Orange, wiess, rut – dreimal Korpsappell (Stefan)

Mitglieder eines Traditionskorps lieben Traditionen und leben sie (nicht nur) in der Session mit vollem Engagement. Und natürlich beginnt jede Session damit, dass sich das Korps versammelt und zeigt, dass es gut gerüstet ist für alles, was da so kommen mag. Korpsappell heißt so eine Veranstaltung. Man trifft sich, man trinkt etwas zusammen, man feiert sich – „same procedure as every year! Warum sollte man sich das immer wieder antun?

Dieses Jahr orange zuerst…

Dienstag Abend im Maritim volles Haus. Die Appelsinefunken feiern mit 650 Gästen den Start in die Session. Die Veranstaltung beginnt, wie in den letzten Jahren schon, mit einem kurzen Film: Rückblick auf die vergangene Session in der Hoffnung, im Saal karnevalsgerechte Stimmung zu erzeugen. Nun ja, mancher mag Gefallen daran gefunden haben. Dann geht’s aber doch richtig los, Präsident Michael Gerhold begrüßt sein Korps und die Ehrengäste, danach führt er routiniert locker durch den Abend. Ernennung der Ehrenoffiziere, Ehrung verdienter Mitglieder und Jubilare, Beförderungen; einer der Höhepunkte, die Vereidigung der Rekruten. Ein anderer war, als Senatspräsident Alexander Gewehr den vorläufigen Beitrag des Senats zum Erwerb der Gesellschaftsimmobilie überreichte. Michael Gerhold nahm den Scheck über 175.000 € gern in Empfang.

Damit auch die Seele nicht zu kurz kam traten Nici Kempermann (die Sängerin von Kempes Feinest) und Michael Hehn (Dä Nubbel) als Käthe und Willi Ostermann auf die Bühne: „En Köln am Rhing ben ich gebore …“. Bei mir am Tisch hakte man sich unter und sang kräftig (die einen mehr, die anderen weniger) mit.

Mittwoch Abend ward’s „rut-wiess“.

Regimentsexerzieren der Roten Funken wieder im Maritim, wieder volles Haus, wieder das gleiche Ritual. Begrüßung durch Präsident Dirk Wissmann. Zum zweiten Mal als Präsident schon sichtlich routinierter.

Ob er sich auch wie sein Vorgänger, Rote Funken Ehrenpräsident Heinz-Günter Hunold, zu einer „Rampensau“ entwickelt, bleibt noch abzuwarten. Aber Für Spass und Freude auf der Bühne sorgten wie gewohnt die vier Kubbel und die Rekruten, die jeweils kleine, lustige (oder zumindest lustig gemeinte) Sketche aufführten. Sei es die „Kommunikation per Whats App“, die Frage ob der Fahneneid auch gegendert werden müsse oder welche Uniform am besten zu einem Roten Funk passt. Alle Themen wurden mit viel Herzblut auf die Bühne gebracht und das Korps hat sich mit viel Beifall bedankt.

Mein Highlight des Abends war die Begrüßung durch einen Kameraden: „Jetzt sehen wir uns jeden Tag, ist das nicht herrlich!“ Für das Korps war das wohl eher die Ehrung von Oskar Hamacher für 75 Jahre Mitgliedschaft. Der bekam vom Präsidenten als Dank für seinen langjährigen Einsatz die erste von 10 Bronze-Figuren eines „Funks an der Ülepotz überreicht.

Apropos überreichen. Auch die „Kötterbüchs“ wechselte an diesem Abend den Bezitzer. Bernhard Conin von den „Freunden und Förderern des Kölnischen Brauchtums“ konnte an diesem Abend den Ertrag der letzten Aktion in Höhe von 50.000 € in Empfang nehmen.

Last but not least die „Mehlsäck“.

Generalkorpsappell der Prinzen-Garde am Donnerstag, nochmal im Maritim und natürlich wieder volles Haus! Präsident Dino Massi war stolz auf sein Korps und Komandant Marcel Kappestein fand berührende Worte für den Zusammenhalt:“ Gemeinschaft entsteht dadurch, dass man sie lebt.“ Für sein langjähriges Engagement für die Prinzen-Garde wurde Marcel Kappestein zum Generaloberst befördert.

Und gleich noch eine Ehrung für 50 Jahre herausragendes Engagement für’s Korps: Matthias Schenke wurde zum Ehrenratsherren ernannt.

Sandra Wüst und Thomas Engel, das Tanzpaar der Prinzen Garde, stellte einen neu einstudierten Tanz vor. Vor Vergnügen, die wie immer perfekten Bewegungen der beiden zu sehen, ist mir leider das Neue und Besondere des Tanzes entgangen. Macht nichts, Spass hat eh‘ gemacht.

Höhepunkt des Abends und für das Korps im Grunde der ganzen Session war der Auftritt ihres (noch designierten) Dreigestirns. Der Moderator des Korpsappells, Protokollchef der Prinzen-Garde, Marcus Gottschalk, präsentierte die Drei mit großer Freude und nicht zu übersehender Rührung.

Niklas Jüngling (Prinz Niklas I.), Clemens von Blanckart (Bauer Clemens) und Stefan Blatt (Jungfrau Aenne) freuen sich darauf, ihren Traum „för üsch“zu leben: „Einmol Prinz zo sin en Kölle am Rhing…“ Der Wille, in der Session den Kölnern Freude zu bringen, war den Dreien anzusehen. Ob’s immer gelingen mag, bleibt abzuwarten. Ich nehme den sichtbar guten Willen für die Tat und freue mich auf die Session und auf viele Begegnungen mit den Dreien.

Drei Tage Korpsappell und der Gedanke kommt auf: Nun reicht’s. Zum Schluß noch die Antwort auf die Eingangsfrage „Warum sollte man sich das immer wieder antun?“: Ein Kamerad begrüßte mich gleich am ersten Abend mit den Worten:“ Immer wieder schön, Dich zu sehen. Du bist ein so liebenswerter Mensch“. Ich weiß nicht, wieviel Kölsch mein Kamerad schon intus hatte, gefreut hab‘ ich mich dennoch. Und wenn ich ehrlich bin, tue ich es immer noch. Die Antwort auf die Frage also: Weil es einfach immer wieder gut tut!

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