Halbzeit im Kölner Karneval, eine Bilanz (der Wilfried)

Zweite Halbzeit: Jetzt haben wir schon mehr als die Hälfte unserer jecken Session 2019/2020 hinter uns. Hier ein kleines Resümee von mir, was alles so gut und weniger gut ist.

Was richtig gut war in der ersten Halbzeit

Fangen wir mal an mit unserem Dreigestirn. Waaahnsinn wie die Drei beim Publikum ankommen. Alle Drei erleben jede, aber auch jede Bühne mit einer Leidenschaft und Freude. Dieser Funke schlägt direkt ins Publikum über, die dieses Dreigestirn feiert wie kaum ein anderes in den letzten Jahren. Authentisch, Tränen werden vergossen, und liebe Leser, so etwas kann man nicht spielen. Das kommt ganz tief aus dem Herzen. Wenn dann noch die eigene stolze Gesellschaft mit auf die Bühne marschiert, gibt es kein Halten mehr. 

Unsere Bands werden immer professioneller. Im positivem Sinne. Auch nach mehreren Auftritten merkt das Publikum nie, wie der Zahn der Erschöpfung an ihnen schon nagt.

Die Fööss schwimmen auf einer Erfolgswelle ohne Gleichen. Jeder Saal spielt im Vorprogramm deren Lieder, jeder schunkelt und singt mit. Sie haben es sich so verdient. 50 Jahre Fööss. Und das Publikum verneigt sich und zieht den Hut.

Peter Brings Halbzeit

Der arme Peter Brings, gebeutelt durch eine schmerzhafte Knieverletzung, zeigt auf der Bühne seine Profi-Einstellung. Wenn man es nicht weiß, merkt und sieht man es nicht.

1823 Party der Rote Funken

Kasalla, Cat Ballou räumen jeden Saal ab. Keinen hält es auf den Stühlen. Auch bei den anderen Top Bands habe ich keinen Ausfall der Gunst des Publikums verzeichnen können. Ramba Zamba zu jeder Uhrzeit. Trotzdem geniesse ich ab und zu, wenn ich sie sehe, zum Beispiel die MBB Band, die Micky Brühl Band, die so eine herrliche Ruhe mit wunderschönen neuen und alten Liedern auf der Bühne ausstrahlt. Und das Publikum geht genauso mit. Aber wenn alle gleich wären, wäre es ja auch schlecht.

Wicky Junggeburth bringt was phantastisch Neues auf die Bühne. Er versucht mit Erfolg Sachen aus den Flüstersitzungen auf Prunksitzungen darzubieten. Und das Publikum hört ihm aufmerksam zu, wenn er aus alten Zeiten der 50-er, der 60-er und der 70-er Jahre erzählt. Natürlich darf – Einmal Prinz ze sin – nicht fehlen. Mach weiter so, Du bringst eine neue Facette in die großen Säle. Der Applaus gibt Dir recht. 

Tanzgruppen sind alle wieder voll da. Da geht mir das Herz immer auf. Ob Müüs, Kammerkätzchen, Höppies, Hillije usw. wirbeln sie über die Bühne und meistens endet der Tanz in Standing Ovation.

Einen Tanz, nicht die Tanzgruppe, möchte ich aber hervorheben. Was der Tim Bauer mit den Greesbergern auf die Bühne als Jubiläumstanz hingestellt hat, ist phänomenal. Leute, schaut ihn euch an. Tanz in Vollendung mit einer Wahnsinns-Choreografie.

Fauth Dance Company, Herrensitzung, Kölner Karneval, Karneval 2017, Session 2017

Als Redner vermisse ich den Willibert Pauels und den Jupp Mendt auf der Bühne. Willibert mit seinem feinen Humor und den Brachialhumor von Jupp. Aber alle anderen vertreten sie hervorragend auf der Bühne. Bernd Stelter mit seiner Lunge bläst sie alle weg, ist sich aber nicht zu schade bei unaufmerksamen Tischen um Ruhe zu bitten, im Sinne, dass das andere Publikum seinen Gesang und seiner Rede folgen kann. 

Der weibliche Knaller ist Ingrid Kühne. Dieses niederrheinische Gewächs ist auf dem ganz steilem Weg nach oben. Geschichten und Witze aus dem Leben, über ihren Hinfahrer Ehemann Ralf und dem Sohn Sven. Ah, die Mutter noch dabei. Jeder hat so was schon mal erlebt und lacht sich scheckig weg. Warum Hinfahrer Ralf? Der fährt seine Frau vom Niederrhein nach Köln, zischt sich bei den Auftritten ab und zu ein Kölsch und Frau Kühne muss weiterfahren, auch den Weg nach Hause. Er trägt auch eine Jacke mit der Stickerei HINFAHRER.

Helmut Blödgen, der die meisten Saalkapellen stellt, ist für Bands und Tänzer eine absolute Bank. Schwierigste Rhythmuswechsel im Tanz bekommt er mit einem Fingerschnippen hin. Damit soll die Leistungen der anderen aber nicht geschmälert werden.

Halbzeit-Hammer

Mädchensitzungen sind der reinste Hammer, wenn das Gehör nicht so darunter leiden würde. Die Mädchensitzung der Willy Ostermann Gesellschaft am Sonntag ein Paradebeispiel. Ausser Rand und Band die Mädels, eine Geräuschkulisse wie beim FC, aber wenn ein Herr Metzger auf die Bühne kommt, setzt man sich und hört auch zu. Tolles Konzept, aber zum Sitzen kommt man kaum.

Die Verpflegung in den Sälen ändert sich auch zum Positiven. Ob Sartory, Pullman, Maritim, Gürzenich usw, sie alle bemühen sich ausserordentlich in den Pausen oder für zwischendurch leckere Sachen anzubieten. Weiter so. Okay, das Preisniveau ist immer noch recht hoch, aber es ist auch lecker.

Was nach der ersten Halbzeit besser werden könnte

Parksituationen und Parkpreise sind immer noch absolut verbesserungswürdig. Bleibt man über acht Stunden im Saal, ist man zwischen 16 und 20 Euro an Parkgebühren los. Da lob ich mir das Maritim Hotel, welches eine Veranstaltungspauschale ausgerufen hat. Nicht per Stunde, sondern einen Preis für eine Sitzung.

Die Parkplatzsituation am Hintereingang vom Sartory ist erschreckend für die Künstler. Das man es da noch nicht geschafft hat, von Seiten der Stadt eine Be- und Entladezone für Bandbusse oder Equipment Busse zu organisieren, versteh ich nicht, Chaos pur!

Mit dem Motto hat das Festkomitee dieses Jahr den Vogel abgeschossen. Jeder, der aus einem Veedel kommt, ist wahnsinnig stolz. Der Karneval im Veedel hat eine ungeheuere Aufwertung dadurch bekommen, ohne dem großen Fastelovend in den Sälen etwas wegzunehmen. 

Ich finde es toll. Die ganze Session bisher. Von der Stimmung eine der Besten die ich bisher erleben durfte.

Der Wilfried

 

Fotos: ©BKB, ©Joachim Badura, ©Vera Drewke