Ein Tag unterwegs mit dem Kölner Dreigestirn (Ulla)

Das Kölner Dreigestirn bei seinen Auftritten einen Tag lang zu begleiten, hat mich schon immer interessiert. Deshalb habe ich beim „Festkomitee Kölner Karneval“ (FK) gefragt, ob ich für den Blog AppSolut Jeck über eine Begleitung des Dreigestirns berichten darf. Tanja Holthaus, Pressesprecherin des FK, hat mir dies ermöglicht und mich den Tag über begleitet.

Die Tage des Kölner Dreigestirns während der Session sind „generalstabsmäßig“ geplant. Die Auftritte folgen dicht aufeinander und die Zeiten müssen möglichst genau eingehalten werden. Die größte Unwägbarkeit sind die Fahrten zwischen den einzelnen Stationen, denn der Kölner Straßenverkehr ist ein Kapitel für sich.

Das Dreigestirn wird von der Adjudantur und der 15-köpfigen Wache der Prinzen-Gardisten begleitet. Zur Adjudantur gehören die drei Adjudanten von Prinz, Bauer und Jungfrau. Die Adjudanten von Bauer und Jungfrau sind Mitglieder der „Ehrengarde der Stadt Köln 1902 e. V.“, alle anderen Mitglieder der Adjudantur wie Prinzenführer Marcus Heller, der Hoffriseur Mike Engels und der Chef der Equipe Gary Bingener stammen aus dem „Traditionskorps Prinzen-Garde Köln 1906 e. V.“

Nicht immer kann die Stammbesetzung der Adjutantur ihren Dienst versehen. An diesem Tag übernahmen Michael Palm, Dirk Schmitz und Willi Stoffel die Aufgaben der Adjutanten. Hans-Wilhelm Hagen war der Hoffriseur und Edwin Bosbach leitete die Equipe.

Meine Mitfahrt war für insgesamt fünf Termine geplant: den Besuch bei der Luftwaffe in Köln-Wahn, den „Vringstreff e. V.“ im Severinsviertel, die Mädchensitzung der „KG Sr. Tollität Luftflotte von 1916 e. V.“ im Gürzenich, die Mädchensitzung der „Frauen Union der CDU Köln“ sowie die Sitzung des „Blinden- und Sehbehindertenvereins Köln e. V.“. Die beiden letzten Veranstaltungen fanden im Sartory statt.

Wir starteten an der Hofburg. Schon bei meiner Ankunft hatte sich die Wache des Dreigestirns dort versammelt, um von Edwin Bosbach, dem Chef der Equipe, letzte Instruktionen für den Tag zu erhalten.

Zur angegebenen Startzeit formierten sich der Chef der Equipe und alle Gardisten vor den Aufzügen des Hotels, um das Dreigestirn Prinz Niklas I. (Niklas Jüngling), Bauer Clemens (Clemens von Banckart) und Jungfrau Aenne (Stefan Blatt) zu empfangen.

Vor der Tür standen alle Wagen bereit, und im Konvoi von insgesamt acht Fahrzeugen fuhren wir zur ersten Station, der Luftwaffenkaserne Wahn. Im großen Saal des Kasinos empfing der Standortälteste (STOÄ), Brigadegeneral Daniel Draken, das Dreigestirn. An diesem Tag gab es zwei Geburtstagskinder, weshalb das Dreigestirn für den STOÄ und Thomas Kaup, Geschäftsführer der Kasinogesellschaft, ein Geburtstagsständchen anstimmte und beide mit der Prinzenspange auszeichnete.

