Orange, wiess, rut – dreimal Korpsappell (Stefan)
Mitglieder eines Traditionskorpsist eine Ehrenbezeichnung. Zum Traditionskorps wird eine Gesellschaft vom Festkomitee-Praesidenten ernannt, weil sie sich mit ihrer Brauchtumsförderung in den historischen Uniformen um den Karneval verdient gemacht hat. Derzeit gibt es im Kölner Karneval neun Traditionskorps: die Roten und die Blauen Funken, die Ehrengarde, die Nippeser Bürgerwehr, die Bürgergarde blau-gold, die Prinzengarde, die Altstädter, der Treue Husar und das Reiterkorps Jan von Werth. More lieben Traditionen und leben sie (nicht nur) in der Session mit vollem Engagement. Und natürlich beginnt jede Session damit, dass sich das Korps versammelt und zeigt, dass es gut gerüstet ist für alles, was da so kommen mag. Korpsappelloder auch Regimentsappell ist eine jecke Persiflage auf die militärische Tradition der Appelle. Jedes Traditionskorps veranstaltet zu Beginn der Session einen solchen Appell mit geladenen Gästen, bei der die Mitglieder auf ihre Sessionstauglichkeit „geprüft", neue Mitglieder vereidigt, Beförderungen ausgesprochen und Ehrenmitglieder ernannt werden. Für das Tanzpaar, das Tanzkorps und die Musikkapelle ist es ein Art Generalprobe, denn sie haben hier mit ihrem Tanz bzw. ihrer Musik den ersten Auftritt in der Session. More heißt so eine Veranstaltung. Man trifft sich, man trinkt etwas zusammen, man feiert sich – „same procedure as every year! Warum sollte man sich das immer wieder antun?
Dieses Jahr orange zuerst…

Dienstag Abend im Maritim volles Haus. Die Appelsinefunken feiern mit 650 Gästen den Start in die Session. Die Veranstaltung beginnt, wie in den letzten Jahren schon, mit einem kurzen Film: Rückblick auf die vergangene Session in der Hoffnung, im Saal karnevalsgerechte Stimmung zu erzeugen. Nun ja, mancher mag Gefallen daran gefunden haben. Dann geht’s aber doch richtig los, Präsident Michael Gerhold begrüßt sein Korps und die Ehrengäste, danach führt er routiniert locker durch den Abend. Ernennung der Ehrenoffiziere, Ehrung verdienter Mitglieder und Jubilare, Beförderungen; einer der Höhepunkte, die Vereidigung der Rekruten. Ein anderer war, als Senatspräsident Alexander Gewehr den vorläufigen Beitrag des Senats zum Erwerb der Gesellschaftsimmobilie überreichte. Michael Gerhold nahm den Scheck über 175.000 € gern in Empfang.

Damit auch die Seele nicht zu kurz kam traten Nici Kempermann (die Sängerin von Kempes Feinest) und Michael Hehn (Dä Nubbeloder Zacheies ist eine Strohpuppe, die von Altweiber an über der Eingangstür oder aus den Fenstern vieler Kneipen hängt. Der Nubbel hat im Kölner Karneval eine ganz besondere Funktion: Er ist nämlich der Sündenbock, der an allen Sünden schuld ist, die im Karneval begangen wurden. Ob leerer Geldbeutel, dicker Kopf, ein betrogener Partner oder das Vergessen des Alltags, der Nubbel muss dafür am Ende der Karnevalszeit büßen. Am Karnevalsdienstag um Mitternacht wird er unter lautem Geheule und Wehklagen verbrannt und damit werden nach dem Volksglauben auch die Schandtaten der letzten Tage symbolisch zu Grabe getragen. More) als Käthe und Willi Ostermann auf die Bühne: „En Köln am Rhing ben ich gebore …“. Bei mir am Tisch hakte man sich unter und sang kräftig (die einen mehr, die anderen weniger) mit.

Mittwoch Abend ward’s „rut-wiess“.

Regimentsexerzieren der Roten Funken wieder im Maritim, wieder volles Haus, wieder das gleiche Ritual. Begrüßung durch Präsident Dirk Wissmann. Zum zweiten Mal als Präsident schon sichtlich routinierter.

