikums noch einmal seine Tanzkünste beim über 30 Jahre alten Päädstanz unter Beweis stellte – mit Erfolg!

Es folgte ein Programm, wie man es aus den großen Sälen der Stadt kennt. Der Unterschied: Der Eintritt ist günstiger – und das Kölsch kostet zwei Euro, eine große Flasche Wasser 4 Euro.

Eine intensive Session

Für Prinz Greger I., Bauer Stefan und Jungfrau Tinni beginnt nun eine aufregende Zeit: Mehr als 45 Auftritte stehen auf dem Programm – und Beruf und Familie gibt es auch noch. Ob Veedels Radau im Altenberger Hof, der Frühschoppen von Alles für Andere, die Sitzung der Veedelsgemeinschaft Stammdesch Om Piefes, die Montagsversammlung im Werk 2 von der KG UHU, KiKoSi und Pfarrsitzungen in Niehl, Tollitätenempfang in Nippes, Party der Ahr-Schwärmer, Besuche in Kindergärten und Altenheimen, bei der Bundeswehr und bei Radio Köln – das Programm ist ebenso dicht wie abwechslungsreich. 

Auch über die Veedelsgrenzen hinaus sind die Tollitäten unterwegs: nach Krefeld, zum „Närrischen Landtag“ nach Düsseldorf und sogar auf Einladung von Serap Güler, Staatsministerin beim Bundesminister des Auswärtigen, nach Berlin. Dort nehmen sie im Ornat an einer Parlamentssitzung teil, nachdem es am Abend zuvor traditionsgemäß in die Ständige Vertretung (StäV) geht.

Das absolute Highlight bleibt natürlich der Niehler Veedelszug, bei dem die Drei allen Jecken noch einmal zujubeln können – bevor in der Hofburg weitergefeiert wird. Doch selbst dann ist noch nicht Schluss: Auch beim Nippeser Dienstagszug fährt das Niehler Dreigestirn selbstverständlich mit. Die Session endet dann mit der Nubbelverbrennung in der Schützenkuhl.

Eine Session, die lange auf sich warten ließ – und nun umso intensiver gelebt wird.

Fotos @BKB