St. Theodor Alaaf! (Brigitte)

Seit 25 Jahren sind die Raderdollen Merheimer im Fastelovend unterwegs und gehören Jahr für Jahr fest zu den Schull- un Veedelszöch. Sie leben das Brauchtum und das SessionsmottoAlaaf – Mer dun et för Kölle“. Insgesamt 18-mal organisierten sie mit großem Erfolg eine Karnevalssitzung auf der Palliativstation des Klinikums Merheim. In dieser Session fand die Veranstaltung erstmals an einem neuen Ort statt: im Seniorenheim An St. Theodor in Vingst.

Die Karnevalssitzung feierte dort ihre Premiere. Viele Jahre lang hatten Annette Borngesser und ihr Team von den Raderdollen Merheimern den Menschen auf der Palliativstation mit viel Herzblut ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Mit dem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben endete dieses besondere Engagement. Der Förderverein Ping un Palli e. V. führt die Idee weiter.

Raderdoll sind die Jecken nach wie vor. Und auch der Zusatz „Merheimer“ bleibt bestehen, obwohl heute kaum noch einer im Klinikum Merheim arbeitet. Dank persönlicher Kontakte zum Seniorenheim An St. Theodor war schnell ein neuer Veranstaltungsort gefunden.

Und gute Beziehungen – gerade zu Künstlerinnen und Künstlern – enden schließlich nicht mit einem Ortswechsel.

Jecksein kennt keine Grenzen: weder Alter noch Herkunft, weder Krankheit noch Kontostand. Doch was ist mit Menschen, die aus gesundheitlichen, altersbedingten oder finanziellen Gründen kaum noch Gelegenheit haben zu feiern? Genau hier setzen Initiativen wie die „Sitzung för Arm Lück“ des Kölner Husaren-Korps von 1972 e. V., der Ambulante Karnevalsdienst (AKD) der Großen Allgemeinen Karnevalsgesellschaft von 1900 Köln e. V. oder eben die Sitzungen der Raderdollen Merheimer in Seniorenheimen an.

Der Saal im siebten Stock des Seniorenheims war festlich geschmückt. Das Kreativteam hatte sich mächtig ins Zeug gelegt und alles bunt und jeck dekoriert. Sogar eigene Orden hatte es gebastelt! An den Kaffeetischen saßen viele Bewohnerinnen und Bewohner – liebevoll kostümiert und voller Vorfreude genau wie die Betreuerinnen.

Zum Aufwärmen wurde gesungen: Annette Borngesser und „Lametta Jupp“ à la Thomas Ostermeyer mit der Gitarre stimmten bekannte Ostermann-Lieder an. Schon nach kurzer Zeit schunkelte der ganze Saal. Fastelovend eben!

Mit „En d’r Kayjass Nummero Null“ ging es musikalisch weiter – und ganz nebenbei erfuhren die Seniorinnen und Senioren auch, dass es den Lehrer Welsch tatsächlich gegeben hat. Der engagierte Pädagoge setzte sich für leistungsschwächere Kinder ein und gründete eine Hilfsschule im Industrie- und Arbeiterviertel von Kalk.

Mit Tom Simon, Ensemblemitglied der Stunksitzung, verbindet Annette Borngesser eine lange Freundschaft – nicht zuletzt durch sein Engagement bei den Klinikclowns. So folgte der Auftritt von Mitgliedern der Stunksitzung, die mit Gesang und Sketchen das Publikum unterhielten

 

Dann kam Bewegung in den Saal – das Highlight des Tages! Das Kölner Dreigestirn zog ein und erlebte einmal mehr die berühmte „Strahlkraft des Ornats“. Plötzlich standen die ersten Gäste auf, Handys wurden gezückt, die Freude war riesengroß. So bringt man den Fastelovend zu den Jecken!

 

Mit dem Auftritt des Dellbröcker Boore Schnäuzer Balletts klang dieser besondere Nachmittag aus. Ein herzliches Dankeschön an die Raderdollen Merheimer für diese wunderbare Initiative – die in der kommenden Session ganz sicher ihre Fortsetzung finden wird.

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