Ihr Hätz schleiht seit 60 Jahren für Mauenheim – (Brigitte)

Et Hätz schleiht em Veedel – ein schönes Sessionsmotto, das aber auch mit Inhalt gefüllt werden will. Was Veedelskarneval bedeutet, kann man wunderbar in Kölns kleinstem Veedel Mauenheim erleben. Hier haben die Mauenheimer Muschele gerade ihren 60. Geburtstag gefeiert und ohne sie gäbe es hier keinen Karneval.

Jubiläumsfeier

5. Oktober, der Pfarrsaal von St. Quirinus ist weiß eingedeckt mit schönem Blumenschmuck, Mauenheimer und Freunde sind zur Jubiläumsfeier des Veedelsvereins gekommen. Hier kennt man sich, es ist wie in einer großen Familie, und diejenigen, die von weiter weg kommen, freuen sich über das Wiedersehen.

Im Veedel hält man zusammen

Rund 60 Mitglieder plus Kinder zählt der Verein, der inzwischen aus einem guten Mix von Jung und Alt besteht. Das war nicht immer so, erzählt Ursula Weber-Woelk, Pressesprecherin des Vereins, vor einigen Jahren haben die Muschele zu kämpfen gehabt. Um den Karneval im Veedel zu erhalten und zu unterstützen, ist sie selber in den Verein eingetreten. Auch Stefan Buschmann, in Mauenheim nur als Schlambo bekannt und Literat der Nippeser Bürgerwehr, ist Mitglied geworden und organisiert seitdem die Mauenheimer Veranstaltungen. 

Für die Jubiläumssitzung hat er ein tolles Programm zusammengestellt. Warm Up mit der Kinder-und Jugendtanzgruppe der Hoppemötzjer, die mit ihrem Potpourri kölscher Lieder den Saal sofort in Stimmung bringt. Da ist es auch ganz egal, dass die Bühne zu klein und die Decke zu niedrig ist und vor der Bühne getanzt wird. Das Publikum klatscht begeistert!

Danach kommt erstmal das Buffet, ausnahmsweise zum Jubiläum mal nicht hausgemacht. Normalerweise wird hier nämlich alles selber organisiert – vom Tische rücken über die Beleuchtung bis zu den Frikadellen. Das geht natürlich nur im Zusammenspiel und das läuft bei den Jecken vorbildlich. Hier sind die Aufgaben auf viele Schultern verteilt und jeder trägt zum Gelingen das bei, was er am besten kann. 

Wer schon mal auf der Damen- oder der Herrensitzung war, konnte Gulaschsuppe, Kartoffelsalat & Co probieren. Falls er Zeit zum Essen hatte, denn dann gleicht der Mauenheimer Pfarrsaal stets einem Hexenkessel. Super Stimmung, das Programm ist bestens – eine gute Mischung aus Tradition und Moderne, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bands, Rednern und Tanzgruppen. Alles immer ausverkauft! Ursula Weber-Woelk schwärmt denn auch von der ganz besonderen Stimmung, die anders ist als bei den großen Veranstaltungen in der Stadt. Und sie weiß, wovon sie spricht, ist sie doch gleichfalls bei den Colombinen aktiv.

Dass man im Veedel anders tickt, ist auf der Jubiläumsveranstaltung zu spüren. Hier geht alles eine Spur gemütlicher zu. Es muss nicht alles perfekt sein und wenn eine Lücke auftritt, wird eben Musik gespielt. Keinen stört das. Präsident Heinz Kratz moderiert in schönstem Kölsch und sucht dabei die Unterstützung seiner Geschäftsführerin Gabriele Stüsser. Als nächste Nummer kündigt er den Weltenbummler an – eine außerordentliche Ehre und ein Zeichen der Verbundenheit mit dem Veedelsverein, hat sich Gerd Rück doch aus den aktiven Geschäft zurückgezogen. 

 

Mit einem Feuerwerk feiern die Muschele dann ihren 60. Geburtstag. Wenn am Himmel die Stääne danze … Und da gibt es ganz viele, die schon auf die Schlussnummer anspielen. Vorher kommt noch der Spillmannszoch der Kallendresser vorbei und lädt zum Mitsingen und Schunkeln ein. Klar, dass sich bei „En Unserem Veedel“ alle in den Amen liegen. Dann heißt es Platz machen für die Party, Tische werden umgesetzt, Pittermännchen reingeholt: Pläsier rockt die Bühne, bevor die Klüngelköpp das Finale einleiten. Aber auch danach ist noch lange nicht Schluss … Das 60. Jubiläum will eben gefeiert werden.

Lange noch nicht Schluss heißt es auch beim Veedelszoch. Ursula Weber-Woelk wird diese Session nicht auf dem Gesellschaftswagen der Mauenheimer Muschele mitfahren können und das bedauert sie sehr. Aber seit letztem Jahr gibt es eine große After-Zoch-Party für Jung und Alt über alle Etagen des Pfarrheims und die will organisiert werden. Jedes Jahr an Karnevalssamstag zieht der Zoch mit rund 15 Gruppen und 300 Teilnehmern durch die Straßen Mauenheims. Dann ist das ganze Veedel auf den Beinen. Die Häuser sind mit Luftballons und Luftschlangen geschmückt, Stehtische sind aufgestellt, an vielen Stellen gibt es Kölsch, belegte Brötchen, Berliner und mehr und überall ist Karnevalsmusik zu hören. Weil hier jeder jeden kennt, werden viele Kamelle geworfen oder persönlich übergeben und manchmal fällt gar das Wort „Knieskopp“, wenn es kein Strüßjer gibt. In diesem Zoch kann man die viel gelobte Integrationskraft des Fastelovend erleben. Seit letztem Jahr zieht auch die Kinder- und Jugendeinrichtung „Take Five Mauenheim“ mit Pänz unterschiedlichster Nationalitäten mit, die so an das Kulturgut Karneval herangeführt werden.

 

Wie schafft es ein kleiner Verein, das alles ganz alleine auf die Beine zu stellen? Schon die Finanzierung und Organisation des Veedelszoch mit den immer höheren Auflagen von Seiten der Stadt und der Polizei sind eine Mammutaufgabe. Für Zugleiter Volker Kaiser gibt es da einiges zu tun. Ganz traditionell gehen die Mauenheimer Muschele von Haus zu Haus und sammeln für den Zoch, ab 35 Euro Spende gibt es einen Orden. Der Rest wird aus dem Überschüssen der Sitzungen und den Sammlungen beim monatlichen Treff finanziert. Vielleicht gibt es diese Session ja auch ein paar Euros aus dem städtischen Fördertopf. Denn die Bedeutung des Veedelskarnevals für das Zusammenleben im Stadtteil ist mittlerweile anerkannt!