Ob er sich auch wie sein Vorgänger, Rote Funkensind Kölns ältestes Traditionskorps und verstehen sich mit ihren weißen Hosen, roten Uniformröcken und schwarzen Grenadiermützen als Nachfolger der Stadtsoldaten der freien Reichsstadt Köln. Dass sie in friedfertiger Absicht kommen, zeigen die rot-weißen Blumen im Lauf der Knabüß! Bis heute ist die Persiflage der Karnevalssoldaten beliebt, militärische Paraden als Stippeföttchetanz aufzuführen: Dabei stehen jeweils zwei Gardisten Rücken an Rücken, strecken (kölsch: stippe) ihr Gesäß (kölsch: Föttche) heraus und reiben es im Takt der Musik gegeneinander. Um die Kameradschaft im großen Funken-Korps besser pflegen z... More Ehrenpräsident Heinz-Günter Hunold, zu einer „Rampensau“ entwickelt, bleibt noch abzuwarten. Aber Für Spass und Freude auf der Bühne sorgten wie gewohnt die vier Kubbel und die Rekruten, die jeweils kleine, lustige (oder zumindest lustig gemeinte) Sketche aufführten. Sei es die „Kommunikation per Whats App“, die Frage ob der Fahneneid auch gegendert werden müsse oder welche Uniform am besten zu einem Roten Funk passt. Alle Themen wurden mit viel Herzblut auf die Bühne gebracht und das Korps hat sich mit viel Beifall bedankt.

Mein Highlight des Abends war die Begrüßung durch einen Kameraden: „Jetzt sehen wir uns jeden Tag, ist das nicht herrlich!“ Für das Korps war das wohl eher die Ehrung von Oskar Hamacher für 75 Jahre Mitgliedschaft. Der bekam vom Präsidenten als Dank für seinen langjährigen Einsatz die erste von 10 Bronze-Figuren eines „Funks an der Ülepotz überreicht.

Apropos überreichen. Auch die „Kötterbüchs“ wechselte an diesem Abend den Bezitzer. Bernhard Conin von den „Freunden und Förderern des Kölnischen Brauchtums“ konnte an diesem Abend den Ertrag der letzten Aktion in Höhe von 50.000 € in Empfang nehmen.
Last but not least die „Mehlsäck“.

Generalkorpsappell der Prinzen-Garde am Donnerstag, nochmal im Maritim und natürlich wieder volles Haus! Präsident Dino Massi war stolz auf sein Korps und Komandant Marcel Kappestein fand berührende Worte für den Zusammenhalt:“ Gemeinschaft entsteht dadurch, dass man sie lebt.“ Für sein langjähriges Engagement für die Prinzen-Garde wurde Marcel Kappestein zum Generaloberst befördert.

Und gleich noch eine Ehrung für 50 Jahre herausragendes Engagement für’s Korps: Matthias Schenke wurde zum Ehrenratsherren ernannt.

Sandra Wüst und Thomas Engel, das Tanzpaar der Prinzen Garde, stellte einen neu einstudierten Tanz vor. Vor Vergnügen, die wie immer perfekten Bewegungen der beiden zu sehen, ist mir leider das Neue und Besondere des Tanzes entgangen. Macht nichts, Spass hat eh‘ gemacht.

Höhepunkt des Abends und für das Korps im Grunde der ganzen Session war der Auftritt ihres (noch designierten) Dreigestirns. Der Moderator des Korpsappells, Protokollchef der Prinzen-Garde, Marcus Gottschalk, präsentierte die Drei mit großer Freude und nicht zu übersehender Rührung.

Niklas Jüngling (Prinz Niklas I.), Clemens von Blanckart (Bauer Clemens) und Stefan Blatt (Jungfrau Aenne) freuen sich darauf, ihren Traum „för üsch“zu leben: „Einmol Prinz zo sin en Kölle am Rhing…“ Der Wille, in der Session den Kölnern Freude zu bringen, war den Dreien anzusehen. Ob’s immer gelingen mag, bleibt abzuwarten. Ich nehme den sichtbar guten Willen für die Tat und freue mich auf die Session und auf viele Begegnungen mit den Dreien.
Drei Tage Korpsappelloder auch Regimentsappell ist eine jecke Persiflage auf die militärische Tradition der Appelle. Jedes Traditionskorps veranstaltet zu Beginn der Session einen solchen Appell mit geladenen Gästen, bei der die Mitglieder auf ihre Sessionstauglichkeit „geprüft", neue Mitglieder vereidigt, Beförderungen ausgesprochen und Ehrenmitglieder ernannt werden. Für das Tanzpaar, das Tanzkorps und die Musikkapelle ist es ein Art Generalprobe, denn sie haben hier mit ihrem Tanz bzw. ihrer Musik den ersten Auftritt in der Session. More und der Gedanke kommt auf: Nun reicht’s. Zum Schluß noch die Antwort auf die Eingangsfrage „Warum sollte man sich das immer wieder antun?“: Ein Kamerad begrüßte mich gleich am ersten Abend mit den Worten:“ Immer wieder schön, Dich zu sehen. Du bist ein so liebenswerter Mensch“. Ich weiß nicht, wieviel Kölsch mein Kamerad schon intus hatte, gefreut hab‘ ich mich dennoch. Und wenn ich ehrlich bin, tue ich es immer noch. Die Antwort auf die Frage also: Weil es einfach immer wieder gut tut!
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