 

Anschließend kehrten wir zur Hofburg zurück, wo nach einer kurzen Pause und Besprechung der Ruf „Aufsitzen“ ertönte. Schnell bestiegen wir die Wagen und fuhren zur nächsten Station, dem „Vringstreff e. V.“ in der Südstadt. Der „Vringstreff“ ist nicht nur ein Treffpunkt für Menschen mit und ohne Wohnung, sondern bietet auch ein vielfältiges Angebot. Neben einem Bistro, in dem jede und jeder preiswert essen kann, gibt es Unterstützung bei verschiedenen Problemen wie Wohnungsfragen, Schulden oder Suchtproblemen. Außerdem werden Arbeits- und Kulturangebote bereitgestellt.

Seit 2007 gehört es zur Tradition, dass das Dreigestirn den „Vringstreff“ besucht. Das Trifolium wurde vom Vorsitzenden Hans Mörtter, Pfarrer i. R. der Lutherkirche, begrüßt. Musikalisch wurde der Auftritt von der „Allstar-Band“ begleitet. Josef Loup, Bömmel Lückerath, Janus Fröhlich, Tanja Krämer und Stefan Brings bildeten diese hervorragende Band. Sie spielten unter anderem das Mottolied des Dreigestirns „Loss mer all zesamme stonn“, das die Band „Eldorado“ gemeinsam mit den Dreien geschrieben hat. Beim Bläck Fööss-Lied „Unsere Stammbaum“ schunkelten und sangen alle im Treff mit.

Prinz Niklas I. betonte in seiner Ansprache, dass sie ihre Zeit als Dreigestirn nicht nur dazu nutzen wollen, Karneval zu feiern, sondern vor allem, um die Gemeinsamkeiten, das Miteinander und den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu fördern. Ihr Wunsch sei es, dass die Menschen wieder enger zusammenrücken. Für sie seien kleinere Veranstaltungen wichtig, da sie dort den Menschen direkter begegnen könnten. Das entspreche ihrem Ziel und Bedürfnis, ein Dreigestirn für alle zu sein. 

Für ihr Spendenprojekt „CAYA e. V.“ (come as you are) erhielten die drei anschließend großzügige Zuwendungen von Vertretern der „KG Ponyhof e. V.“ und der „KG Fidelen Fortuna vun 1949 e. V.“; für den „Vringstreff“ hatten beide Karnevalsgesellschaften ebenfalls großzügige Spendenschecks dabei.

„CAYA e. V.“ bietet wohnungslosen und bedürftigen Menschen in Köln eine medizinische Versorgung auf dem Niveau einer Hausarztpraxis. Mit dem „CAYA-Praxisbus“ stellt der Verein zudem eine mobile ärztliche Versorgung bereit, sodass direkt vor Ort geholfen werden kann. 

Zum Abschluss überreichte Hendrik Biergans von der Firma JT International Germany GmbH dem Trifolium den „Vringstreffpreis“, den „bronzenen Rievkoche“, der vom Künstler Cornel Wachter gestaltet wurde. Der Rievkooche galt früher als „Arme-Leute-Essen“. In ganz Köln gab es Buden, an denen man für wenig Geld die frisch gebackenen, sättigenden Reibekuchen bekam. Eine Art „kölsche Nationalspeise“ – einfach köstlich! Gerührt nahmen die drei den „bronzenen Rievkoche“ entgegen.

Nach dem Besuch im „Vringstreff“ war eigentlich eine Pause geplant, doch plötzlich hieß es: Alle zum Thiebolds-Eck in der Lungengasse. Was wird das denn, dachte ich, alle Mann in die enge Kneipe?

Dort angekommen, wurden wir bereits erwartet. Thomas Bunse (Darsteller des Jan von Werth 2014) und Geschäftsführer Matthias Längsfeld begrüßten die drei und das ganze Schmölzjen herzlich. Besonders Bauer Clemens ist hier gut bekannt. Sein Schwiegervater wohnt ganz in der Nähe, und so treffen die beiden sich hier ab und zu auf ein Kölsch. So wurde die Pause bei Brötchen, Frikadellen und Kölsch mit schönen Gesprächen wunderbar verbracht.

