… und noch ein Abschied – Sitzung der Löstigen Innenstädter (Stefan)
Mittwoch Abend im Sartory. Die Kostümsitzungist eine klassische traditionelle Sitzung mit einem bunt gemischtem Bühnenprogramm, zu der alle Gäste kostümiert kommen. More der Löstigen Innenstädter ist wie gewohnt ausverkauft, die Stimmung fröhlich, familiär. Man kennt sich in dieser Familiengesellschaft und feiert gern zusammen Fastelovend. Ein Hauch von Abschied ist diesmal aber auch dabei. Für Michael Jung, seit zehn Jahren Präsident der 1. Kleinen KG Löstige Innenstädter, ist es die letzte Veranstaltung in seinem Amt.
Nein, traurig sei er nicht, vielmehr freue er sich darauf, demnächst gemeinsam mit seiner Frau Dorothée die Veranstaltungen etwas entspannter zu genießen.

Und dann gehts auch schon los mit dem Programm: Einmarsch der Roten Funken, die mit mehr als hundert Mann und einer Marie zeigten, was ein Traditionskorpsist eine Ehrenbezeichnung. Zum Traditionskorps wird eine Gesellschaft vom Festkomitee-Praesidenten ernannt, weil sie sich mit ihrer Brauchtumsförderung in den historischen Uniformen um den Karneval verdient gemacht hat. Derzeit gibt es im Kölner Karneval neun Traditionskorps: die Roten und die Blauen Funken, die Ehrengarde, die Nippeser Bürgerwehr, die Bürgergarde blau-gold, die Prinzengarde, die Altstädter, der Treue Husar und das Reiterkorps Jan von Werth. More so auf die Bühne bringen kann.

Na klar, man kannte das Programm. Aber schön war‘s schon und der Stimmung im Saal tat’s allemal gut. Und eine Überraschung hatten die Roten Funken auch mitgebracht. Michaels Jung, seit vielen Jahren auch Mitglied in ihrem Reservekorps, wollte immer so gern mal auf der Bühne beim Stippeföttche-Tanz dabei sein. Am Mittwoch was es dann soweit, seine Kameraden erfüllten ihm diesen Wunsch.

In den Hüften hat er zwar noch ein größeres Entwicklungspotential, aber was soll’s, ihm hat’s Spass gemacht und seiner Frau Dorothée auch.

Damit war’s dann genug mit der Ehrung und das Programm konnte so richtig losgehen. Und wie! Nach der „großen Bühnenshow“ der Roten Funken kam dann der Blötschkopp, Marc Metzger, und brachte Stimmung in den Saal. Die armen Sauerländer mussten zwar wieder mal für manchen Scherz herhalten und die Tische in der ersten Reihe bekamen auch wie gewohnt ihr Fett weg.

Aber nie hat er den schmalen Grat überschritten, der den Spass an den Eigenarten der Menschen von deren Herabwürdigung trennt. 35 Jahre auf der Bühne, einfach meisterhaft. Zum Schluss dann noch ein fast politisches Bekenntnis zur Vernunft im Fastelovend, bei all dem „Irrsinn“ in der Welt. Das Publikum hat’s freudig aufgenommen.

Wie das zu einer Familiengesellschaft gehört, gab’s auch etwas Familiäres. Die gesellschaftseigene Tanztruppe „Cremeschnittchen“ bezauberte nicht nur die Mitglieder der Gesellschaft. Ihr neues Programm, wiederum einstudiert von Cassia Kuckelkorn, war nicht nur originell und abwechslungsreich, es war auch technisch eine rundum überzeugende Show.

Das gefiel der Trainerin …

… und dem Publikum sowieso!

Natürlich kam auch die Musik nicht zu kurz. Die Höhner und zum Schluss die Bläck Föös sorgten für viel Bewegung im Saal.

Besonders die Warnung „pass op“ an die Prinzessin, die vom Krokodil gefressen werden soll und die verzweifelte Suche nach „Gisela“ haben auch den Letzten im Saal vom Stuhl gerissen.

Zu jeder guten Sitzungist eine Karnevalsveranstaltung zwischen der Proklamation und Karnevalsdienstag mit einem bunt gemischten Bühnenprogramm: Tanzgruppen und Korpsgesellschaften ziehen in den Saal und präsentieren ihre Tanzkünste, Büttenredner widmen sich mit Witz und Ironie den großen und kleinen Themen der Welt und kölsche Musiker reißen das Publikum von den Stühlen. Highlights sind der Einzug des Dreigestirns und die Ansprache des Prinzen an sein „Narrenvolk“. More gehören auch die Tanzgruppen. Eine, die eigene, war schon da, zwei kamen noch. Nach der Pause die Heilige Knäächte un Mägde, zuvor aber noch eine Truppe aus Bütgenbach in Belgien, mit der die Löstigen Innenstädter seit Jahren freundschaftlich verbunden sind. Für die 38 Tänzerinnen und Tänzer war es die Premiere auf den Kölner Bühnen. Und für das Publikum? Na ja, was schaut man sich nicht alles an, der guten Nachbarschaft wegen. Mancher im Saal mag so gedacht haben. Anfangs!

Was die KKG Tanzgarde Bötschebejer Seestürmer dann aber auf der Bühne gezeigt hat, machte im wahrsten Sinn des Wortes sprachlos. So viel Leidenschaft, technische Perfektion und Risikobereitschaft hat man selten gesehen, nicht nur auf den Kölner Bühnen.

Die Belgier, so der Bürgermeister von Bütgenbach, waren aufgeregt und stolz, sich auf einer großen Bühne in Köln präsentieren zu können. Nach der Vorstellung der Tanzgruppe war aber allen im Saal klar, diese Tänzer waren nicht als Lehrlinge nach Köln gekommen – und sicher auch nicht das letzte Mal.

Der Bürgermeister …

… und das Publikum dankten für die wahrlich beeindruckende Show mit stehenden Ovationen.
Der Sitzungspräsident, Volker Weininger, und das Kölner Dreigestirn rundeten diesen schönen, fröhlichen und harmonischen Abend ab, und man verliess zu später Stunde das Sartory im Gefühl, unser Fastelovend tut der Seele gut.
Bildnachweis: Alle Fotos ©BKB













