Niemals geht man so ganz (Brigitte)

Am Aschermittwoch ist Schluss! Das hatte Christoph Kuckelkorn bereits beim vorweihnachtlichen Präsidentenabend verkündet. Nach 21 Jahren ehrenamtlichen Engagements – zwölf Jahre als Zugleiter des Kölner Rosenmontagszuges und neun Jahre als Präsident des Festkomitees – zieht er sich zurück. Für Kollegen, Freunde und Weggefährten im Festkomitee war das Anlass genug, ihm eine ganze Session zu schenken: eine Session, in der er sich ganz aufs Feiern konzentrieren durfte. Und natürlich eine würdige Abschiedsfeier bekam. So hieß es am karnevalsfreien Montagabend im Erweiterungsbau am Sachsenturm: Alaaf und Adschüss“.

Freunde und Wegbegleiter, alle Präsidenten, Ehren- und Hauptamtler des Festkomitees, die Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister aus 21 Jahren Amtszeit sowie die Familie waren zusammengekommen, um Christoph Kuckelkorn zu feiern. Es wurde ein zwangloser und zugleich hochemotionaler Abend mit zahlreichen Beiträgen, viel Raum für Gespräche, einem kölschen Buffet mit Bier und Wein – moderiert von Marcus Gottschalk.

Vom Kamellejung zum Präsidenten

Karneval prägt Christoph Kuckelkorn seit Kindertagen. Er stammt aus einer karnevalsverrückten Familie, die seit jeher eng mit den Blauen Funken verbunden ist. Bereits 1890 trat der erste Kuckelkorn in das Traditionskorps ein – und diese Verbundenheit hält bis heute an. Vor über 55 Jahren begann Christoph Kuckelkorn selbst in der Kinder- und Jugendtanzgruppe der Blauen Funken.

So lag der erste Programmpunkt des Abends auf der Hand: Stolz und sichtlich gerührt verfolgte er die Tänze der Kleinen – unter ihnen auch seine Enkelin. Kein Geheimnis ist, dass nach der Session Marcel Kuckelkorn die Leitung der Kinder- und Jugendtanzgruppe übernehmen wird. Drei Generationen in einem Traditionskorps: kölscher Karneval in seiner schönsten Form, der zugleich zeigt, wie sehr die Familie mit den Blauen verbunden ist!

„Von nix ne Ahnung“

Der Abend offenbarte viele Facetten des scheidenden Präsidenten: seine Kreativität, seine Menschlichkeit, seine Haltung – aber auch bislang Unbekanntes. In einer Talkrunde plauderte Markus Ritterbach, Kuckelkorns Vorgänger im Präsidentenamt, aus dem Nähkästchen. Beide seien nahezu zeitgleich in den Vorstand des Festkomitees gekommen – und beide hätten zunächst „keine Ahnung vom organisierten Karneval“ gehabt. Es sei ein bisschen wie „Jugend forscht“ gewesen, zum Glück aber habe Joachim Wüst ihnen mit seinem Spezialwissen zur Seite gestanden.

Ein Blick auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zeigt: Das blieb nicht lange so. Ritterbach und nach ihm Kuckelkorn haben den kölschen Fastelovend nachhaltig verändert und zukunftsfähig gemacht.

Auch Ken Reise à la Julie Voyage, ehemaliger Mitarbeiter der Rosenmontagszugleitung, wusste Anekdoten beizusteuern. Christoph Kuckelkorn sei unberechenbar – im besten Sinne – gewesen, voller neuer Ideen, zugleich aber ein Präsident, der sein Team wie eine Familie zusammengehalten habe. Verlässlichkeit sei stets selbstverständlich gewesen.

Bastian Campmann von Kasalla erinnerte sich an seine erste Begegnung mit Kuckelkorn: auf dem Motorrad nach einem Auftritt in der Live Music Hall. Damals habe er selbst noch kaum Ahnung vom organisierten Karneval gehabt, durch Chris aber viel gelernt. Kuckelkorn sei immer Ansprechpartner gewesen – auch bei schwierigen Themen. Der Umgang mit Tod und Erinnerung verbinde Kasalla und den Bestatter Kuckelkorn: den Menschen zu gedenken, die nicht mehr mit uns feiern können, sei gemeinsames Anliegen.

Ophüre is nicht einfach (Henning Krautmacher)

Viele Stimmen würdigten den scheidenden Präsidenten. Oberbürgermeister Burmester beschrieb Christoph Kuckelkorn als einen Menschen, der zuhört und Vertrauen schafft – selbst in kurzer Zeit.

Zwölf Jahre als kreativer Kopf hinter dem größten Karnevalsumzug Europas und neun Jahre an der Spitze des Festkomitees, mit Herausforderungen wie der Corona-Pandemie, dem Ukraine-Krieg, dem 200-jährigen Jubiläum und der internationalen Vernetzung des Karnevals – das hinterlässt Spuren. In teils sehr emotionalen Videobotschaften würdigten Weggefährten aus Karneval, Politik und Stadtgesellschaft Kuckelkorns Wirken. Ministerpräsident Hendrik Wüst erinnerte an die Friedensdemonstration 2022:
„Das war eine Riesenleistung der Zivilgesellschaft – und ein starkes Zeichen für die Kraft des organisierten Karnevals in Köln.“

„Sein Herz schlägt am richtigen Fleck“, fasste Präsident der Blauen Funken Björn Griesemann treffend zusammen. Der Applaus wollte kein Ende nehmen.

Auch das Dreigestirn war am karnevalsfreien Montagabend im Ornat erschienen. Prinz Niklas I. brachte es auf den Punkt:
„Die Amerikaner können ihre ‚Vom Tellerwäscher zum Millionär‘-Story einpacken. Christoph hat es vom Kamellejung der Blauen Funken zum Festkomitee-Präsidenten geschafft.“

Es wird golden

Doch damit nicht genug. In einer ausführlichen Laudatio würdigte Vizepräsident Lutz Schade das Wirken seines Präsidenten und zeichnete Christoph Kuckelkorn mit dem Verdienstorden des Vorstands des Festkomitees aus – Tränen inklusive. Anschließend trug sich Kuckelkorn ins Goldene Buch des Kölner Karnevals ein.

Es folgten Geschenke, darunter ein ganz besonderes: ein Abschiedswagen für den Rosenmontagszug mit dem Titel „El Presidente in Rente“. Der Wagen zeigt Christoph Kuckelkorn auf dem Motorrad, mit Blaue-Funken-Krätzchen auf dem Kopf und Spaten im Gepäck, wie er das Haus des Kölner Karnevals verlässt – begleitet vom abgewandelten Sessionsmotto: „Mer dun uns för dich freue“.

In seinen Dankesworten würdigte Kuckelkorn das Team und alle Weggefährten. Zugleich empfahl er den Präsidenten, die im März seinen Nachfolger wählen werden, Kontinuität – und damit Lutz Schade. Den eigens gepackten „Koffer“ wollte dieser allerdings erst nach der Wahl annehmen und dann an den gewählten Präsidenten weiterreichen.

Zapfenstreich

Zum Abschluss wurde es feierlich. Mit Fackeln standen die Gäste am Kartäuserwall, wo sich die Spielmannszüge aller neun Traditionskorps versammelt hatten, um Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn mit einem Großen Zapfenstreich zu verabschieden. Bei „Do bes Kölle“ und „Unsere Stammbaum“ flossen die Tränen.

Adschüss, Christoph.

Fotos ©Vera Drewke