Danach hieß es wieder „Aufsitzen“! Der Konvoi kämpfte sich durch den Kölner Verkehr zum Gürzenich. Die „KG Sr. Tollität Luftflotte von 1926 e. V.“ veranstaltete dort ihre Mädchensitzung. Wir trafen auf das Kinderdreigestirn mit seinen Pagen und der Betreuerin Gloria van Buuren-Wiese. Gemeinsam zogen die beiden Trifolien mit ihrer Entourage auf die Bühne. Nach dem Vorstellungsauftritt ließen die drei „Großen“ den „Kleinen“ den Vortritt. Kinderprinz Linus II. (Linus Held), Kinderbauer Jonatan (Jonatan Buse) und Kinderjungfrau Phili (Philomena Jürgens) boten zusammen mit ihren Pagen eine Performance, die ihresgleichen sucht. Großartig präsentierten sie ihr Lied „Alaaf – Mer dun et för Kölle“. An das Publikum richteten sie konkrete Wünsche für Köln: Die Stadt soll unter anderem grüner und sauberer werden, die KVB pünktlicher fahren und der FC soll in der Champions League spielen.

Nach diesem wunderbaren Auftritt ging es weiter zur nächsten Station, dem Sartory.

Im großen Saal feierte die „Frauen Union der CDU Köln“ ihre Mädchensitzung. Es ist etwas Besonderes, wenn die ganze Equipe und das Dreigestirn über die gesamte Länge des Saales einmarschieren. Bei diesem Auftritt begeisterte Bauer Clemens mit seinem Trompetensolo die Damen. Das anschließende Medley kölscher Klassiker nutzten die Drei für kleine Neckereien untereinander.

Der anschließende Auftritt war wieder ein ganz besonderes Erlebnis. Gleich gegenüber, im Ostermannsaal des Sartorys, veranstaltete der „Blinden- und Sehbehindertenverein Köln e. V.“ seine Sitzung. Da gerade Pause war, trafen wir auf viele Bekannte. So begrüßte uns Christoph Kuckelkorn, der Präsident des FK. Ich nutzte die Gelegenheit, um ihm den Orden meines Veedelsvereins, der „KF Mauenheimer Muschele von 1959 e. V.“, zu überreichen.

Die Programmgestaltung der Sitzung übernahmen die „Muuzemändelcher 1949 e. V. – Die Kölner Karnevalisten“. Zusammen mit Christoph Kuckelkorn führte der Bas der „Muuzemändelcher“, Joachim Badura, durch das Programm. Angeführt von den „Plaggeköpp vun 1998 e. V.“ zogen die beiden Dreigestirne in den Saal ein. Nach einem kurzen Auftritt auf der Bühne gingen sie unter die Gäste. So erhielten die blinden und sehbehinderten Besucher die Gelegenheit, ihre Ornate zu ertasten und die aufwendigen Kostüme zu erleben. Dabei entstanden viele anrührende Begegnungen. Manchem kamen die Tränen in die Augen, und man spürte, wie sehr die Dreigestirne von diesem Erlebnis bewegt wurden.

Für mich war dies der letzte Auftritt des Tages. Ich bedankte mich und verabschiedete mich von der Equipe, Tanja und dem Dreigestirn. Die drei erwiesen mir noch die Ehre eines gemeinsamen Fotos – mit Standarte!

Rückblickend muss ich sagen, dass ich die drei für ihr Engagement bewundere. Kein Auftritt gleicht dem anderen. Das ist nur durch eine perfekte Vorbereitung und die Fähigkeit möglich, auf unvorhergesehene Situationen gekonnt zu reagieren. Hinzu kommt die große Anzahl an Auftritten, die eine sehr gute Kondition voraussetzt. All dies ist nur durch die Liebe zum Karneval und zum Ehrenamt möglich.

Danke dafür, Euch DREI!

Fotos ©Ulla Weber-Woelk, ©Vera Drewke